Mai 212018
 

Liebe Kommiliton*innen in Fachschaftsräten, Freiräumen und weiteren Gremien und Gruppen,

als politisch aktive Studierende kämpfen wir aus der Studierendenschaft heraus für eine humanistische Alternative zum Status quo und setzen uns für tatsächliche progressive Verbesserungen für alle ein. Wir arbeiten antifaschistisch (wie mit dem Aufruf zur Marathonlesung „Nie wieder Bücherverbrennung”), friedensbildend (zum Beispiel durch den Einsatz für eine Zivilklausel für Hochschule und Hafen) und gesellschaftskritisch (Themensemester zu „G20″ und „Austerität vs. Solidarität”). Es geht darum, die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung durch alle Mitglieder der Universität zu ermuntern, um gemeinsam für ein menschenwürdiges Leben für alle zu streiten.

Geschäftsbericht des AStA vom 09_05_2018Auf der letzten Sitzung des Studierendenparlaments (StuPa) am 09.05.2018 wollten wir als AStA den Geschäftsbericht halten, der der Verfassten Studierendenschaft im Studierendenparlament über die laufenden Aktivitäten berichtet. Das ist sinnvoll, weil das StuPa sowohl die Richtlinien für die Arbeit der studentischen Selbstverwaltung bestimmt als auch den AStA berät und unterstützt.
Das rechte Konglomerat, das sich in den letzten Monaten gebildet hat um das oben genannte Engagement zu bekämpfen, unterband unseren Bericht nach 10 Minuten durch Beschluss auf Abbruch. Es handelt sich dabei um das gleiche politische Gemenge, das aktuell meint, AStA zu sein. Dessen erste Wahl, sowie die des StuPa-Präsidiums, auf der StuPa-Sitzung am 19.4.18 ist unrechtmäßig gewesen, wie es auch die Rechtsaufsicht der Uni festgestellt hat. Den Versuch diese unrechtmäßigen Wahlen durch einen einfachen Beschluss in der StuPa-Sitzung am 9.5.18 wiederherzustellen, halten wir ebenfalls für rechtswidrig. Wir werden weiter juristisch und politisch dagegen vorgehen.

Wir veröffentlichen daher jetzt in dieser Form unseren Geschäftsbericht, der nicht gehalten werden konnte, um über unsere Arbeit zu informieren und damit sich alle an den Auseinandersetzungen für eine demokratische, progressive Verfasste Studierendenschaft beteiligen können. Ihr findet ihn unten zum Download als PDF. In den nächsten Wochen gibt es viele Möglichkeiten, sich an unterschiedlichen studentischen Aktivitäten, mit denen wir darauf zielen, in Uni und Gesellschaft progressiv einzugreifen, zu beteiligen (siehe unten). Bei diesen Aktivitäten trefft Ihr uns, oder im Anti-Austerity-Kampangenbüro im teilautonomen AStA-Referat für internationale Studierende (RiS) im Raum 0042 im AStA-Trakt (VMP 5). Dazu seid ihr alle eingeladen. Informiert euch und andere, kommt dazu!

Hier gibt es den Rechenschaftsbericht als PDF.

Termine
Di. 22. Mai – 20:00 Uhr – Raum: SO 8, HWP, Von-Melle-Park 9
Veranstaltung im Rahmen des Eimsbütteler Monats des Gedenkens:
„ZWISCHEN MENSCHENFEINDLICHKEIT, BIOLOGISIERUNG UND SOZIALDARWINISMUS:
‚RASSENKUNDE‘ AN DER UNIVERSITÄT HAMBURG“ (SZENISCHE LESUNG ZU
GENESE UND KONTINUITÄT DES RASSENKONZEPTS IN DER WISSENSCHAFT)

Mi. 23. Mai – 19:00 Uhr – Raum: 0029 im AStA-Trakt
Anti-Austerity-Aktiventreffen (alle zwei Wochen Mittwochs)

Di. 29. Mai – 19:00 Uhr – Raum: Lichthof der Staats-und
Universitätsbibliothek
Veranstaltung im Rahmen des Eimsbütteler Monats des Gedenkens:
„‘I GOT RHYTHM‘ – SWING HEUTE UND GESTERN“
(Ausstellungseröffnung und Konzert)

Mi. 30. Mai – 20:00 Uhr – Freiluftkino am Philturm im Rahmen des
Anti-Austerity-Filmseminars: “Salvador Allende” (Chile 2004, spanisch
OmU, 100 min, Regie: Patricio Guzmán)

Mi. 13. Juni – 20:00 Uhr – Freiluftkino am Philturm im Rahmen des
Anti-Austerity-Filmseminars: “Memoria del Saqueo – Chronik einer
Plünderung” (ARG/FR/CH 2004, spanisch OmU, 120 min)

Mi. 27. Juni – 17:00 Uhr: Eröffnung der Schulden- und Vermögensuhr vor
dem Uni-Hauptgebäude

Mi. 27. Juni – 20:00 Uhr – Freiluftkino am Philturm im Rahmen des
Anti-Austerity-Filmseminars: „Goldman Sachs, eine Bank lenkt die Welt”
(FR 2013, deutsch, 70 min)

Mi. 11. Juli – 20:00 Uhr – Freiluftkino am Philturm im Rahmen des
Anti-Austerity-Filmseminars:
„Z – Anatomie eines politischen Mordes” (FR/Algerien 1969, franz. OmU,
127 min)

 

Feb 072018
 

Plakat_Pauken_1 Die kompletten Wahlergebnisse gibt es hier. Ergebnisse einzelner Urnen unten. ||

Die Herausforderungen und Möglichkeiten sind groß: Die kapitalistische Wirtschaftsweise lässt die 42 Reichsten in Deutschland so viel privates Vermögen anhäufen, wie die gesamte untere Hälfte der Bevölkerung auf sich vereint. Eine Rekordsumme deutscher Rüstungsexporte in Spannungsgebiete steht einer ca. 80%igen Ablehnung dieser in der Bevölkerung entgegen. Millionenfache Flüchtlingssolidarität und Antifa-Arbeit steht im Widerstreit zum Erstarken der AfD. Es schreit geradezu nach einer klaren Haltung und solidarischem Engagement.

In dieser Entscheidungssituation nimmt die Verfasste Studierendenschaft (VS) der Uni Hamburg eine progressive Rolle ein. In der Vergangenheit hieß das: Mit der Kampagne „Gemeinsam statt G20“ wurde entgegen dem menschenfeindlichen Politikprinzips der G20 eine friedliche, soziale und demokratische Alternative entwickelt. Wir realisierten zwei Dies Academici (Studienreform, Hochschulfinanzierung), das 50. Jubiläum der Banner-Aktion „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“, antifaschistische Gedenkarbeit („Bücherverbrennung nie wieder!“), parteiliche AStA-Beratung als Selbstermächtigung und verstärktes Engagement für ein ausfinanziertes Studierendenwerk. Als VS bilden wir so eine alltägliche Alternative zur behaupteten Alternativlosigkeit, welche uns das neoliberale Establishment verkaufen will.

Den rechten Kräften in Stadt und Uni ist dies ein Dorn im Auge. Zum Zurückdrängen dieses Wirkens unternahmen die Campus-Rechten Einiges – mit mäßigem Erfolg. Bei der Stupa-Wahl organisierten die CDU- und MIN-Liste-Mitglieder des Stupa-Präsidiums die Fake-Listen „Die Grünen“ und „DIECampusLINKE“ (mit). Diese WählerInnentäuschung setzten sie dann gegen den Widerstand der Hamburger Partei DIE GRÜNEN bzw. des Studierendenverbands der LINKEN (dielinke.SDS) durch. Insgesamt versuchten sie die Wahl zu entpolitisieren, um möglichst wenige Wahlinformationen für größtmögliche Verwirrungschancen nutzen zu können. Die Durchführung der Wahl überhaupt war gefährdet. Dagegen gelang es in einem gemeinsamen Kraftakt als Bündnis linker Listen und kritischer Fachschaftsaktiver, die Wahl demokratisch zu retten und zu politisieren. Dies mündete u.a. in einer leicht gestiegenen Wahlbeteiligung.

Vor diesem Hintergrund ist das Stupa-Wahlergebnis widersprüchlich. Gemessen an der Intention der WählerInnen ist es ein linkes Ergebnis. Diejenigen Listen, welche für die gesellschaftliche Verantwortung von Hochschule kämpfen (Liste Links, harte zeiten, SDS, CampusGrün), welche (im besten Fall) einen anarchistischen „Freiraum“ wollen (Alternative Linke, Campus Cannabis) sowie fälschlicherweise für GroKo-GegnerInnen gehaltene Jusos können inklusive der grünen und linken Fake-Liste 24 von 47 Sitzen auf sich vereinigen. Zusammen genommen mit den dogmatischen Listen auf linkem Ticket (Unicorns, „Schöne Zeiten“) sind es sogar 30 Sitze. Weil aber ein großer Widerspruch zwischen behaupteter und realer Position bei den Listen besteht, ist das kommende Kräfteverhältnis im Stupa herausfordernd. Was nun?

Eigentlich ist die Sache klar: Für eine fortschrittlich eingreifende Universität brauchen wir Demokratie als Alltagsprinzip (z. B. in gruppenparitätisch besetzten Gremien), die Verbesserung der sozialen Lage (elternunabhängiges BAföG als Vollzuschuss), Friedenswissenschaft (Zivilklausel) und weiterhin einen linken AStA als Teil gesellschaftlicher Bewegung (gegen Schuldenbremse). In der nächsten Zeit wollen eine progressive Rahmenprüfungsordnung, die Kampagne „International solidarisch: Schluss mit Austerität!“, hochschulweite Themensemester und der Gegenpol zur „Exzellenz-Strategie“ realisiert werden. Vor dem Lavieren im Zwischenfeld, dem Hoffen auf Bequemlichkeit oder dem Ab-Geben der Stimme rettet uns kein höheres Wesen. Wenn die über 2000 linken bis links-grünen WählerInnen ihrer Entscheidung auch längerfristig welt- und selbstverändernes Engagment (u.a. bei den entsprechenden Hochschulgruppen) folgen lassen, können wir gemeinsam als gesellschaftlich eingreifende Hochschulpolitik die Lücke zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit schließen (auch im Bezug auf einen linken AStA).

„Worauf warten wir, um glücklich zu sein? Diese politische Frage stellen wir. Das hängt von den Taten jedes Einzelnen ab, und nicht nur von der Sichtweise. Es ist höchste Zeit, teilzunehmen und sich knochentief einzulassen auf den Prozess, der gerade unseren alten Kontinent überflutet und die Küsten des Mittelmeers. Dieser Prozess trägt einen Namen, wenn wir ihn steuern: Es ist die staatsbürgerliche Revolution [révolution citoyenne], die Revolution, die die Ordnung der Welt verändert, die andere Begriffe an die Spitze bringt: Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Gleichheit! Das ist die Freiheit!“ (Jean Luc Mélenchon, France Insoumise, am 14.01.18 beim Jahresauftakt der Linksfraktion in Berlin, hier als Video)

Flugblatt als PDF hier

Ergebnisse einzelner Urnen

Ergebnis Urne ErzWiss_2018 Ergebnis Urne HWP_2018 Ergebnis Urne SoWi_2018

Jan 242018
 

Für die Sitzung des Studierendenparlaments am 25.1., 18.15 Uhr, im Hörsaal Von-Melle-Park 9, haben wir folgenden Antrag eingereicht.

Antragsteller*innen: Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband, harte zeiten, Liste LINKS, Verband der Studierendenaus Kurdistan YXK/JXK

Das islamistisch gepanzerte autokratisch-neoliberale Projekt der AKP unter Erdogan steht vor einem Scherbenhaufen. Spätestens seit den Gezi-Park-Protesten 2013 und dem starken Einzug der Partei HDP bei den Parlamentswahlen im Juni 2015 ist das Regime politisch wie ökonomisch massiv in der Krise. In Reaktion darauf eskalierte das AKP-Regime den Krieg gegen die kurdische Bevölkerung, instrumentalisierte einen Putschversuch, manipulierte ein Referendum und treibt seitdem den Umbau zur Präsidialdiktatur voran.

Nun zündelt der türkische Präsident Erdogan erneut am Pulverfass, das die Region seit Jahren darstellt. Der völkerrechtswidrige Angriff auf die kurdische Bevölkerung inklusive deren Volksverteidigungseinheiten YPG/YPJ in und um die Region Afrin ist ein weiterer Schritt in dem systematischen Krieg gegen die oppositionellen Kurd*innen im eigenen Land und das Demokratieprojekt Rojava in Nordsyrien. Wir weisen diesen Kriegskurs zurück und positionieren uns im Herzen des viertgrößten Waffenexporteurs der Welt mit Friedensengagement für ein Ende aller Kriege weltweit!

26952112_333376713735338_4639086157210235234_oAuf Initiative linker kurdischer Kräfte wird aktuell in Rojava (Nordsyrien) unter dem Leitstern des „demokratischen Konföderalismus“ ein Entwicklungsmodell für die gesamte Region realisiert, das auf dem Kampf für eine radikale politische wie wirtschaftliche Demokratie, soziale Gleichheit, die Befreiung der Frau, gleichberechtigende kulturelle Pluralität, ökologische Nachhaltigkeit und Frieden zielt. Dieses Drängen auf umfassende gesellschaftliche Lebensfreude und Freiheit inmitten von Imperialismus, feudalen Strukturen und Krieg ist für den herrschenden Block in der Türkei und hier die größte „Bedrohung“. Deshalb wird dieser Alternative vom türkischen Regime ein Krieg aufgezwungen und dieses Regime aus der BRD politisch und ökonomisch auch noch unterstützt.

Die deutsche Bundesregierung hat allein zwischen 2005 und 2013 der türkischen Armee 354 „Leopard“-Panzer geliefert, die nun im Krieg gegen die Bevölkerung in Afrin eingesetzt werden. Genau diejenigen Panzer also, die nach dem Deal zwischen Sigmar Gabriel und Mevlüt Çavuşoğlu nun einer Modernisierung unterzogen werden sollen. Die deutsche Regierung ist Mittäter aufgrund der Unterstützung des Völkerrechtsverstoßes und systematischer Luftangriffe auf die kurdische Bevölkerung. Dazu kommt die Akzeptanz der Menschen- und Bürgerrechtsverstöße zur Aufrechterhaltung des anti-humanen „Flüchtlingsdeals“ mit Erdogan sowie der NATO-Zusammenarbeit von türkischem Militär und Staat auf der einen und deutscher Bundeswehr, Verwaltung und Rüstungsindustrie auf der anderen Seite.

Die Alternative zu Profitinteressen und Machtpolitik ist das zivilgesellschaftliche Engagement für eine friedliche, soziale, demokratische und ökologische Entwicklung der Gesellschaft. Die Waffen müssen schweigen, ein echter politischer Friedensprozess muss her. Wir fordern die Hamburger Regierung und die Bundesregierung dazu auf, sofort die Kollaboration mit dem AKP-Regime einzustellen und auf eine Friedenslösung hinzuwirken.

Gegen den völkerrechtswidrigen Krieg des türkischen Präsidenten und seinen politischen Unterstützer*innen positioniert sich das Stupa und betont die Solidarität mit allen demokratischen Kräften in der Region. In der täglichen wissenschaftlichen Arbeit bedeutet dies die Aufklärung über die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit Erdogans AKP-Regime, und darüber hinaus die Aufklärung über die gesellschaftlichen Kräfte, die aufgrund von Profitinteresse und Machterhalt am Konflikt und damit gegen Demokratie, Frieden und Solidarität beteiligt sind. So ist weiterhin die Positionierung für eine klare Friedenswissenschaft an der Universität Hamburg gefordert. Dies äußert sich in der täglichen Arbeit (Konzepte für nachhaltige Abrüstung in den Naturwissenschaften, Menschenrechtsregime in der Rechtswissenschaft, Mitwirkung an Fluchtursachenbekämpfung in den Gesellschaftswissenschaften, etc.), wie auch dem Eintreten für eine Zivilklausel für die Hamburger Hochschulen und den Hafen.

Die verfolgten „WissenschaftlerInnen für den Frieden“, welche sich am 5.1.2016 mit einem Friedensappell an die Öffentlichkeit richteten, und seitdem massiver staatlicher Repression ausgesetzt sind, brauchen weiterhin unsere Solidarität. Die Wissenschaftsfreiheit ist global oder sie ist nicht! Daher solidarisieren wir uns mit den Wissenschaftler*innen und treten ein für die Aufnahme geflüchteter Wissenschaftler*innen an deutschen Hochschulen.

Für eine friedliche Entwicklung braucht es einen politischen Prozess. Dies kann nur ermöglicht werden, wenn die Kriminalisierung der kurdischen Gruppen sofort beendet wird. Für eine Aufhebung des PKK-Verbots sowie einen Stopp der Kriminalisierung der YPG/YPJ-Einheiten sowie des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan YXK/JXK!

Das Studierendenparlament ruft alle dazu auf, diese Position am Samstag, den 27.1., auf die Straße zu tragen!

 Posted by at 12:10
Jan 102018
 

CrVP7bWUIAEHp_KDamals, so scheint mir, ist in Deutschland etwas Eigentümliches geschehen: Eine neue, in der Bundesrepublik bis dahin eher untypische Mentalität hat einen großen Sieg errungen. Es wurde ein Begriff in den Köpfen verankert, der zuvor weitgehend unbeachtet war, und zwar das Prinzip der Eigenverantwortung. […] wenn jeder für sich selbst verantwortlich ist, heißt das im Umkehrschluss: Wenn es nicht klappt mit dem neuen Job, dem besseren Gehalt, der festen Stelle, dann ist nicht der Arbeitgeber schuld, sondern – du selbst. Und wer geht mit dem Megafon auf die Straße, wenn er denkt, der Grund für sein Scheitern sei er selbst?“ (Caspar Shaller, „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“, DIE ZEIT, 14.09.17)

Die heutige Jugend ist politisch interessiert. Und doch führt die Ideologie der Eigenverantwortung zu einer Hemmung politischer Bewegung. Für Studierende heißt das: Schon wieder nicht alle Credit Points „erworben“? Am Ende des Monats schon wieder in den Miesen? Mal wieder zwischen Job, Referatsvorbereitung, Sport, FSR-Treffen und notorisch verspätetem Elternanruf verloren gegangen? Dafür bist du dann ja wohl eindeutig selbst schuld, sozusagen ganz alleine eigen-verantwortlich!

Zumindest wenn es nach dem ökonomischen und politisch- en Establishment geht. Denn deren neoliberales Projekt von Steuersenkung, Priviatisierung und Sozialstaatsabbau für Reiche soll so abgesichert werden. In Folge von renditegetriebenen hohen Mieten und gekürtztem  BAföG müssen in Hamburg circa 70% der Studis im Schnitt 10 Stunden die Woche lohnarbeiten. Über 40% der Hamburger Studis erklären, die Finanzierung ihres Studiums sei ungesichert. Den dadurch entstehenden Stress sollen wir dann durch „Selbstmanagement“ individuell ausgleichen. So verspricht bspw. ein Kurs im Workshop- und Coachingprogramm der Studien- und Psychologischen Beratung der Uni Hamburg: „Weniger aufschieben – mehr erledigen“. Statt uns die herrschenderseits produzierte soziale Spaltung selbst als „Motivationsproblem“ anzulasten, geht es ums Ganze!

Der gesellschaftlich erarbeitete Reichtum in privaten Händen ist derart immens, dass wir bspw. allein von 20% des Vermögens der Familie Otto in Hamburg allen 41.000 Studierenden der Universität Hamburg fünf Jahre lang ein Studienhonorar in Höhe von 1050 € pro Monat bezahlen können. Das Studienhonorar für alle zur Unterstützung eines Studiums für die Lösungssuche zu gesellschaftlichen Problemen ist notwendig und richtig. Die Perspektive der Verbesserung ist die radikale Umverteilung von oben nach unten. Studium und Wissenschaft richten wir auf die Durchsetzung dieser sozialrevolutionären Reformen.  So ist Wissenschaft „Moment der Selbstbefreiung des Menschen von unbegriffenen Mächten, das heißt Aufklärung aus dem wissenschaftlichen Studium heraus. Und als Wissenschaftler haben wir die Aufgabe, diesen Prozeß der Selbstbefreiung des Menschen von den unbegriffenen Mächten zu forcieren und uns nicht zu Objekten anderer Mächte der Gesellschaft zu machen.“ (Rudi Dutschke, Podiumsdiskussion in Hamburg, 24. November 1967)

Legen wir mit diesem Wissenschaftsverständnis los, es hilft  nichts, auf bessere (soziale) Zeiten  zu warten, die Möglichkeiten der Umwälzung sind da (u. a. Familie Otto), wir müssen sie im Konflikt durchsetzen. Dafür muss der Unzufriedenheit über den Stress im Alltag, über den sinnlosen Klausurenmarathon und über sozial-instrumentellen Druck für die Motivation der Veränderung (mehr) Bedeutung gegeben werden. Die Unzufriedenheit muss raus aus dem Privaten und politisch rein ins Öffentliche!

Sozialrevolutionäre Realpolitik bedeutet in diesem Sinne, mit der Perspektive einer sozialistischen Umwälzung der Gesellschaft Reformen durchzusetzen: Ausbau des Studierendenwerks, Studienhonorar/BAföG für alle und Realisierung der Grundrechte durch öffentliche Daseinsvorsorge mit bedarfsgemäßer Finanzierung. Die Einheit des Engagements für bessere soziale Bedingungen mit der Veränderung der Studienpraxis durch solidarische Organisation ist „das Zusammen- fallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit der Selbstveränderung […] als revolutionäre Praxis“ (Marx: Thesen über Feuerbach, 1845).

Denn es kommt darauf an, die Welt zu verändern!                                     

 Posted by at 17:11
Dez 152017
 

Der Islam, Flüchtlinge, das „rot-grün verseuchte 68er-Deutschland“ (Jörg Meuthen). Dies soll die Ursache allen Übels sein: hohe Erwerbslosigkeit, Armutsrenten, Pflegenotstand, Armut, Burnout-Epidemie und kulturelle Verrohung. Dieses Elend ist real und durch eine Politik von „Steuersenkung, Privatisierung und Sozialstaatsabbau“ (‚Die Anstalt‘ vom 7. November) im Interesse des Kapitals und Establishments bewusst herbeigeführt. Spätestens seit der Finanzkrise 2008ff. ist diese neoliberale Politik in massiven Legitimationsschwierigkeiten. Von links wird auf eine Alternative zum Kapitalismus gedrängt und die Lüge vom „Ende der Geschichte“ entlarvt. So wie es ist, bleibt es nicht. Dagegen wollen die Rechten von den wirklich Verantwortlichen ablenken und Sündenböcke schlachten. Sie betreiben das Geschäft der herrschenden Klasse: „Wie alle konservativen Ideologien beruht die faschistische ‚Weltanschauung‘ darauf, daß die geschichtlich gewordenen und folglich veränderbaren gesellschaftlichen Verhältnisse als naturgegeben und folglich unabänderlich dargestellt werden. Das ist gewissermaßen der theoretische Kernpunkt und der propagandistische Trick aller rechten, auf die Bewahrung bestehender Herrschaftsverhältnisse abzielender Ideologien.“ (Reinhard Kühnl, „Formen bürgerlicher Herrschaft“, 1972, S. 97)

Was heißt es gegen Rechts an der Uni zu arbeiten? Was Reinhard Kühnl als Grundideologie des Faschismus bestimmt, ist in verwandter Form in vielen Wissenschaften heute Mainstream. Die Wirtschaftswissenschaft wird dominiert von der Neoklassik. Ein Paradigma, welches grundsätzlich an den (naturgesetzartig) zum Gleichgewicht strebenden Markt glaubt, der nur von externen, politischen (unnatürlichen) Eingriffen aus dem Konzept bzw. in die Krise getrieben werden kann. Eine ideologische Verschleierung des Politischen in der Wirtschaft. So soll verhindert werden, dass wir wissenschaftlich eingreifen für Investitionen im öffentlichen Bereich, höhere Löhne, Reichensteuer und Wirtschaftsdemokratie. Die traditionelle Psychologie doktort an der Funktionsfähigkeit des Einzelnen in als unveränderlich gesetzten Rahmenbedingungen, abstrahiert also von dem Wesen des Menschen. Das Menschliche besteht aber gerade darin, die gesellschftlichen Rahmenbedingungen kollektiv zu schaffen bzw. gestalten. Dem entgegen ist die Hauptfunktion bürgerlicher Theorien die Behauptung individueller Ohnmacht gegenüber gesellschaftlichen Prozessen, ein idealer Nährboden für rechte Weltdeutung.

sds 2017 plakat4Die Bekämpfung von UngleichheitsideologInnen (Burschenschaften, Corps, Identitäre Bewegung etc.) durch konfliktfähige egalitäre Alltagskultur ist nicht zu trennen vom Kampf gegen ein vermeintlich neutral-beschreibend-unpolitisches Wissenschaftsverständnis. Besonders vor dem Hintergrund der Kollaboration solcher Wissenschaft(lerInnen) im deutschen Faschismus verbietet sich Positivismus. Denn es kommt darauf an, die Welt zu verändern! Es braucht eine „Rückbesinnung auf den ursprünglichen Inhalt von Wissenschaft als Prozeß der Selbstbefreiung des Menschen durch Aufklärung. Die gesellschaftliche Situation und ihre Möglichkeiten sollen analysiert werden, immer unter dem Aspekt der Veränderbarkeit in Richtung auf die Vermenschlichung der Gesellschaft.“ (Rudi Dutschke, 1967) Deswegen geht es um eingreifende Hochschulen als Teil der Friedensbewegung (Zivilklausel!), sozialer Bewegung (bspw. für Rekommunalisierung von Gesundheit/Pflege) und antifaschistischer Bündnisse (Tätiges Erinnern!). Die gemeinsame Perspektive gegen Rechts ist eine gesellschaftliche Bewegung für eine Perspektive nach der neoliberalen Hegemonie. An der Hochschule bedeutet das emanzipatorische Studienreform, radikale Demokratisierung, soziale Entprekarisierung und Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft. Kollektive Handlungsfähigkeit ist das wirksamste Mittel gegen rechte Deutung individualisierter Ohnmacht. Die Konsequenzen aus dem Sieg über den Faschismus 1945 sind dabei weiterhin zentrale Leitlinie:

„Was lehrt uns der Ausgang dieses Krieges, der nie ein nationaler war? Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. […] Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!“ (aus dem Flugblatt V der Weißen Rose, Studentische antifaschistische Widerstandsgruppe, Januar 1943)

Das Flugblatt als PDF gibt es hier

Dez 072017
 

(Verband der Studierenden aus Kurdistan/Verband der Studierenden Frauen aus Kurdistan)

Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ (Bertolt Brecht).

Gegen die Repression und Kriminalisierung von kurdischen Organisationen

Logo des YXK

Logo des YXK

Die intensive Kooperation des deutschen Staates mit der Türkei manifestiert sich in jüngster Zeit vor allem in der Kriminalisierung und Repression von jeglichen kurdischen Organisationen und Symbolen auch in Deutschland. Diese aktive Unterstützung der Bundesrepublik richtet sich gegen alle demokratischen und revolutionären Kräfte der kurdischen Bevölkerung, die sich hierzulande zu organisieren versucht. Die aktuelle Ausweitung der Verbote auf die Flaggen der PYD, YPG und YPJ- denjenigen Kräften, die den sogenannten Islamischen Staat in Syrien bekämpfen, ist ein Ausdruck der erweiterten Unterstützung für Erdoğans faschistisches Regime.

Auch das Verbot des Symbols sowie der Flagge unseres Studierendenverbands (YXK/JXK) durch den Innenminister de Maizière ist ein Resultat der staatlichen Repression und der Unterstützung der türkischen Regierung, die eine Vernichtungs- und Vertreibungspolitik gegenüber den Minderheiten im Osten der Türkei vollzieht. Zudem haben wir vermehrt Probleme, an den Hochschulen Veranstaltungen zu buchen und durchzuführen, die sich auf regierungskritische Inhalte stützen und auf die unterdrückte Situation von KurdInnen aufmerksam machen.

Für eine kritische und friedensorientierte Wissenschaft

Logo des JXK

Logo des JXK

Die Verbote dehnen sich auf die wissenschaftlichen Institutionen aus- jene Orte, in denen eine progressive Mentalität ein Hauptfaktor für die grundsätzliche Umwälzung der Gesellschaft darstellt. Die Arbeit an der Hochschule ist essentiell für die Bildung einer kritischen Haltung gegenüber der neoliberalen Hegemonie, der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt sowie der patriarchalen Gesellschaftsordnung. Die Wissenschaft kann und sollte ein Ort des Widerstands sein und wesentliche Mechanismen der Unterdrückung aufzeigen und benennen.
“Die Intellektuellen haben die Verantwortung, die Wahrheit zu sagen und Lügen aufzudecken”, schrieb Noam Chomsky Ende der 60er. Sie seien in der Lage, die Lügen der Regierungen zu entlarvenund Handlungen nach ihren Ursachen, Motiven und bisweilen verborgenen Absichten zu analysieren.

Als Verband setzen wir uns für eine gerechtere und solidarische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung sowie die Gleichberechtigung der Geschlechter und Toleranz gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten ein. Dabei begreifen wir kritische wissenschaftliche Arbeit als einen wichtigen Teil zur progressiven Friedensbewegung im Nahen Osten und an allen anderen Orten weltweit.

Als YXK/JXK setzen wir uns auf universitärer und wissenschaftlicher Ebene für eine direktdemokratische, geschlechtergerechte und ökologische Entwicklung der Gesellschaft im Nahen und Mittleren Osten und hier ein. Durch die geschilderte Zusammenarbeit der BRD mit der Türkei wird deutlich, dass der Konflikt nicht nur in Kurdistan gelöst und bekämpft werden kann, sondern auch hier vor Ort an den Hochschulen und in allen anderen progressiven Organisationen Widerstand geleistet werden muss.

Als YXK und JXK positionieren und engagieren wir uns gegen die militärische, ökonomische und politische Unterstützung der Bundesregierung für die faschistoide türkische Regierung und sind solidarisch mit antifaschistischen und antikapitalistischen Bündnissen. An der Hochschule geht es um das Verbot von Rüstungs- und die Ausweitung von Friedensforschung (Zivilklausel), ein emanzipatorisches Studium statt Bachelor-Master-Anpassung und demokratische Selbstverwaltung statt Top-Down-Management. Für diese Kämpfe ist eine starke linke Stimme in der studentischen (bspw. AStA) und akademischen Selbstverwaltung (bspw. Akademischer Senat) notwendig! Daher kandidieren wir beim Studierendenparlament zusammen mit dem SDS* (Liste 4) und für Liste Links (Liste 14). Bei den Wahlen zum Akademischen Senat kandidieren wir zusammen mit der Liste 1 (BAE!- Bündis für Aufklärung und Emanzipation).

Flugblatt als PDF hier

Dez 052017
 

Es stimmt, dass die Amerikaner alle paar Jahre Kongressmitglieder und Präsidenten wählen. Es stimmt aber auch, dass die wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten – die Unabhängigkeit von England, die Emanzipation der Schwarzen, die Organisation der Arbeiter, die Fortschritte der Geschlechtergleichheit, das Verbot der Rassentrennung, der Rückzug aus Vietnam – nicht durch die Wahlurne erreicht wurden, sondern durch die direkte Aktion des sozialen Kampfes, durch die Organisation von Volksbewegungen, die sich einer Vielzahl extralegaler und illegaler Taktikten bedienten.“ (Howard Zinn, US-amerikanischer Historiker, in: Academic Freedom: Collaboration and Resistance, 1982)

Die Diskussionen über die Konsequenzen aus der Bundestagswahl halten an. Denn die Herausforderungen sind groß. Die extrem rechte Fraktion der AfD ist mit einem zweistelligen Ergebnis mit viel zu vielen Parlamentariern in den Bundestag gezogen. Und gleichzeitig war das Wahlergebnis – bei allen Schwierigkeiten – auch eine Absage an die neoliberale Politik. Schwarz-Gelb-Grün ist daran gescheitert, dass ein „Weiter so!“ mit „Schwarzer Null“ und mit anti-sozialer Flüchtlingspolitik nicht (mehr) überzeugt. Und jetzt? Nochmal Große Koalition, vielleicht mit Bürgerversicherung? Oder doch Neuwahlen?

Die Unzufriedenheit über die Verhältnisse wächst: Die Schuldenbremse-Politik befördert mit Sozialstaat-Abbau und Privatisierungen die Umverteilung von unten nach oben. Die anti-soziale Flüchtlingspolitik verstößt tagtäglich gegen erreichte Erkenntnisse und Konsequenzen aus zwei Weltkriegen und dem deutschen Faschismus, nämlich gegen die Menschenrechte. Und die Arbeit in den Bildungseinrichtungen dieses Landes soll als Last erscheinen, statt als menschliche Tätigkeit zur Verbesserung der Lage aller. All das sind keine Maßnahmen zum Lösen der Krise – im Gegenteil: Diese Maßnahmen verschärfen die Krise, auch indem neue vorbereitet werden. Die Herrschenden haben keinen Plan.

Dementgegen hat die Usds 2017 plakat4niversität beste Möglichkeiten, mit systematischer Erkenntnisarbeit in Kooperation Vorschläge zur Lösung der Krise zu erarbeiten und durchzusetzen. Statt Leistungspunkt oder Drittmittel hinterher zu hecheln, können wir mit Studieren an gesellschaftlichen Fragestellungen zur positiven Entwicklung von uns und der Welt beitragen: Statt Austerität befördert staatliche Investitionspolitik in die öffentlichen Bereiche die Möglichkeiten für Persönlichkeitsbildung und -entfaltung. Statt EU-Armee wird mit offenen Grenzen, würdiger Aufnahme der Flüchtlinge und Fluchtursachen-Bekämpfung (Waffenexporte Stopp!) das Menschenrecht realisiert.

Starren wir also nicht auf den Bundestag und möglich Regierungskonstellationen, sondern nehmen die Veränderung der Welt selbst in die Hand. Die demokratische Selbstverwaltung der Universität und der Studierendenschaft sind erkämpfte Möglichkeiten, die gemeinsamen Interessen zu erarbeiten, zu vertreten und durchzusetzen. Mit solidarischem Engagement können wir hier gemeinsam unsere Bedingungen für wissenschaftliches Arbeiten diskutieren und verbessern. So zum Beispiel in der Studienreform gegen die Bachelor-Master-Quälerei für emanzipatorisches Lernen. Deswegen organisiert Euch in den Fachschaftsräten und bei uns im SDS*. Und wählt in diesem Sinne bei den Wahlen zum Akademischen Senat (Liste 1 Bündnis für Aufklärung und Emanzipation) und Studierendenparlament (Liste 4 SDS*)

“Schönster aller Zweifel aber
Wenn die verzagten Geschwächten den Kopf heben und
An die Stärke ihrer Unterdrücker
Nicht mehr glauben!”
Bertolt Brecht, Lob des Zweifels.

Informiert Euch: Listenvorstellung zur Stupa-Wahl, am Donnerstag, den 14.12.17, um 18 Uhr, im Raum 0079, VMP 5 (Wiwi-Bunker).

Flugblatt als PDF hier.

Dez 022017
 

Die Wahl zum Studierendenparlament steht wieder an! Ab dem 8. Dezember sind alle Briefwahlunterlagen versendet, die dann bis zum Jahreswechsel eingegangen sein müssen. Urnenwahl findet vom 15.01.18 bis 19.01.18 statt. Nachfolgend findet ihr unsere große Listendarstellung.

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Plakat-Motiv 2017/18

So, wie es ist, bleibt es nicht. Die Welt steckt in einer tiefen Krise. Die Reichsten werden immer reicher, sodass die (öffentliche) Armut wächst. Damit das so bleibt, wird die Politik der Austerität („Entbehrung“) betrieben. Es wird mit Säbeln gerasselt und mit Atomkrieg gedroht. Extrem rechte Kräfte intensivieren ihre Hetze zur Aufrechterhaltung und Zuspitzung der Konkurrenz. Dementgegen bedarf die Krise der solidarischen Lösung, und derjenigen, die diese beginnen.

Die Möglichkeiten für ein menschenwürdiges Leben für alle sind nicht geschmälert. Im Gegenteil: Der gesellschaftliche Reichtum war noch nie so enorm, aber eben noch nie so enorm ungleich verteilt. Die Wahrscheinlichkeit der Durchsetzung dieser Möglichkeiten erhöht sich nur durch uns. Zentrale Voraussetzung dafür ist Wissenschaft als gemeinsame Erkenntnisarbeit zum Verstehen und Verändern der Welt. Weil die Verhältnisse von Menschen gemacht sind, und von ihnen immer verändert werden (können).

Genau deshalb sollen wir Credit Points hinterher hecheln und für einen der verknappten Masterplätze Ellenbogen ausfahren – damit wir nicht wissenschaftlich daran arbeiten, dass es für alle besser wird; dass die Austerität durch üppige öffentliche Investitionen für wirkliche Inklusion mit Zugang zu Bildung, Kultur, Gesundheit und Arbeit für alle beendet wird. Genau deswegen sollen wir uns den Kopf über das wenige Geld und die hohe Miete zerbrechen – damit wir nicht gemeinsam diskutieren, welche gesellschaftliche Verantwortung Wissenschaft hat und wie wir bspw. Rüstungskonversion und Friedenswissenschaft betreiben. Die Frage nach der radikalen Lösung soll keine praktische Relevanz im Alltag haben. Damit das Studium nicht kritisch-eingreifend ist, sondern mit marktkonformem Humankapital Profite des Kapitals und Macht des Establishments maximiert werden.

… es kommt aber darauf an, die Welt zu verändern!

Postkarten-Motiv 2017/2018

In all diesen Konkurrenz-Instrumenten von Bachelor-Master-Quälerei über Dauer-Befristungen bis Drittmittel-Jagd spiegelt sich gleichzeitig unsere potenzielle Wirkmächtigkeit – wenn Wissenschaft politisch, gesellschaftlich verantwortlich, kämpferisch unternommen wird statt quantitativ-formal-distanziert und vermeintlich unpolitisch. Die Studienzeit verstehen wir dafür als die der Mehrheit der Menschen systematisch verweigerte Möglichkeit, sich durch intensive Anstrengung von den durch Vergangenheit und Erziehung verinnerlichten fremden Herrschaftsinteressen zu befreien, die spezifisch menschliche Verstandestätigkeit in sprengende Vernunft gegen die bestehende Gesellschaft zu transformieren“ (Rudi Dutschke, 1967). So fällt die Selbstveränderung durch emanzipatorische Bildung und Wissenschaft in eins mit der Veränderung der Welt.

Lasst uns die solidarische Alternative sein und durchsetzen. Diskutieren wir unsere Ambitionen und Hoffnungen auf eine andere, bessere Welt und machen sie zur Grundlage unserer Alltagshandlungen. Die Verfasste Studierendenschaft ist dafür die erkämpfte Möglichkeit.

Kritische Wissenschaft statt Leistungspunkte-Lauf

Kleine Listendarstellung für die Briefwahlbroschüre

Wir glauben, dass Hochschulbetrieb nur soweit gerechtfertigt ist, als er Dienst am Menschen bleibt. (…) Menschliches Leben ist gemeinsames Leben von verantwortlichen Personen in der Welt. Nur als Teil dieses Lebens ist die Hochschule gerechtfertigt.“ heißt es im „Blauen Gutachten“, das im Jahr 1948 nach der Befreiung vom deutschen Faschismus für den Aufbau eines demokratischen Hochschulwesens in Norddeutschland veröffentlicht wurde. Mit der 68er-Bewegung dominierte – die antifaschistische Konsequenz aufgreifend – so verstandene kritische Wissenschaft. Das neoliberale Dogma der „unternehmerischen Hochschule“ hat diese demokratische Wissenschaft verdrängt. Dementgegen arbeiten wir im Studium an gesellschaftlichen Herausforderungen, wie im Themensemestern zu G20 oder Austerität vs. Solidarität. Emanzipatorisches Projektstudium statt Leistungspunkte-Lauf, problemorientiertes Studieren statt Modulhäppchen, kooperatives Streiten über humane Lösungsvorschläge statt Prüfungsterror sind wesentliche Punkte der Studienreform: Für ein neues „68“!

Sozialrevolutionäre Realpolitik statt Konkurrenzhetze

Den Menschen in der BRD ginge es so gut wie noch nie, predigen diverse Politiker seit Monaten. Wenn Du nicht auf die Hetze der AfD oder auf privatisierte Krankenhäuser klarkommst, hast Du halt ein Problem. Jammer nicht, wenn das Geld nicht reicht und Leistungsanforderung im Studium Dich überfordern, streng Dich halt an. Also: Geht’s uns gut? Nein! Die politisch hergestellte soziale Prekarität kombiniert mit Leistungsdruck treibt massenhaft in den Burn-Out. Wir sollen für die politisch hergestellte soziale Situation auch noch selbst verantwortlich sein, man hätte ja mehr leisten können. Das ist falsch! Die Zukunft wird nur weniger prekär, wenn wir uns gemeinsam dafür einsetzen. Wir kämpfen für die massive Förderung des Studierendenwerks, mit dem exemplarisch für die gesamte Stadt sozialer Wohnraum, inklusive Daseinsvorsorge und angemessene, sanktionsfreie Förderung (BAföG) durchgesetzt werden kann – als soziale Grundlage für kritisches Studieren. Auch dafür muss die „Schuldenbremse“ gelöst werden.

Bewegung für eine „Welt des Friedens und der Freiheit“ statt Ungleichsideologie

Im Schwur von Buchenwald haben befreite KZ-Gefangene als Konsequenz aus der Befreiung vom deutschen Faschismus die „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“ und den „Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ als Losung ausgegeben, die bis heute nicht eingelöst ist. Wissenschaft muss sich also heute am Aufbau einer denazifizierten, demilitarisierten, demokratisierten und (politisch sowie wirtschaftlich) dezentralisierten Gesellschaft beteiligen, wie es 1945 im Potsdamer Abkommen der Alliierten gefasst wurde. Damit nehmen wir auch den Kampf gegen die heutige Rechte à la Trump, AfD und Le Pen auf, die den neoliberalen Kapitalismus retten will und dafür Sündenböcke sucht. Statt nach oben zu buckeln und nach unten zu treten, lassen wir uns nicht spalten und vereinzeln. An der Hochschule heißt das tägliches Engagement für Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft und für die Einführung einer Zivilklausel im Hamburgischen Hochschulgesetz!

… es kommt darauf an, die Welt zu verändern! Deswegen wirken wir als Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband (SDS*) für eine zivile und soziale Welt. Studium, Wissenschaft und Uni müssen wir dafür demokratisieren, gesellschaftsverantwortlich orientieren und bedarfsgemäß öffentlich finanzieren. Als SDS* engagieren wir uns in sozialpolitischen und antifaschistischen Bündnissen, in der LINKEN, im Bundesverband dielinke.SDS, in Fakultätsräten, Fachschaftsräten, Stupa und AStA.

Nov 182017
 

„Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ (Bertolt Brecht, 1934)

Die Nachrichten über den gesellschaftlichen Reichtum und diejenigen, die ihn besitzen, überschlagen sich. Die Schweizer Großbank UBS veröffentlichte jüngst mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC den Bericht „Billionaires Insights“. Daraus geht hervor, dass das Vermögen der 1.542 reichsten Menschen im Jahr 2016 um 17% auf 6 Billionen Dollar gestiegen ist. Dann wurde der Leak „Paradise Papers“ veröffentlicht. In den Recherchen berechnete der Ökonom Gabriel Zucman, dass mehr als 600 Milliarden Euro jährlich von multinationalen Konzernen über Steueroasen verschoben werden und dass 7.900 Milliarden Euro von Superreichen in Steueroasen geparkt sind. Mit dieser Summe könnte man laut Süddeutscher Zeitung alle Menschen, die derzeit an Hunger leiden, rund 61 Jahre lang ernähren. Die Ursache für diese massive Ungleichverteilung liegt im kapitalistischen System, in dem sich zum Zweck der Profitmaximierung einige Wenige den durch die Vielen erarbeiteten Reichtum privat aneignen. In diesem Sinne sind – besonders seit den 90er Jahren – Politik, Gesetze und „Reformen“ gemacht worden.

Unterdessen an der Uni Hamburg: Auf Beschluss des Akademischen Senats (höchstes demokratisches Gremium der Uni) fand am 1.11.17 der Dies Academicus  zur Hochschulfinanzierung statt. Dort haben sich die Uni-Mitglieder die chronische Unterfinanzierung der Uni Hamburg angeschaut. Gekoppelt mit der dramatischen Verschiebung von der Grundfinanzierung zu temporär zugewiesenen Mitteln (Hochschulpakte, Drittmittel) wird die Uni systematisch an den Rand eines institutionellen Burnouts getrieben. Deswegen wurde diskutiert, wie wir das ändern können: Gemeinsam gesellschaftlichen Druck aufbauen für das Lösen der Schuldenbremse zur Finanzierung von Wissenschaft, die wirklich zur Verbesserung der Lage aller beiträgt! Der Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Florian Schui   endete sein Eingangsreferat mit den Worten: „Protestieren Sie. Aus historischer Sicht hat man damit erstaunlich häufig Erfolg!“

Engagieren wir uns für die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, für ein Ende der Austerität (Entbehrung) und eine bedarfsgemäße Finanzierung von Wissenschaft zum Allgemeinwohl. Dafür streiten wir für kritische, politische Wissenschaft, die humane Lösungen erarbeitet und all die Mythen zerstört, die diese soziale Ungleichheit (s. o.) aufrechterhalten sollen. Entgegen dem Mythos der Naturgesetzlichkeit geschichtlicher Entwicklung, der uns als Subjekten nur die demutsvolle Unterwerfung unter die „invisible hand“ des Marktes erlauben soll, müssen wir uns dafür bilden, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Denn wenn die Vielen sich nicht um die kollektiven Angelegenheiten kümmern, werden es weiter die Wenigen in ihrem Profitinteresse tun. Unsere Unzufriedenheit darüber dass das aktuelle Studium nicht dazu beiträgt, dass die Gedanken über das wenige Geld am Monatsende abhalten, dass wir klein und unbedeutend sein sollen, müssen wir entprivatisieren.  Reden wir darüber, um die Ursachen der Unzufriedenheit anzugehen, und nicht alltäglich trotz alledem mitzumachen.    Diskutieren wir, was wir, das Studium, die Uni positiv beitragen zur gesellschaftlichen Entwicklung. Denn die soziale Lage aller ist politisch hergestellt und damit veränderbar. Der gesellschaftliche Reichtum ist ausreichend für alle (s. o.). In diesem Sinne wollen wir (intensiviert in den kommenden Wochen) die Mythen der Austeritätspolitik zertrümmern und an sozialen, ökonomischen, politischen Lösungen für die Krise arbeiten. Dafür beteiligen wir uns am Themensemester „Austerität versus Solidarität“. Organisiert Euch! Geschichte ist machbar.

„Er organisiert seinen Kampf / Um den Lohngroschen, um das Teewasser / Und um die Macht im Staat. / Er fragt das Eigentum: / Woher kommst du? / Er fragt die Ansichten: / Wem nützt ihr? Wo immer geschwiegen wird / Dort wird er sprechen / Und wo Unterdrückung herrscht und von Schicksal die Rede ist / Wird er die Namen nennen.“ (Bertolt Brecht, Lob des Revolutionärs)

P.S.: Zum gemeinsamen Lernen und Diskutieren gehen wir  in die Ausstellung „Das Kapital“ über das vor 150 Jahren veröffentlichte Werk von Karl Marx, im Museum der Arbeit, am Samstag, den 18.11.2017. Treffpunkt: 13 Uhr,  Eingang Museum der Arbeit. Kommt gerne mit!

Flugblatt als PDF gibt es hier

 Posted by at 09:22
Aug 142017
 
Herbert Schui auf dem Landesparteitag der LINKEN Hamburg im Juni 2016

Herbert Schui auf dem Landesparteitag der LINKEN Hamburg im Juni 2016, Foto: Florian Muhl

Save The Date: Wochenende vom 24. bis 26. November 2017 am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg (ehem. HWP), Von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg

Eine Lösung ist von einem höheren Wesen oder von einem entkultivierten und rabiaten Bürgertum nicht zu erwarten. Da hilft nur eines: Die große Mehrheit, die von Arbeit lebt, Erwerbsarbeit sucht, wegen geringen Lohns zu wenig Altersrente hat, noch in der Ausbildung ist, all die müssen die Sache selbst in die Hand nehmen. Da hilft kein Bewerbungstraining für Stellen, die es nicht gibt. Also weg mit der Resignation, mit der Selbstbezichtigung, dass Armut und Arbeitslosigkeit der eigene Fehler gewesen sei! Trainieren wir stattdessen, uns selbst um die öffentlichen Angelegenheiten zu kümmern […] Packen wir die Sache an mit Solidarität und Elan – geduldig und beharrlich! Es ist viel zu tun.“ (Herbert Schui, „Wollt ihr den totalen Markt…?“ in der „Hamburg Debatte“ Nr. 9│Juni 2013)

Der kämpferische Oppositionsgeist, das eingreifende Denken und die Zuversicht auf substantielle Veränderung, die aus diesem Zitat sprechen, waren charakteristisch für Herbert Schui und sein Schaffen. Er war in der Hochschule für Wirtschaft und Politik, der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, gewerkschaftlich und in der WASG/LINKEN tätig für eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen, soziale Gleichheit, Demokratie als Alltagsprinzip, eine emanzipatorische Kultur und damit gegen ein „Ende der Geschichte“. Am 14. August letzten Jahres verstarb Herbert Schui. Er hinterlässt ein umfangreiches Werk, das lehrreich für die aktuellen Auseinandersetzungen und Herausforderungen ist.

Sehr passend schloss Herbert Schuis Freund und Genosse Norman Paech seine Gedenkrede mit den Worten: „Lest den Schui – das bringt uns alle weiter!“. Wir schließen uns dieser Aufforderung an und ladendafürein zu einemöffentlichen sozialökonomischen Symposium in memoriam Herbert Schuifür alle Interessierten aus Wissenschaft, Politik, Gewerkschaft undKultur vom 24. – 26.11.2017 am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg, der Nachfolgeinstitution der ehemaligen Hochschule für Wirtschaft und Politik. Ein ausführliches Programm folgt in Kürze. Wenn Ihr zum Gelingen dieser Tagung beitragen, Anregungen geben oder auf dem Laufenden gehalten werden möchtet, wendeteuch gerne an uns.

Kontakt: schui-symposium@posteo.net

Weitere Informationen zum Werk von Herbert Schui: www.herbert-schui.de

V.i.S.d.P.: AG Schui-Symposium im Fachschaftsrat Sozialökonomie, Von-Melle-Park 9, 20146 Hamburg

Gefördert aus Studiengebührenmitteln des Fachbereichs Sozialökonomie