Jan 202017
 

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“ (Schwur von Buchenwald, 19. April 1945)

Antifaschismus bedeutet gegen Nazis und andere Rechte auf die Straße zu gehen und sie zu blockieren. Aber er ist noch mehr: Antifaschismus bedeutet ebenso, aktiv an einer Welt mitzuarbeiten, in der Menschen als Gleiche unter Gleichen in Frieden und Freiheit leben können – einer Welt also, in der auch eine Wiederholung der Schrecken der Vergangenheit ausgeschlossen ist. Dafür muss man es mit „de[m] Nazismus [und] mit seinen Wurzeln“ aufnehmen. So ist es im Schwur von Buchenwald von befreiten KZ-Gefangenen als (bis heute nicht eingelöste) Losung ausgegeben.

Das „Nie wieder“ wird im ‚Potsdamer Abkommen‘, das die Alliierten nach Kriegsende 1945 beschlossen haben, gefasst als die Denazifizierung, Demilitarisierung, Demokratisierung und (politische wie wirtschaftliche) Dezentralisierung Deutschlands. In Zeiten massiver Polarisierung in der tiefen Krise des Kapitalismus haben diese Vorhaben nichts an Aktualität eingebüßt: Aktuell besitzen – nach einer neuen Studie von Oxfam – derzeit die reichsten acht Menschen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Der Widerspruch zwischen Möglichkeit einer menschenwürdigen Gesellschaft und der Realität ist damit so groß wie nie und die gesellschaftliche Situation dementsprechend umkämpft.

Von PEGIDA bis Trump, von Le Pen bis AfD wollen die Rechten in dieser umkämpften Zeit den neoliberalen Kapitalismus retten und suchen dafür Sündenböcke: Schuld seien an der prekären Lage von Millionen und der Verrohung in der Gesellschaft (deren Ausdruck sie auch selber sind) nicht das Konkurrenzprinzip, die Profitorientierung von Unternehmen, der sich auch alle öffentlichen Bereiche unterwerfen sollen, o. ä., sondern wahlweise Flüchtlinge, Migranten, Juden, alle die, die als ‚außerhalb der Volksgemeinschaft‘ konstruiert werden. An die Stelle materieller Sicherheit soll ein ‚Geborgenheitsgefühl‘ durch die Zugehörigkeit zur ‚Volksgemeinschaft‘ treten. In ihr sollen die Menschen – weiter kollektiv-vereinzelt und ohnmächtig – aufgehen und der Klassenkonflikt verschleiert werden: „Die Soziale Frage der Gegenwart ist nicht primär die Verteilung des Volksvermögens von oben nach unten, unten nach oben, jung nach alt oder alt nach jung. Die neue deutsche Soziale Frage des 21. Jahrhunderts ist die Frage nach der Verteilung des Volksvermögens von innen nach außen“ (Björn Höcke, AfD, am 28.4.2016 auf einer Demonstration in Schweinfurt).

Die wirkliche soziale Frage der Gegenwart stellt sich nach der gesellschaftlichen Erarbeitung und Verteilung des Reichtums (s. Oxfam). Gegen jegliche Naturalisierungen von (sozialer) Ungleichheit, muss Wissenschaft aufzeigen, dass die sozialen Verhältnisse von Menschen gemacht und von Menschen verändert werden. Die „4 Ds“ des Potsdamer Abkommens zeigen für diese Veränderung die Richtung an. In der Aktualisierung der Denazifizierung haben Rechts- und Politikwissenschaften mit der Aufdeckung der Verknüpfung von rechter Szene und Verfassungsschutz sowie mit der Durchsetzung des weiter notwendigen NPD-Verbots ebenso wie mit der wirklichen Durchsetzung des Grundrechts auf Asyl alle Hände voll zu tun. Zur Demilitarisierung ist eine Zivilklausel im Hamburgischen Hochschulgesetz unerlässlich, mit der die Wissenschaft für den Frieden zum Leitprinzip ausgebaut wird. Die Demokratisierung aller Lebensbereiche ist nicht nur eine Frage politischer Maßnahmen, sondern eine lebendige Kultur der gemeinsamen Gestaltung aller Lebensbereiche: Die Uni kann durch die wissenschaftliche Bearbeitung gesellschaftlicher Probleme (von Beginn des Studiums an)  zur Bildung mündiger Persönlichkeiten und einem demokratischen Gemeinwesen beitragen. Dafür muss sie selbst weiter demokratisiert werden.

Zur Durchsetzung dieser antifaschistischen Orientierung in der Wissenschaft können wir heute anknüpfen an das reichhaltige Wirken von Arbeiterbewegung, Widerstandsbewegung wie der Weißen Rose, und„68ern“. In den Veranstaltungen des tätigen Erinnerns rund um die Uni, wie die Mahnwachen zur Reichspogromnacht vom 9.11.1938 und die öffentlichen Lesungen aus den verbrannten Büchern vom 15.5.1933, lernen wir von den antifaschistischen, humanistischen, sozialistischen, pazifistischen Ambitionen unserer Vorkämpfer*innen für die heutigen Auseinandersetzung: Statt nach oben zu buckeln und nach unten zu treten, beziehen wir uns auf das gemeinsame menschliche Interesse, kollektiv an der Gestaltung von solidarischen Lebensverhältnissen tätig zu sein.  Lasst uns also unser Ändern leben! Das ist befreiend für alle, denn im Kampf um Befreiung ist diese selbst schon präsent: „In der Organisation und Gemeinschaft der Kämpfenden erscheint trotz aller Disziplin, die in der Notwendigkeit, sich durchzusetzen, begründet ist, etwas von der Freiheit und Spontaneität der Zukunft.“ (Max Horkheimer, Traditionelle und kritische Theorie, 1937)

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Dez 142015
 
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Pablo Picasso, „War and Peace“, 1951

Anders als Regierungen und Parlamentsmehrheit in Großbritannien und der Bundesrepublik hat sich die Regierung Italiens aufgrund des Drucks der Friedensbewegung gegen die militärische Beteiligung beim Krieg in Syrien entschieden:

“Italien habe keine Angst, ‘seine eigene Meinung zum Thema Krieg zu vertreten’, sagte Renzi  [Regierungschef Italiens] bei einem Treffen mit Parteifreunden am Wochenende in Florenz. Man könne nicht einfach losziehen, ein paar Bomben werfen und glauben, man habe das Problem gelöst. Die Mörder von Paris seien nunmal in Europa geboren und aufgewachsen, so Renzi.” („No“ zum Syrien-Einsatz; Tilmann Kleinjung auf tagesschau.de am 13.12.2015)

Dass die weiteren Bomben auf Syrien keine Lösung für den Terror (wie jüngst in Paris, Beirut, Suruc) sind, haben in den letzten Tagen tausende Menschen auf den Straßen Europas zum Ausdruck gebracht. In diesen Friedensdemonstrationen wenden sich die Menschen gegen die Ursachen des Terrors: gegen den Krieg, der aus geostrategischen Interessen für die weitere Profitmaximierung betrieben wird. Allein die zivile Konfliktlösung schafft die Perspektive für eine friedliche Welt: Statt Bomben (oder Tornardos) zum Schutz von Profitinteressen muss der Waffen- und Ölhandel mit dem sog. Islamischen Staat (IS) sofort gestoppt werden, dafür ist auch – anstelle von Deals über “Flüchtlingsabwehr” – erheblicher Druck auf die türkische Regierung auszuüben. Die Geldquellen des IS müssen trockengelegt, sowie weitere Infrastruktur des IS ausgeschaltet werden, wie bspw. die Internetversorgung.

An der zivilen Konfliktlösung können und müssen sich die Hochschulen engagiert beteiligen. Mit einer Zivilklausel für die Hochschulen (auch im Gesetz) wird ein verbindlicher Maßstab gesetzt, dass Wissenschaft stets auf zivile Entwicklung gerichtet und – unterlegt mit bedarfsgemäßer Finanzierung – vor dem Zugriff des militärisch-industriellen Komplexes geschützt ist.

Unter dem Motto „Don’t bomb Syria!“ wird auch demonstriert für den Ausbau der Bildungs-, Kultur-, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, im Nahen Osten und hier. In Italien zeigen die Proteste erste Wirkungen: „Italien selbst will er [Renzi] mit Kultur und Bildung gegen den Fanatismus des IS immun machen. [...] Der Plan des Premiers: Italienerinnen und Italiener, die das 18. Lebensjahr vollenden, erhalten einen Kulturgutschein im Wert von 500 Euro – für Konzert- und Theaterbesuche, für Museen und Bücher.” (ebd.).

Doch statt allein Gutscheine zu verteilen, müssen die Bildungs- und Kultureinrichtung durch bedarfsgemäße Finanzierung allen ständig zugänglich gemacht werden. Der Jugendarbeitslosigkeit muss u.a. mit dem Ausbau von Studien- und Ausbildungsplätzen entgegen gewirkt werden. Dafür sind die Reichen- und Vermögenssteuern extrem anzuheben bzw. einzuführen. Diese Maßnahmen trocknen dann auch den Nährboden für rechte und faschistoide Ideologie (wie des IS) aus und eröffnen die Perspektive für Frieden, der eben mehr ist als nur die Abwesenheit von Krieg.

Ohne die künstlich geschaffene Konkurrenz um den Masterplatz oder die nächsten Drittmittel sind wir als Wissenschaftsbetreibende frei für umgreifende Friedenswissenschaft. So kann die Universität verstärkt ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen, für die soziale, demokratische und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu wirken. Dafür müssen wir kämpfen: Sagen wir NEIN zu den Leistungsanforderungen des aktuellen Studiensystems und lasst uns zusammen lernen, die Welt human zu gestalten.

„Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!“ (Wolfgang Borchert, “Dann gibt es nur eins!”, 1947)

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Dez 092014
 

UmwälzungenMan muss die Welt so sehen, wie sie ist aber muss man sie so lassen?“ – Freundeskreis: Sternstunde (oder die Revolution der Bärte), 1999.

Das UNO-Flüchtlingskommissariat UNHCR meldete im Sommer 2014, dass Ende des Jahres 2013 weltweit über 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen seien. Das ist ein neuer Höchststand seit dem Zweiten Weltkrieg. Neue Schätzungen gaben im März 2014 an, dass von über 23.000 Toten an den EU-Außengrenzen seit dem 1. Januar 2000 ausgegangen werden kann. Der Welternährungsbericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen weist daraufhin, dass die Weltbevölkerung heute problemlos doppelt ernährt werden könnte, während ca. 37.000 Menschen täglich verhungern und fast eine Milliarde Menschen permanent unterernährt sind. Das zeigt uns tagtäglich: Auf dieser Welt herrscht Krieg.

Die Bundesrepublik Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Laut Zwischenbericht der Bundesregierung zu Rüstungsexporten im 1. Halbjahr 2014 ist der Anstieg der Einzelgenehmigungen von Rüstungsexporten in Drittländer (Staaten, die weder in EU noch NATO Mitglied sind) mit 63,5 % so hoch wie nie zuvor. Der Hamburger Hafen ist einer der größten Umschlagplätze von Rüstungsexporten, wie kürzlich kleine Anfragen der Linksfraktion an den Senat erneut belegten. Das zeigt uns tagtäglich: Der Krieg geht für das Profitinteresse – auch von Hamburg – aus.
Die Gegnerschaft ist also deutlich, damit verbunden auch die Perspektive der Veränderung. 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus ist der Hunger der Menschheit auf weltweiten Frieden immer noch ungestillt. 70 Jahre nach dem Ende des Faschismus sind auch 70 Jahre nach dem Potsdamer Abkommen und nach der Gründung der Vereinten Nationen mit ihrer Menschenrechts-Charta. In diesen systemübergreifenden Vereinbarungen zeigt sich der Wille nach Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Bildung für Alle und kulturelle Teilhabe der Menschen. Nun ist der gesellschaftlich produzierte Reichtum auf einem Höchststand, auf dessen Grundlage der nötige weltweite Frieden also möglich ist. Dafür muss der gesellschaftliche Reichtum auch gesellschaftlich verteilt werden. Durch radikale Umverteilung von oben nach unten (u.a. Vermögens- und Unternehmenssteuer), sowie Konversion u.a. von der Rüstungsproduktion, werden Schritte zum Frieden eingeleitet.
Als Teil der progressiven Friedensbewegung wirken wir Uni-Mitglieder mit dem Streiten für eine Zivilklausel, für Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft und für die Ausfinanzierung der Hochschulen auch international dafür. Eine Zivilklausel (auch im Gesetz) ermöglicht den Hochshculen, für die friedliche Entwicklung der Gesellschaft wissenschaftlich tätig zu sein und ist dabei ein Schutz vor dem Zugriff des Rüstungs- und Militärkomplexes auf die Wissenschaft. Friedenswissenschaft statt BWL als Leitwissenschaft setzt auf kooperative Wissenschaftsprozesse, die sich der Lösung von epochal-typischen Schlüsselproblemen annehmen, und überwindet damit die Top-Down-Strukturen der „unternehmerischen Hochschule“. Die Ausfinanzierung der Universität überwindet Drittmittel-Unterwerfung und Konkurrenz um die künstlich verknappten Mittel für die positive Freiheit der Wissenschaft, ihre gesellschaftliche Verantwortung erweitert wahrnehmen zu können. Das schafft Umwälzungen für die friedliche Entwicklung, die mehr ist als die bloße Abwesenheit von Krieg.

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde
Voll Leben und voll Tod ist diese Welt
In Armut und Reichtum grenzenlos
Von Schönheit hell entflammt ist diese Erde
Vom Elend ganz verbrannt ist diese Welt
Doch ihre Zukunft ist herrlich und groß
Freundeskreis: Sternstunde

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Aug 182014
 
Von Florian Osuch

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»Eine klare Friedensposition«: Der neue AStA will keine militärische Forschung an der Hochschule (Hamburg, 21.4.2014) Foto: Bodo Marks/dpa/Bildfunk

An der größten Bildungseinrichtung Norddeutschlands, der Universität Hamburg, dominieren fortan wieder linke Kräfte die Vertretung der Studierendenschaft. Ein Bündnis aus linken und grünen Wahllisten unterstützt von den titanic-Jüngern der »Liste« und verschiedenen Fachschaften hat sich im Studierendenparlament (StuPa) auf eine Zusammenarbeit verständigt. Das StuPa wählt den Allgemeinen Studierendenausschuß AStA, der geschäftsführend die Interessen der Studenten vertritt. Hauptsächlich wird die Allianz getragen von der alternativen Regenbogenliste, dem Linkspartei-nahen Studierendenverband SDS und dem Zusammenschluß CampusGrün. Sie lösen eine Koalition ab, die von Studentengruppierungen der CDU, SPD und FDP gebildet worden war.

Artur Brückmann, neuer Referent für Soziales im kürzlich konstituierten AStA, sagte gegenüber junge Welt: »Nach einem Jahr Verwaltung des Elends durch RCDS, Jusos und Liberale Hochschulgruppe, wollen wir nun aus dem AStA wieder Mitstudierende anregen und ermutigen, zu diskutieren, sich zu organisieren und verändernd einzugreifen.«

Der versuchte Umbau von Hochschulen »zu Produktionsstätten von Humankapital« müsse zugunsten eines Ortes überwunden werden, an dem sich kritisch mit der Welt auseinandergesetzt werde, sagte Brückmann, der beim SDS aktiv ist. Ein linker AStA verbinde hochschul- und wissenschaftspolitische Fragen immer mit dem gesellschaftlichen Kontext und treibe »die sozialen Kämpfe mit voran«.

Zwei politische Themen sind für die Studierenden von zentraler Bedeutung. Das ist die Friedensorientierung der Hochschule sowie die Auseinandersetzung um eine bedarfsgerechte Ausfinanzierung. Franziska Hildebrandt, ebenfalls aktiv im SDS und neugewählte Referentin für Hochschulpolitik, sagte junge Welt: »Eine klare Friedensposition ist die Kernposition des neuen AStA.« Gegen die Indienstnahme der Universität durch den militärischen Komplex wollen Hildebrandt und ihr Team »durch die Etablierung einer Zivilklausel einen demokratischen Prozeß befördern, der sich mit der Verantwortung der Hochschulen auseinandersetzt, für eine friedliche Entwicklung der Welt beizutragen.« An mehreren deutschen Universitäten gibt es solche Selbstverpflichtungen, ausschließlich für zivile Zwecke zu forschen. Die erste Zivilklausel trat 1986 an der Universität Bremen in Kraft, angeschlossen haben sich inzwischen unter anderem die TU Berlin, Universitäten in Rostock, Dortmund, Göttingen, Kiel, Tübingen, Kassel, Münster, Konstanz sowie die Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im Herbst ist ein bundesweiter Zivilklausel-Kongreß an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg geplant.

Kritisch bewertet der neu gebildete AStA auch die Umsetzung der europäischen Studienreform, die als Bologna-Prozeß bekannt ist. Sie sei als »Unterwerfung des Studiums unter die Verwertungslogik und somit als Teil der neoliberalen Ideologie gescheitert« heißt es in einem Strategiepapier, das jW vorliegt. Die Bologna-Reform müsse »grundlegend überarbeitet werden«. Auf Konfrontationskurs gehen die Studierenden auch mit dem SPD-geführten Hamburger Senat. Dessen Hochschulgesetz sei »undemokratisch, politisch falsch, gesellschaftlich schädlich und juristisch verfassungswidrig«. Damit mischt sich der AStA in die laufende Debatte um die Novellierung des Hamburger Hochschulgesetz ein. Gleichzeitig wird eine bedarfsgerechte Ausfinanzierung von Forschung und Lehre gefordert, »damit diese ihrer Verantwortung gerecht werden kann, für eine sozial-ökologische Gesellschaft zu wirken«.

Mai 092014
 

Auf Antrag des SDS* und Lina Derbitz (Regenbogen/AL) wurde gestern im Studierendenparlament der Universität Hamburg gegen die Stimmen von SPD- und CDU-Jugend folgender Beschluss gefasst. Mit den Stimmen von u.a. den meisten Grünen und der FDP wurden vorher folgende Passagen gestrichen: “Die kapitalistische Eigentumsordnung schürt also den Mangel im Überfluss und zerstört damit Menschenleben!” sowie

“Die herrschende Politik der BRD folgt den Maßstäben eines globalen Wirtschaftssystems, in dem alle Menschen der Verwertungslogik und der Profitmaximierung unterworfen werden sollen. Diese Politik und Wirtschaftspraxis ist maßgeblich verantwortlich für Krisen, Kriege und Armut auf der ganzen Welt. In der reichen Hafenstadt Hamburg besteht also die besondere Verantwortung, den Menschen, die den tödlichen Verhältnissen versuchen zu entkommen, Asyl, Rechtsgleicheit und umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Die imperialistische Politik muss durch internationale Solidarität überwunden werden. Die wissenschaftliche Ergründung der Ursachen von Krieg und Krisen ist dafür in den Hochschulen notwendig. Wir betreiben kritische Wissenschaft, die den Status quo begreifen will, um ihn zu verbessern.

Hier gibts die offizielle PDF.

Internationale Solidarität – Für ein Refugee Welcome Center in Hamburg

Wir, das Studierendenparlament der Universität Hamburg, begrüßen die Eröffnung eines Refugee Welcome Center in Hamburg und fordern den Hamburger Senat auf, dafür ein geeignetes Gebäude zur Verfügung zu stellen.

Seit über einem Jahr kämpft die Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ mit viel Unterstützung um die Anerkennung des Status als Kriegsflüchtlinge in der BRD und das bedingungsloses Bleiberecht als Gruppenlösung. Der SPD-Senat reagiert mit Ignoranz, Rassismus und Repression. Damit muss Schluss sein. Nachdem am 1. Mai das von der Hamburger Bevölkerung organisierte “Solidarische Winternotprogramm” ausgelaufen ist, sitzen viele Refugees nun erneut auf der Straße, während in Hamburg tausende Quadratmeter Wohnraum zu Profitzwecken leerstehen. Die Unterkunftsfrage kann in Hamburg durch die Nutzung von leerstehenden Häusern und Wohnungen sofort gelöst werden. Um das zu symbolisieren haben am 1.Mai 2014 tausende Menschen die leerstehende Knabenschule im Karoviertel besichtigt, um zu zeigen, dass das Gebäude als Refugee Welcome Center perfekt geeignet ist. Das Studierendenparlament unterstützt die Forderung nach der Nutzung dieses Gebäudes als Refugee Welcome Center. Ein solches Zentrum stellt gegen die Vertreibungspolitik des SPD-Senats einen Gegenpol dar, in dem ein Ort geschaffen wird, an dem Menschen zusammen kommen, um sich zu organisieren, Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden, Beratung stattfinden kann, Wohnraum geschaffen wird, Platz für kulturelle Veranstaltung ermöglicht wird und vieles mehr.

Wir haben nicht den NATO-Krieg überlebt, um auf Hamburgs Straßen zu sterben.“ (Auf einem Transparent der Gruppe ¨Lampedusa in Hamburg¨)

 In Hamburg werden Waffen produziert und verschifft, die weltweit morden. Krieg ist eine der Hauptursachen für Flucht. Die Universität hat die gesellschaftliche Aufgabe für die friedliche Entwicklung zu forschen, lehren und kämpfen. Zerstörung von Menschenleben ist keine Wissenschaft. Wir fordern die Verankerung einer Zivilklausel im Hamburgischen Hochschulgesetz. Rüstungs- und Kriegsforschung muss aufgedeckt, verhindert und vollständig verunmöglicht werden. Durch ständige, demokratische Verständigung um Wissenschaftsinhalte können wir die Ausrichtung auf Frieden ermöglichen. Die Menschen der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ sind Kriegsflüchtlinge. Als Verfasste Studierendenschaft setzen wir uns dafür ein, dass die Fluchtursachen überwunden werden: Nie wieder Krieg!

Wir treten für die sofortige Erfüllung der Forderungen der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ ein. Die geforderte Gruppenanerkennung ist nach § 23 Aufenthaltsgesetz sofort möglich. Wir wollen als Verfasste Studierendenschaft in Bündnisarbeit auf eine weitreichende Reform deutscher und EU Asylgesetzgebung drängen. Die Drittstaatenregelung muss fallen und das Grundrecht auf Asyl muss wieder hergestellt werden.

Refugees welcome!

Nov 292013
 

Am 4.12.2013 hält der Ge­ne­ral­in­spek­teur der Bun­des­wehr Volker Wie­ker an der Uni Ham­burg (16 Uhr, Hauptgebäude) einen Vor­trag im all­ge­mei­nen Vor­le­sungs­we­sen in der Reihe „Cyber Se­cu­ri­ty – Cyber War – Cyber Peace“ zum Thema „Cyber Se­cu­ri­ty – die Rolle der Bun­des­wehr“. (Wie­ker ist seit 2010 als rang­höchs­ter Sol­dat der Bun­des­wehr mi­li­tä­ri­scher Be­ra­ter der Bun­des­re­gie­rung und für die Ge­samt­kon­zep­ti­on der mi­li­tä­ri­schen Ver­tei­di­gung, für die Ein­sät­ze der Bun­des­wehr sowie für die Bun­des­wehr­pla­nung ver­ant­wort­lich. Von 2008 bis 2010 war er Chef des Sta­bes der ISAF in Kabul) Auf­trit­te auf Mes­sen, an Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten die­nen neben der Nach­wuchs­ge­win­nung dazu, die Bun­des­wehr als Teil der Ge­sell­schaft und Ak­teur für welt­wei­te Si­cher­heit und Frie­den zu eta­blie­ren.

Auch das Feld der zi­vil-mi­li­tä­ri­schen Zu­sam­men­ar­beit wird zu­neh­mend aus­ge­baut. So geht etwa an Kriegs­schau­plät­zen wie Af­gha­nis­tan die Ar­beit der Bun­des­wehr Hand in Hand mit so ge­nann­ter Ent­wick­lungs­hil­fe zi­vi­ler Or­ga­ni­sa­tio­nen. Ein wei­te­rer Part­ner auf die­sem Feld sind die Uni­ver­si­tä­ten als For­schungs­ein­rich­tun­gen im mi­li­tä­ri­schen oder zu­min­dest mi­li­tä­risch nutz­ba­ren Be­reich. Die­ser er­streckt sich mitt­ler­wei­le von den In­ge­nieurs- über die Na­tur- hin zu den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten und deckt selbst­ver­ständ­lich auch Fel­der wie Psy­cho­lo­gie oder In­for­ma­tik ab.

Das Bünd­nis ‚Bil­dung ohne Bun­des­wehr‘ hat die ver­an­stal­ten­den Fach­be­rei­che sowie das Uni-Prä­si­di­um auf­ge­for­dert, Wie­ker wie­der aus­zu­la­den und die Ver­an­stal­tung nicht statt­fin­den zu las­sen. Die Uni­ver­si­tät soll­te ein Ort der un­ab­hän­gi­gen Lehre und For­schung sein, an­statt sich für die Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne der Bun­des­wehr her­zu­ge­ben!

Da nicht si­cher ist, dass die­ser Bitte nach­ge­gan­gen wird, wol­len wir Wi­der­stand gegen diese öf­fent­li­che Ver­an­stal­tung or­ga­ni­sie­ren. Kommt am 4.12.2013 um 16 Uhr zum Agathe-Lasch-Hörsaal (ESA B)
Hauptgebäude der Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg .

Bis in­for­mie­ren wir jeden Mitt­woch vor den Vor­le­sun­gen der Reihe vor dem Haupt­ge­bäu­de der Uni­ver­si­tät Ham­burg über die an­ste­hen­de Ver­an­stal­tung mit Ge­ne­ral­in­spek­teur Wie­ker. Wir freu­en uns über über Un­ter­stüt­zung!

Weitere Infos hier