Nov 182017
 

„Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ (Bertolt Brecht, 1934)

Die Nachrichten über den gesellschaftlichen Reichtum und diejenigen, die ihn besitzen, überschlagen sich. Die Schweizer Großbank UBS veröffentlichte jüngst mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC den Bericht „Billionaires Insights“. Daraus geht hervor, dass das Vermögen der 1.542 reichsten Menschen im Jahr 2016 um 17% auf 6 Billionen Dollar gestiegen ist. Dann wurde der Leak „Paradise Papers“ veröffentlicht. In den Recherchen berechnete der Ökonom Gabriel Zucman, dass mehr als 600 Milliarden Euro jährlich von multinationalen Konzernen über Steueroasen verschoben werden und dass 7.900 Milliarden Euro von Superreichen in Steueroasen geparkt sind. Mit dieser Summe könnte man laut Süddeutscher Zeitung alle Menschen, die derzeit an Hunger leiden, rund 61 Jahre lang ernähren. Die Ursache für diese massive Ungleichverteilung liegt im kapitalistischen System, in dem sich zum Zweck der Profitmaximierung einige Wenige den durch die Vielen erarbeiteten Reichtum privat aneignen. In diesem Sinne sind – besonders seit den 90er Jahren – Politik, Gesetze und „Reformen“ gemacht worden.

Unterdessen an der Uni Hamburg: Auf Beschluss des Akademischen Senats (höchstes demokratisches Gremium der Uni) fand am 1.11.17 der Dies Academicus  zur Hochschulfinanzierung statt. Dort haben sich die Uni-Mitglieder die chronische Unterfinanzierung der Uni Hamburg angeschaut. Gekoppelt mit der dramatischen Verschiebung von der Grundfinanzierung zu temporär zugewiesenen Mitteln (Hochschulpakte, Drittmittel) wird die Uni systematisch an den Rand eines institutionellen Burnouts getrieben. Deswegen wurde diskutiert, wie wir das ändern können: Gemeinsam gesellschaftlichen Druck aufbauen für das Lösen der Schuldenbremse zur Finanzierung von Wissenschaft, die wirklich zur Verbesserung der Lage aller beiträgt! Der Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Florian Schui   endete sein Eingangsreferat mit den Worten: „Protestieren Sie. Aus historischer Sicht hat man damit erstaunlich häufig Erfolg!“

Engagieren wir uns für die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, für ein Ende der Austerität (Entbehrung) und eine bedarfsgemäße Finanzierung von Wissenschaft zum Allgemeinwohl. Dafür streiten wir für kritische, politische Wissenschaft, die humane Lösungen erarbeitet und all die Mythen zerstört, die diese soziale Ungleichheit (s. o.) aufrechterhalten sollen. Entgegen dem Mythos der Naturgesetzlichkeit geschichtlicher Entwicklung, der uns als Subjekten nur die demutsvolle Unterwerfung unter die „invisible hand“ des Marktes erlauben soll, müssen wir uns dafür bilden, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Denn wenn die Vielen sich nicht um die kollektiven Angelegenheiten kümmern, werden es weiter die Wenigen in ihrem Profitinteresse tun. Unsere Unzufriedenheit darüber dass das aktuelle Studium nicht dazu beiträgt, dass die Gedanken über das wenige Geld am Monatsende abhalten, dass wir klein und unbedeutend sein sollen, müssen wir entprivatisieren.  Reden wir darüber, um die Ursachen der Unzufriedenheit anzugehen, und nicht alltäglich trotz alledem mitzumachen.    Diskutieren wir, was wir, das Studium, die Uni positiv beitragen zur gesellschaftlichen Entwicklung. Denn die soziale Lage aller ist politisch hergestellt und damit veränderbar. Der gesellschaftliche Reichtum ist ausreichend für alle (s. o.). In diesem Sinne wollen wir (intensiviert in den kommenden Wochen) die Mythen der Austeritätspolitik zertrümmern und an sozialen, ökonomischen, politischen Lösungen für die Krise arbeiten. Dafür beteiligen wir uns am Themensemester „Austerität versus Solidarität“. Organisiert Euch! Geschichte ist machbar.

„Er organisiert seinen Kampf / Um den Lohngroschen, um das Teewasser / Und um die Macht im Staat. / Er fragt das Eigentum: / Woher kommst du? / Er fragt die Ansichten: / Wem nützt ihr? Wo immer geschwiegen wird / Dort wird er sprechen / Und wo Unterdrückung herrscht und von Schicksal die Rede ist / Wird er die Namen nennen.“ (Bertolt Brecht, Lob des Revolutionärs)

P.S.: Zum gemeinsamen Lernen und Diskutieren gehen wir  in die Ausstellung „Das Kapital“ über das vor 150 Jahren veröffentlichte Werk von Karl Marx, im Museum der Arbeit, am Samstag, den 18.11.2017. Treffpunkt: 13 Uhr,  Eingang Museum der Arbeit. Kommt gerne mit!

Flugblatt als PDF gibt es hier

 Posted by at 09:22

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