Jan 102017
 

„Halt die Deadline ein, so ist’s fein | Hol die Ellenbogen raus, burn dich aus | 24/7, Acht Bis Acht |  Was geht ab, machste schlapp, what the fuck?!“  (Deichkind, Bück dich hoch, 2012)

kritische_wissenschaft_2017Die Ursache für Burnout und Depression (in) der „Leistungsgesellschaft“ ist das Zurückdrängen eines gemeinwohlorientierten Sinns hinter all den Deadlines und Monatskennziffern, ein konkurrenzgetriebenes ‘Rennen ohne Ankommen’ und gefühlte Ausgeliefertheit an unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wir leben in einer verkehrten Welt, in einer Welt der Zweck-Mittel-Verkehrung. Der Zweck unseres Studiums soll nicht etwa im Verstehen der Welt zum Verbessern der Welt bestehen, sondern im „Erwerben“ von Leistungspunkten für unser „Leistungskonto“ nach vorgegebenem Studienplan, um damit später auf dem Arbeitsmarkt etwas anfangen zu können. Der Zweck der Forschung soll anstelle von Gemeinwohlorientierung das „Einwerben“ von Drittmitteln oder das Sammeln von Punkten in der sog. Leistungsorientierten Mittelvergabe sein (Mittel, die erst im Wettbewerb unter  Professor*Innen vergeben werden, wenn diese bestimmte Anforderungen erfüllen). Im Jahr 2012 betrug die Drittmittelquote 28 %  des gesamten Hochschulbudgets. Zum Vergleich: 2003 waren es 19 %.

Die Folge der heutigen Sinnentleerung und Trennung von Forschung und Lehre ist eine Kultur der Entfremdung, die schon die 68er-Bewegung ablehnte: „Zumal wenn Forschen und Lernen auseinandergerissen sind und die Studenten am Forschungsprozeß nicht beteiligt werden, erleben sie ihre Arbeit nur als passiv-konsumtiv, als bloßes Erlernen herausgerissener Momente des Ganzen, nicht aber als eigene Entäußerung, als ‘Aus-sich-heraus’ (Bloch), als aktives Eingreifen in den Wissenschaftsprozeß selbst. Auf der Universität sind persönliche Identifikationen und Beziehungen ersetzt worden durch verdinglichte.“ (Bacia/Geulen, “Wider die Untertanenfabrik”, 1967) Im Zuge der 68er-Bewegung wurde von dieser Kritik ausgehend tendenziell eine Vorstellung von Bildung und Wissenschaft als Grundrecht realisiert, die den Auftrag hatte gesellschaftliche Selbstaufklärung, sowie sozialen, kulturellen und ökologischen Fortschritt anzutreiben.

Der neoliberale Umbau der Hochschulen wurde dementgegen forciert, damit Forschung nicht gesellschaftliche Emanzipation, sondern verwertbaren und affirmativen Output bedeutet. Damit Humankapital ausgebildet wird anstatt dass mündige Persönlichkeiten sich bilden. Die dazu gewählten Mittel: Unterfinanzierung, Managementstrukturen und Wettbewerbsverfahren. Doch der Widerstand dagegen ist weit verbreitet und wächst.

Besonders in Zeiten der aktuellen Krise des Neoliberalismus und den rechts lauernden Hetzer*Innen ist eine  kritische Wissenschaft eine wichtige Stimme der Hoffnung: sie nimmt den Verhältnissen ihren Schein der Natürlichkeit, zeigt Veränderungspotenziale auf und mischt sich in der gesellschaftlichen Gegnerschaft parteiisch ein für „eine Welt des Friedens und der Freiheit“ (Schwur von Buchenwald): „Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen, dabei vor allem auch gegen den Strom der eigenen Vorurteile, und in der bürgerlichen Gesellschaft zudem gegen die eigene Tendenz zum Sich-Korrumpieren-Lassen und Klein-Beigeben gegenüber den herrschenden Kräften, denen die Erkenntnisse gegen den Strich gehen, die ihren Herrschaftsanspruch gefährden könnten.“  (Klaus Holzkamp, Forum Kritische Psychologie 12, 1983)

Um mit dieser Orientierung die gesamte Hochschule zu durchwirken und im Studium auch die absurde Trennung von Forschung und Lehre aufzuheben, haben unsere VorkämpferInnen schon für ein gesellschaftlich eingreifendes, forschendes, exemplarisches und interdisziplinäres Lernen gekämpft: das Projektstudium. Das Projektstudium dreht die Zweck-Mittel-Verkehrung um, indem es aktuelle gesellschaftliche Fragen (heute bspw. G20-Gipfel, Situation Geflüchteter oder die Organisation des Gesundheitssystems) zum Ausgangspunkt einer forschend-politischen Arbeit macht. So ist das Ziel nicht eine Prüfungsleistung, sondern kann bspw. die Verhinderung des G20-Gipfels, die Rekommunalisierung der Krankenhäuser oder der Kampf für die Überwindung der Fluchtursachen (Krieg!) und die Realisierung des Grundrechts auf Asyl sein, bzw. der aufklärerische Beitrag zu diesen Bewegungen.

Trauen wir uns also, unserer Ahnung nachzugehen, dass Studium etwas anderes sein muss als die Erfüllung von Anforderungen in der Bachelor-Master-Routine. Deshalb sind wir und viele andere in der Studienreform zur Bildung mündiger Persönlichkeiten aktiv. Trauen wir uns also, tagtäglich aufs Neue aus der Anpassung auszubrechen und die gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen. Statt Veränderung nur zu fordern: Lasst uns selbst die solidarische, eingreifende Alternative sein und unser Ändern leben.

Flugblatt als PDF hier

Dez 022014
 

UmwälzungenDas aktuelle Bachelor-Master-System soll als Erziehung zu Konformität mit ökonomisch verwertbarem Studieninhalt davon abhalten, die gesellschaftlichen Probleme zu bearbeiten. Das macht krank und führt in eine Sackgasse. Das System soll uns nahe legen: Wenn du dich nur genügend anstrengst, leistest und dich anpasst,  wirst du es schon schaffen. Jeder sei also seines Glückes Schmied? Insbesondere in der (Vor-)Weihnachtszeit kommen dazu auch noch die nervigen Fragen der Verwandten, wie es denn so mit dem Studium laufe und welche Pläne man für „später“ habe.

Das Problem ist, dass Hipster und Studenten, oder wie man sie nennen will, sich und ihre Probleme nicht ernst nehmen. Ich fände es total interessant zu erfahren, was es für jemanden aus diesem Umfeld bedeutet, dem Jeder-ist-seines-Glückes-Schmied-Diktat ihrer Eltern zu entsprechen.” Maxim Drüner in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 23.11.2014.

Das Jeder-ist-seines-Glückes-Schmied-Diktat des neoliberalen Kapitalismus bedeutet für immer mehr Studierende “depressive Verstimmung”, was die Psychologische Beratung der Uni Hamburg in ihrem Jahresbericht als häufigsten Konsultationsgrund benennt. Die Verbindung von wenig inhaltlicher und struktureller Gestaltungsmöglichkeit im Studium und hohen gesetzten Anforderungen erzeugt massenhaft psychisches Leiden. Also ist es Zeit, sich ernst zu nehmen und von diesem gesellschaftlichen Problem zu berichten, anstelle sich für die angeblich unzureichende Leistungsfähigkeit zu schämen.

Dies heißt auch, daß psychische Befindlichkeit nicht wiederum nur durch Psychisches veränderbar ist, sondern eine wirkliche Verbesserung meiner subjektiven Lebensqualität identisch ist mit der Erweiterung meiner Verfügung über die objektiven Lebensbedingungen, damit auch identisch mit meiner Bündnisbreite, mit der Möglichkeit meines Zusammenschlusses mit anderen.“ – Klaus Holzkamp, „Grundkonzepte der Kritischen Psychologie“.

Denn die eigentliche sinnvolle und menschliche Aufgabe des Studiums ist es, durch wissenschaftliche Tätigkeit gemeinsam mit anderen an der positiven Veränderung der Lebensverhältnisse mitzuwirken. An dieser Entwicklung können wir uns durch die progressive Studienreform beteiligen, hin zu gesellschaftlich eingreifendem, emanzipatorischem Studieren. Die Umwälzung ist begonnen: Viele Restriktionen (Fristen, Anwesenheitszwang, Bereich „Allgemein berufsqualifizierende Kompetenzen“) sind abgeschafft. Als nächster Schritt muss der Inhalt des Studiums neu bestimmt werden. Im UN-Sozialpakt ist dazu in Artikel 13 der Auftrag gefasst, dass Bildung „auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und des Bewußtseins ihrer Würde gerichtet sein muß“, sowie sie „jedermann ermöglichen muß, eine nützliche Rolle in einer freien Gesellschaft zu spielen.“ Während das Studium oft als Last von Leistungspunkte-Lauf und Eltern-Erwartungsdruck erscheint, können wir durch Studienreform, emanzipatorische Bildung und kritische Wissenschaft dazu beitragen, dass aus der Möglichkeit eines menschenwürdigen internationalen Zusammenlebens Wirklichkeit wird. Das ist dann die nützliche Rolle der Studierenden.

Ich möchte Student sein, um mir einmal an Hand einer Wissenschaft langsam klarzumachen, wie das so ist im menschlichen Leben. (…) Mit welchem Resultat könnte man studieren, wenn man nicht es mehr müßte! Wenn man es will! Wenn die Lehre durch weitgeöffnete Flügeltüren einzieht, anstatt durch widerwillig eingeklemmte Türchen, wie so oft in der Jugend!“ – Kurt Tucholsky, „Ich möchte Student sein“.

Flyer als PDF hier

Nov 092014
 

gehalten von Franziska Hildebrandt

(es gilt das gesprochene Wort)

Liebe Anwesende,

liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen,

als hier am 09.11.1938 die Bornplatz-Synagoge in unmittelbarer Nähe zur Universität verwüstet und geschändet wurde, hatte die Uni ihre ideologische Gleichschaltung und sog. „rassische“ Säuberung längst mitvollzogen. Schon vor 1933 hatte die Verfolgung humanistischer, linker, demokratischer und jüdischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingesetzt.

Die Studierendenschaft der Universität Hamburg hat die Installation der faschistischen Herrschaft in dieser Institution historisch mit zu verantworten. Es waren studentische Verbindungen und der NS-Studentenbund, die aktiv an der (Selbst-)Gleichschaltung der Universität sowie der Vertreibung, rassistisch und antisemitisch diskriminierter und kritischer Mitglieder mitgewirkt haben. Im Besonderen wurde die Bücherverbrennung im Mai 1933 maßgeblich aus der organisierten Studentenschaft heraus organisiert.

Wir haben als Studierendenschaft also heute eine besondere Verantwortung, mit dem Kampf für kritische Bildung und Wissenschaft für alle einen Beitrag dazu zu leisten, den Anfängen zu wehren. Dafür ist heute wie damals, in der weltweiten Wirtschaftskrise, die gleiche Würde aller Menschen ein sinnvoller Maßstab der nötigen Veränderung der Gegenwart. Wir haben daraus die Verantwortung, die Welt wissenschaftlich zu durchdringen, die aktuellen Verhältnisse in ihrer historischen Entstehung kritisch zu reflektieren, daraus Lösungsansätze und Alternativen zu erarbeiten und diese gesellschaftlich im Sinne der Allgemeinheit zu verwirklichen. So können gefährliche Wiederholungen ausgeschlossen und echte Verbesserungen begonnen werden, indem die aktuelle tiefe Krise nicht verschärft, sondern positiv gelöst wird.

Der Antisemitismus der Faschisten diente in der damaligen tiefen Krise des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens dazu, eine einfache „Lösung“ für diese vorzutäuschen. Das völlige Aufgehen-Sollen der Menschen in der sog. „deutschen Volksgemeinschaft“ mit ihrer aggressiven, feindseligen und antihumanistischen Ideologie sollte auch funktional dazu führen, soziale Konflikte zu harmonisieren, zu verdecken und sie somit zu verfestigen.

Daraus ist zu lernen, um für unsere heutige Tätigkeit Ableitungen zu treffen.

Oder mit Georg Lukács1 gesagt: „Die kollektive Verantwortung einer Nation für einen Abschnitt in ihrer Entwicklung ist etwas derart Abstraktes und Unbegreifbares, daß sie an Widersinn streift. Und doch kann ein solcher Abschnitt wie die Hitlerzeit nur dann im eigenen Gedächtnis als abgetan und erledigt betrachtet werden, wenn die intellektuelle und moralische Einstellung, die ihn erfüllte, ihm Bewegung, Richtung und Gestalt gab, radikal überwunden wurde“.

Auch heute wird zur Legitimation sozialer Ungleichheit versucht, Menschen als „minderwertig“ und „Sozialschmarotzer“ zu stigmatisieren, um von den unmittelbaren Folgen einer gescheiterten neoliberalen Politik abzulenken, die den gesellschaftlichen Reichtum radikal nach oben umverteilt, durch Vereinzelung die gesellschaftliche Rohheit fördert und damit sozialdarwinistischem Gedankengut Vorschub leistet.

Die Auseinandersetzung um die intellektuellen und moralischen Einstellungen verläuft in der Universität verdichtet ab. Aktuell versucht die sog. „Alternative für Deutschland“ durch Besinnung auf Heimat, Tradition und Nation, das tief in der Krise steckende System von enormer sozialer Ungleichheit zu legitimieren. Ihr Begründer Bernd Lucke versucht seine neoliberalen, rassistischen und sozialdarwinistischen Parolen als Professor der Universität Hamburg pseudo-wissenschaftlich zu festigen. Stattdessen müssen diese Apologeten des Neoliberalismus als Brandstifter der Krise benannt und wirkliche Perspektiven, unter anderem durch die Umverteilung von oben nach unten, und erhöhten staatlichen Investitionen erarbeitet werden. Die Gestaltung der Hochschulen als gemeinsame öffentliche Angelegenheit hat also hohe Bedeutung.

Um der Losung „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ im Hochschulbereich Wirkung folgen zu lassen, wurde 1948 vom britischen Militärgouverneur ein „Studienausschuss für Hochschulreform“ berufen. In dem sogenannten „Blauen Gutachten“ des Studienausschusses heißt es unter anderem: „Wir setzen uns von denjenigen Auffassungen ab, für welche nicht der Mensch, sondern die Forschung an der Spitze steht. Wir glauben, dass Hochschulbetrieb nur soweit gerechtfertigt ist, als er Dienst am Menschen bleibt. Dieser Dienst ist nicht auf den Studenten beschränkt, der unterrichtet und gebildet werden soll, sondern er gilt mittelbar oder unmittelbar dem ganzen Volk. Menschliches Leben ist gemeinsames Leben von verantwortlichen Personen in der Welt. Nur als Teil dieses Lebens ist die Hochschule gerechtfertigt“.

Das gibt eine klare Bestimmung vor, die im Aufbruch von 1968 zu realisieren begonnen wurde, aber durch die neoliberalen Jahrzehnte zunehmend zurückgedrängt wurde.

Mit Studiengebühren, Entdemokratisierung, Bachelor-Master-System und der chronischen Unterfinanzierung der Hochschulen wurden der Leistungsdruck erhöht, die Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt und die Hochschulen zunehmend dem Wirtschaftsinteresse für Profit und Humankapital unterworfen.

Doch diese Politik des Neoliberalismus ist gescheitert.

Studiengebühren sind abgeschafft. Anfänge einer Redemokratisierung werden erstritten.

Die derzeitige Studienreform an der Universität Hamburg ist darauf gerichtet, an die antifaschistische Bewegung unserer KomilitonInnen von 1968 anzuschließen und damit solidarisches Lernen aller als Beitrag zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen zu ermöglichen.

Studienreform, Bildung und Wissenschaft können durch unser verantwortliches Engagement dazu beitragen, aus der Möglichkeit einer menschenwürdigen internationalen Gemeinschaft Wirklichkeit werden zu lassen und damit die Universität als Weltverbesserungsinstitution des menschlichen Lebens von verantwortlichen Personen in der Welt zu realisieren.

Das macht Hoffnung für die Auseinandersetzung mit der neoliberalen Ideologie und deren Apologeten für die progressive Entwicklung der Gesellschaft. Denn wenn die gemeinsame soziale Lage erkannt wird, gegen die Konkurrenzideologie und daraus folgende Versuche der Verschleierung, kann die bewusste Zusammenarbeit zu Verbesserungszwecken gelingen. Dabei sehen wir es als unsere gemeinsame Aufgabe, auch die heutige brandgefährliche Mischung von ökonomischer Rechenhaftigkeit, irrationaler Ideologie und Krieg alltäglich zu bekämpfen und zu überwinden.

Im Beschluss des Studierendenparlaments über den Aufruf zur heutigen Mahnwache heißt es: „Die Verfasste Studierendenschaft der Universität Hamburg erkennt aus ihrer Geschichte die Aufgabe, durch couragierte Aufklärung, mit Engagement für Bildung für alle, durch kritische Wissenschaft und als Teil internationalistischer studentischer Bewegung für soziale Bedingungen zu wirken, die Krieg und Elend aus dem menschlichen Leben bannen und gleiche Recht für alle Menschen verwirklichen helfen.

Damit bestreiten wir den heißen Herbst, das aktuelle Protestsemester, für die Ausfinanzierung der Hamburger Hochschule zum allgemeinen Wohl.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

1 Was Hitler den Deutschen bedeutet. In: Der Spiegel, Nr. 12/1966.

Aug 182014
 
Von Florian Osuch

Link hier

serveImage.php

»Eine klare Friedensposition«: Der neue AStA will keine militärische Forschung an der Hochschule (Hamburg, 21.4.2014) Foto: Bodo Marks/dpa/Bildfunk

An der größten Bildungseinrichtung Norddeutschlands, der Universität Hamburg, dominieren fortan wieder linke Kräfte die Vertretung der Studierendenschaft. Ein Bündnis aus linken und grünen Wahllisten unterstützt von den titanic-Jüngern der »Liste« und verschiedenen Fachschaften hat sich im Studierendenparlament (StuPa) auf eine Zusammenarbeit verständigt. Das StuPa wählt den Allgemeinen Studierendenausschuß AStA, der geschäftsführend die Interessen der Studenten vertritt. Hauptsächlich wird die Allianz getragen von der alternativen Regenbogenliste, dem Linkspartei-nahen Studierendenverband SDS und dem Zusammenschluß CampusGrün. Sie lösen eine Koalition ab, die von Studentengruppierungen der CDU, SPD und FDP gebildet worden war.

Artur Brückmann, neuer Referent für Soziales im kürzlich konstituierten AStA, sagte gegenüber junge Welt: »Nach einem Jahr Verwaltung des Elends durch RCDS, Jusos und Liberale Hochschulgruppe, wollen wir nun aus dem AStA wieder Mitstudierende anregen und ermutigen, zu diskutieren, sich zu organisieren und verändernd einzugreifen.«

Der versuchte Umbau von Hochschulen »zu Produktionsstätten von Humankapital« müsse zugunsten eines Ortes überwunden werden, an dem sich kritisch mit der Welt auseinandergesetzt werde, sagte Brückmann, der beim SDS aktiv ist. Ein linker AStA verbinde hochschul- und wissenschaftspolitische Fragen immer mit dem gesellschaftlichen Kontext und treibe »die sozialen Kämpfe mit voran«.

Zwei politische Themen sind für die Studierenden von zentraler Bedeutung. Das ist die Friedensorientierung der Hochschule sowie die Auseinandersetzung um eine bedarfsgerechte Ausfinanzierung. Franziska Hildebrandt, ebenfalls aktiv im SDS und neugewählte Referentin für Hochschulpolitik, sagte junge Welt: »Eine klare Friedensposition ist die Kernposition des neuen AStA.« Gegen die Indienstnahme der Universität durch den militärischen Komplex wollen Hildebrandt und ihr Team »durch die Etablierung einer Zivilklausel einen demokratischen Prozeß befördern, der sich mit der Verantwortung der Hochschulen auseinandersetzt, für eine friedliche Entwicklung der Welt beizutragen.« An mehreren deutschen Universitäten gibt es solche Selbstverpflichtungen, ausschließlich für zivile Zwecke zu forschen. Die erste Zivilklausel trat 1986 an der Universität Bremen in Kraft, angeschlossen haben sich inzwischen unter anderem die TU Berlin, Universitäten in Rostock, Dortmund, Göttingen, Kiel, Tübingen, Kassel, Münster, Konstanz sowie die Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im Herbst ist ein bundesweiter Zivilklausel-Kongreß an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg geplant.

Kritisch bewertet der neu gebildete AStA auch die Umsetzung der europäischen Studienreform, die als Bologna-Prozeß bekannt ist. Sie sei als »Unterwerfung des Studiums unter die Verwertungslogik und somit als Teil der neoliberalen Ideologie gescheitert« heißt es in einem Strategiepapier, das jW vorliegt. Die Bologna-Reform müsse »grundlegend überarbeitet werden«. Auf Konfrontationskurs gehen die Studierenden auch mit dem SPD-geführten Hamburger Senat. Dessen Hochschulgesetz sei »undemokratisch, politisch falsch, gesellschaftlich schädlich und juristisch verfassungswidrig«. Damit mischt sich der AStA in die laufende Debatte um die Novellierung des Hamburger Hochschulgesetz ein. Gleichzeitig wird eine bedarfsgerechte Ausfinanzierung von Forschung und Lehre gefordert, »damit diese ihrer Verantwortung gerecht werden kann, für eine sozial-ökologische Gesellschaft zu wirken«.

Okt 022013
 

 

Herzlich Willkommen im neuen Semester!

Pünktlichst zum Start in die Vorlesungszeit haben wir für euch eine Semesteranfangsbroschüre erstellt, die sowohl für Erstis als auch für höhere Semester einen guten (Wieder-)Einstieg in die aktuellen Auseinandersetzungen in, an und um die Uni ermöglichen soll.

Als Studierende sind wir Teil einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, in abhängig Beschäftigte und unabhängige Produktionsmitteleigen-tümerInnen. Die Legitimation dieser Spaltung kommt bisweilen aus den Universitäten, anstatt dass diese öffentlich finanzierte wissenschaftliche Institution die großen gesellschaftlichen Fragen beantwortet und Alternativen sowie Lösungsansätze erarbeitet.

Dies werden wir gemeinsam ändern!

Die Broschüre könnt ihr euch hier als PDF herunterladen oder ab nächster Woche im Freiraum eures Vertrauens finden.

Inhaltsverzeichnis

S. 3    Studierendenbewegung und Verfasste Studierendenschaft
S. 3    Strukturen an der Uni
S. 6    Vom Zusammenhang zwischen Bologna, der Studienreform und der Überwindung des Neoliberalismus
S. 10  Was ist Kritische Wissenschaft?
S. 14  Vom Sein oder Nichtsein eines AStA
S. 16  Lampedusa in Hamburg – United we stand

 

Termine und Schwerpunkt unserer Treffen

SDS*-Treffen finden immer montags um 18.30 Uhr im ESA W Freiraum statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Auf jedem zweiten Treffen gibt es abwechselnd einen Input oder eine Textdiskussion (Texte sind spätestens eine Woche vor dem Termin auf unserer Internetseite zu finden) zu einem bestimmten Thema – hier eine Übersicht über unsere Treffen:

14.10.   Semesterauftaktplenum
21.10.  Hochschulpolitik als Gesellschaftspolitik
28.10. Plenum
04.11.  Erfahrungsbericht zur politischen Lage in Griechenland
11.11.   Aktueller Stand zu den Auseinandersetzung zur Novellierung des Hamburgischen Hochschulgesetzes
18.11.  Bürgerkrieg in Syrien – wie stehen die Chancen für eine friedliche Entwicklung?
25.11.  Plenum
02.12. Entfremdungsbegriff bei Marx und die Bedeutung für Heute – Textdiskussion
09.12. Plenum
16.12.  Film und Diskussion zum Thema: 1968 – Bedeutung der Studentenbewegung damals und heute
07.01. Plenum
13.01.  Marxistische Krisentheorie zur Einschätzung der aktuellen Verfasstheit des Kapitalismus – Textdiskussion
20.01. Plenum
27.01.  Traditionelle versus Kritische Wissenschaft in Zeiten der Krise – Textdiskussion
03.02. Plenum
10.02.  Die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff zur Einschätzung aktueller Verhältnisse – Textdiskussion

 

Jul 152013
 

Quelle: BAE-Flugblatt “Neoliberalismus als Neurose”, http://bae-hamburg.de/artikel_145.html

Die Ergebnisse aller Mitgliedergruppen und die jeweils Gewählten findet ihr hier.

__________

Seit Montag, den 8. Juni 2013 stehen die Ergebnisse der diesjährigen Wahl zum Fakultätsrat fest. Zwölf von 19 Sitzen der studentischen Vertretung gingen dabei an kritisch-progressive Listen. Die den derzeitigen “Nicht-AStA” maßgeblich bestimmenden Listen RCDS (CDU-Hochschulgruppe) und LHG (FDP-Hochschulgruppe) haben in jeder Fakultät, in der sie angetreten sind, das schlechteste aller Ergebnisse eingefahren.

Besonders erfreulich ist das Ergebnis in der WiSo-Fakultät, in der alle drei Sitze errungen werden konnten. Gerade angesichts der nun vom Akademischen Senat beschlossenen Grundsatzentscheidung, die BWL aus der Fakultät lösen und eine eigene Fakultät werden zu lassen, müssen besonders die Studierenden organisiert den Standpunkt einer Universität als Republik vertreten, die nur kooperativ funktioniert. Die von (einigen) BWL-Professuren gewünschte Isolierung von den Sozialwissenschaften und der Realität ist in der jetzigen multidimensionalen Krise der kapitalistischen Gesellschaft geradezu wahnsinnig. In der neu zu schaffenden Business-School soll es dann nur noch um die Erarbeitung und Vermittlung von Techniken gehen, wie aus Geld möglichst viel Geld gemacht werden kann (ganz so als hätte uns diese Orientierung auf Profitmaximierung nicht in die jetzige Krise geführt), statt sich zu überlegen, wie eine gesellschaftlich verantwortliche und vor allem demokratische Organisation von Produktionseinrichtungen funktionieren kann.

Im Rechtshaus sicherten sich die Kritischen Jurastudierenden gleich zwei Sitze und können somit weiter an der von ihnen angestoßenen Erarbeitung eines Leitbildes für die Fakultät mitarbeiten sowie für eine viel stärkere Einbettung des Rechtssystems in soziale, kulturelle und vor allem ökonomische Zusammenhänge wirken, sodass verständlich wird, dass Recht und Gesetz stets das Ergebnis einer historisch-spezifischen Gesellschaftsordnung sind und damit ebenso von Menschen gemacht wie die gesamte Geschichte.

In der Medizin, wo das Ordinarientum noch nicht ganz überwunden zu sein scheint und die Ökonomisierung und Deformierung der Gesundheitsfürsorge sowie des Studiums zur Ware weiter voranschreitet, zeigt der eine Sitz für die kritischen Mediziner doch auf, dass ein relevanter Teil der Studierenden etwas anderes möchte und das auch vertritt. Auch in der Medizin wird es nun Aufgabe sein, im Fakultätsrat und darüber hinaus den Menschen in seiner Ganzheit als soziales und kulturelles Wesen zu betrachten und damit auch die sozialökonomische Bedingtheit von Gesundheit und Medizin in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür muss auch zentral die Gegenerschaft zum Verwertungsinteresse von Geräte- und Pharmaindustrie aufgenommen werden.

Alles in allem kann man also sagen, dass die Studienreform (Entrestriktionierung und vermehrte Gesellschaftsbezüglichkeit), die ja in Ausschüssen und Fakultätsräten maßgeblichst von den kritischen Fachschaftsaktiven vorangetrieben wurde, auch vom großen Teil der Studierenden wahrgenommen und für gut befunden wird. Jetzt geht es darum, die Zustimmung stärker in Aktivitäten und Organisierung umzuwandeln, z. B. in Fachschaftsräten, Ausschüssen oder eben im Fakultätsrat.

Okt 192012
 

Geschichte
Modularisierung, Anwesenheitspflicht, Credit-Points, Bachelor, Master – Alles Begriffe, die heute zentral den Studienalltag von Millionen Studierenden prägen – bis vor einigen Jahren an den Hochschulen aber nicht existierten.
Dieser Artikel möchte euch zeigen, dass der Bologna-Prozess nicht über uns herein gebrochen ist wie ein Gewitter, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung ist, die die Funktionsweise und Logik von Bildung und Wissenschaft fundamental verändert hat. Er ist aber eben auch umkämpft, damals wie heute, und selbstverständlich veränderbar.
Die 68er haben durch ihre Kämpfe gegen die nationalsozialistische Kontinuität an Uni und Staat und für eine Kritische Wissenschaft eine grundlegende Umgestaltung der demokratischen Strukturen an den Hochschulen sowie eine soziale Öffnung des Studiums durchgesetzt. Die Verdoppelung der Studierendenzahl von Mitte der 1970er Jahre bis 1994 wurde allerdings nicht mit einer bedarfsgerechten Aufstockung der Mittel begleitet, sondern die Finanzierung wurde stattdessen eingefroren. Die durch diesen selbst geschaffenen Missstand entstandenen Probleme wurden dann als Argument benutzt, marktförmige Mechanismen im öffentlichen Bildungssystem zu installieren, Drittmittelabhängigkeiten zu erhöhen und die Hochschulen um die künstlich verknappten Mittel konkurrieren zu lassen. So hat sich z.B. das Verhältnis von Grund- zu Drittmitteln in der Forschung von 2:1 im Jahre 1995 auf 0,85 : 1 im Jahr 2008 verschlechtert. (Drittmittel sind Gelder, die nicht aus dem Etat der Hochschulen (Erstmittel) und nicht von staatlichen Stellen bzw. Stiftungen (Zweitmittel) kommen, sondern von Unternehmen oder privaten Geldgeber*Innen)
Dieser wieder erstarkte Marktfundamentalismus, der nach dem Wegfall der „Systemalternative“ 1989 allgegenwärtig war, war auch die treibende Kraft, die Gruppenhochschulen der 68er von der Hochschule als Dienstleistungsunternehmen, das sich im internationalen Wettbewerb beweisen muss, ablösen zu lassen.
Diese gesellschaftliche Entwicklung wurde im Bildungssektor maßgeblich von Akteuren wie dem European Round Table of Industrialists, einer Lobbyorganisation europäischer Großkonzerne, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder dem Centrum für Hochschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung vorangetrieben. Bildung und Wissenschaft wurden als Standortvorteil in der internationalen Konkurrenz verstanden und der Sinn von Unis in der Ausbildung von „Humankapital“ gesehen.
Auf zahlreichen Konferenzen sowohl der Wirtschaft als auch des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung wurde sukzessive dafür geworben, dass u.a. das Studiums unterteilt wird in eine erste Stufe (Bachelor), die die Masse möglichst schnell für einen Beruf qualifizieren soll, und eine zweite Stufe (Master), die zu einer Karriere in Wissenschaft und Forschung befähigen soll.
Bis zur Verabschiedung der Bologna-Erklärung war es aber keinesfalls ein gerader Weg. Während des gesamten Prozesses waren die Reformvorschläge stets umkämpft. So konnte z.B. 1997 durch die bundesweiten „Lucky Streiks“ verhindert werden, dass das vom CDU-Ministerium vorgeschlagene „Credit-Point-System“ mitsamt den Studiengebühren eingeführt wird.
Die Bologna-Erklärung selbst, was oft übersehen wird, sieht keinesfalls zwingend vor, in Bachelor und Master zu unterteilen, sondern spricht stattdessen von zwei Zyklen, die genauso gut Diplom und Promotion hätten bleiben können. Von Modularisierung, Anwesenheitspflicht und Credit-Points steht dort ebensowenig.

Kritik und Möglichkeiten an der Uni Hamburg
Der Bologna-Prozess hat die Hochschulen und das Studium also grundlegend umstrukturiert.
Durch Proteste wie den Bildungsstreik 2009 und der Audimax-Besetzungswelle im Winter 2009/10 wurde die Kritik am Ba/Ma-System und der zunehmenden Neoliberalisierung des Bildungssystems öffentlich stärker wahrgenommen. Auch an der Uni Hamburg hat sich breiter Widerstand formiert, der neben der Kritik des Bestehenden auch aktiv nach positiven Lösungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sucht. Dazu zählt die Konferenz „Schöne neue Bildung?!“, die im Sommer 2010 an der Fakultät für Erziehungswissenschaften, Psychologie und Bewegungswissenschaften stattfand. Auf der Konferenz, die mitgliedergruppenübergreifend organisiert wurde, das heißt von Studis, Uni-Mitarbeiter*Innen und Professor*Innen, wurde sich mit Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit der Frage auseinandergesetzt was Bildung eigentlich für die Gesellschaft bedeutet und was die Uni für eine gesellschaftliche Aufgabe hat. „Wie kann [die Uni also] – gegen den neoliberalen Zeitgeist – weiterhin ihrem Auftrag zur Mitgestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt gerecht werden?“ (Zitat aus dem Buch „Schöne neue Bildung?!“, das im Anschluss der Konferenz im transcript-Verlag erschienen ist)

Die daraus folgende Kritik an der zunehmenden Verschulung und des Konkurrenzdruckaufbaus durch das Ba/Ma-System wurde weiter geschärft und in den Gremien dieser Universität vertreten. Nach längeren Auseinandersetzungen fand dann im April 2012 ein Dies Academicus mit dem Titel: „Bologna 2.0 – Wie wollen wir in Hamburg studieren? an der Uni Hamburg statt. (“Dies Academicus” ist ein Tag, an dem keine Vorlesungen stattfinden und sich stattdessen uniweit mit einem Thema auseinandergesetzt werden kann oder eine Vollversammlung stattfindet)

Da haben wir uniweit zu verschiedenen Teilaspekten des Bologna-Prozess diskutiert und einige Verbesserungen festgeschrieben. Die gilt es jetzt umzusetzen und vor allem weiterzuentwickeln. Auch wenn in den Medien immer öfters propagiert wird, dass der Bologna-Prozess in vielen Teilen gescheitert sei und die Arbeitgeber sich über die unzureichenden Abschlüsse beschweren, es bestehen immer Möglichkeiten des Widerstands und der progressiven Verbesserung! Denn eine grundlegende Studienreform ist dringend notwendig!

Dafür müssen unter anderem folgende Punkte realisiert werden:

1. Module weg! Für die freie Seminarwahl!
Module fassen mehrere Veranstaltungen zu einem sogenannten Baustein zusammen, alle Bausteine aufeinander gestapelt ergeben dann einen Bachelor-Abschluss. Module lassen also keine interessegeleitete Seminarwahl zu, sondern geben vor, welche Veranstaltungen gemeinsam belegt werden müssen. Weiter ist der Lehrinhalt in diesen Modulen festgezurrt und lässt so wenig neu entwickelte Erkenntnisse zu.

2. Anwesenheitszwang weg! Für ein würdiges Miteinander!
Wir sind alle an der Uni, weil wir lernen, lehren und forschen wollen. Die Anwesenheitskontrollen entwürdigen nicht nur die Kontrollierten, sondern ebenso auch die Kontrollierenden. Dass Bildung nur durch Zwang möglich sei, ist ein viel zu veraltetes Bildungsverständnis, das endlich mal für immer und ewig verbannt werden sollte. Für einen kooperativen Umgang muss die Kontrolle weg, also muss der Anwesenheitszwang in allen Veranstaltungen abgeschafft werden.

3. Prüfungen grundlegend überdenken!
6 Klausuren am Ende jedes Semesters? Dazu noch Hausarbeiten? Viele sprechen vom Bulimie-lernen. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Von den unzähligen Mutiple-Choice-Klausuren bleibt nicht viel hängen. Darüber hinaus bleibt es beim nur Auswendiglernen von Bestehendem, anstatt als das kritische Hinterfragen zu verinnerlichen. Die Prüfungssituationen müssen abgeschafft werden zu Gunsten einer kooperativen Vereinbarung zwischen Studis und Lehrenden, wie wann wo und was zu prüfen ist, bei der alle Beteiligten etwas lernen können.

4. Fristen weg! Für ein lebenslanges Studieren
Modulfristen, die festlegen in welchen Zeitrahmen ein Modul belegt und abgeschlossen werden muss, erhöhen den Zeitdruck. Nicht die Erlangung neuer Erkenntnisse und das kritische Hinterfragen des Bestehenden stehen im Mittelpunkt des Studiums, sondern vielmehr das erfolgreiche Bestehen von (Modul-)Prüfungen. Damit sich etwas ändert, müssen als erster Schritt die Fristen abgeschafft werden, damit Studierenden bewusst studieren
können und nicht gehetzt werden.

5. ABK weg! Für eine Verwissenschaftlichung des Studiums!
ABK bedeutet: “Allgemein berufsqualifizierende Kompetenzen”, was das sein soll, weiß auch niemand so genau. Die Studierenden sollen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, auf dem es zu wenig Arbeitsplätze gibt. Wir werden also auf Konkurrenz- und Profilkampf getrimmt. Da wird völlig außen vorgelassen, dass erstens der kapitalistische Arbeitsmarkt ganz schön in der Krise steckt und zweitens die Arbeitswelt nicht immer so bleiben muss, wie sie gearde strukturiert wird. Wir sollten viel mehr diskutieren, wie wir den Arbeitsmarkt verändern und wie die Produktionsmittel in die Hände der Arbeiter*Innen gelangen.
Geht in Eure Fachschaftsräte, organisiert Euch für Verbesserungen, lasst Euch für die Gremienarbeit aufstellen und wählen, bildet und äußert Kritik und positive Veränderungen!

Trotz allem Druck von vielen Seiten: Du musst nicht nach 6 Semester mit Deinem Bachelor-Studium fertig sein. Wir sind es auch nicht. Fachschaftsratarbeit und Gremienarbeit kannst Du Dir beispielsweise bestätigen und Dir beim BAFöG anrechnen lassen: zwei Semester Gremientätigkeit = ein Semester länger BAFöG. Für weitere Tipps und Tricks sprich Deinen Fachschaftsrat an oder komm zu unseren wöchentlichen Treffen.

Weitere Lektüre zu diesem Thema:
✗ Nicole Gohlke/Florian Butollo: „Hochschule im Kapitalismus“, Hamburg, 2012
✗ Informationsbroschüre der FSRK: hier