Dez 022017
 

Die Wahl zum Studierendenparlament steht wieder an! Ab dem 8. Dezember sind alle Briefwahlunterlagen versendet, die dann bis zum Jahreswechsel eingegangen sein müssen. Urnenwahl findet vom 15.01.18 bis 19.01.18 statt. Nachfolgend findet ihr unsere große Listendarstellung.

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Plakat-Motiv 2017/18

So, wie es ist, bleibt es nicht. Die Welt steckt in einer tiefen Krise. Die Reichsten werden immer reicher, sodass die (öffentliche) Armut wächst. Damit das so bleibt, wird die Politik der Austerität („Entbehrung“) betrieben. Es wird mit Säbeln gerasselt und mit Atomkrieg gedroht. Extrem rechte Kräfte intensivieren ihre Hetze zur Aufrechterhaltung und Zuspitzung der Konkurrenz. Dementgegen bedarf die Krise der solidarischen Lösung, und derjenigen, die diese beginnen.

Die Möglichkeiten für ein menschenwürdiges Leben für alle sind nicht geschmälert. Im Gegenteil: Der gesellschaftliche Reichtum war noch nie so enorm, aber eben noch nie so enorm ungleich verteilt. Die Wahrscheinlichkeit der Durchsetzung dieser Möglichkeiten erhöht sich nur durch uns. Zentrale Voraussetzung dafür ist Wissenschaft als gemeinsame Erkenntnisarbeit zum Verstehen und Verändern der Welt. Weil die Verhältnisse von Menschen gemacht sind, und von ihnen immer verändert werden (können).

Genau deshalb sollen wir Credit Points hinterher hecheln und für einen der verknappten Masterplätze Ellenbogen ausfahren – damit wir nicht wissenschaftlich daran arbeiten, dass es für alle besser wird; dass die Austerität durch üppige öffentliche Investitionen für wirkliche Inklusion mit Zugang zu Bildung, Kultur, Gesundheit und Arbeit für alle beendet wird. Genau deswegen sollen wir uns den Kopf über das wenige Geld und die hohe Miete zerbrechen – damit wir nicht gemeinsam diskutieren, welche gesellschaftliche Verantwortung Wissenschaft hat und wie wir bspw. Rüstungskonversion und Friedenswissenschaft betreiben. Die Frage nach der radikalen Lösung soll keine praktische Relevanz im Alltag haben. Damit das Studium nicht kritisch-eingreifend ist, sondern mit marktkonformem Humankapital Profite des Kapitals und Macht des Establishments maximiert werden.

… es kommt aber darauf an, die Welt zu verändern!

Postkarten-Motiv 2017/2018

In all diesen Konkurrenz-Instrumenten von Bachelor-Master-Quälerei über Dauer-Befristungen bis Drittmittel-Jagd spiegelt sich gleichzeitig unsere potenzielle Wirkmächtigkeit – wenn Wissenschaft politisch, gesellschaftlich verantwortlich, kämpferisch unternommen wird statt quantitativ-formal-distanziert und vermeintlich unpolitisch. Die Studienzeit verstehen wir dafür als die der Mehrheit der Menschen systematisch verweigerte Möglichkeit, sich durch intensive Anstrengung von den durch Vergangenheit und Erziehung verinnerlichten fremden Herrschaftsinteressen zu befreien, die spezifisch menschliche Verstandestätigkeit in sprengende Vernunft gegen die bestehende Gesellschaft zu transformieren“ (Rudi Dutschke, 1967). So fällt die Selbstveränderung durch emanzipatorische Bildung und Wissenschaft in eins mit der Veränderung der Welt.

Lasst uns die solidarische Alternative sein und durchsetzen. Diskutieren wir unsere Ambitionen und Hoffnungen auf eine andere, bessere Welt und machen sie zur Grundlage unserer Alltagshandlungen. Die Verfasste Studierendenschaft ist dafür die erkämpfte Möglichkeit.

Kritische Wissenschaft statt Leistungspunkte-Lauf

Kleine Listendarstellung für die Briefwahlbroschüre

Wir glauben, dass Hochschulbetrieb nur soweit gerechtfertigt ist, als er Dienst am Menschen bleibt. (…) Menschliches Leben ist gemeinsames Leben von verantwortlichen Personen in der Welt. Nur als Teil dieses Lebens ist die Hochschule gerechtfertigt.“ heißt es im „Blauen Gutachten“, das im Jahr 1948 nach der Befreiung vom deutschen Faschismus für den Aufbau eines demokratischen Hochschulwesens in Norddeutschland veröffentlicht wurde. Mit der 68er-Bewegung dominierte – die antifaschistische Konsequenz aufgreifend – so verstandene kritische Wissenschaft. Das neoliberale Dogma der „unternehmerischen Hochschule“ hat diese demokratische Wissenschaft verdrängt. Dementgegen arbeiten wir im Studium an gesellschaftlichen Herausforderungen, wie im Themensemestern zu G20 oder Austerität vs. Solidarität. Emanzipatorisches Projektstudium statt Leistungspunkte-Lauf, problemorientiertes Studieren statt Modulhäppchen, kooperatives Streiten über humane Lösungsvorschläge statt Prüfungsterror sind wesentliche Punkte der Studienreform: Für ein neues „68“!

Sozialrevolutionäre Realpolitik statt Konkurrenzhetze

Den Menschen in der BRD ginge es so gut wie noch nie, predigen diverse Politiker seit Monaten. Wenn Du nicht auf die Hetze der AfD oder auf privatisierte Krankenhäuser klarkommst, hast Du halt ein Problem. Jammer nicht, wenn das Geld nicht reicht und Leistungsanforderung im Studium Dich überfordern, streng Dich halt an. Also: Geht’s uns gut? Nein! Die politisch hergestellte soziale Prekarität kombiniert mit Leistungsdruck treibt massenhaft in den Burn-Out. Wir sollen für die politisch hergestellte soziale Situation auch noch selbst verantwortlich sein, man hätte ja mehr leisten können. Das ist falsch! Die Zukunft wird nur weniger prekär, wenn wir uns gemeinsam dafür einsetzen. Wir kämpfen für die massive Förderung des Studierendenwerks, mit dem exemplarisch für die gesamte Stadt sozialer Wohnraum, inklusive Daseinsvorsorge und angemessene, sanktionsfreie Förderung (BAföG) durchgesetzt werden kann – als soziale Grundlage für kritisches Studieren. Auch dafür muss die „Schuldenbremse“ gelöst werden.

Bewegung für eine „Welt des Friedens und der Freiheit“ statt Ungleichsideologie

Im Schwur von Buchenwald haben befreite KZ-Gefangene als Konsequenz aus der Befreiung vom deutschen Faschismus die „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“ und den „Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ als Losung ausgegeben, die bis heute nicht eingelöst ist. Wissenschaft muss sich also heute am Aufbau einer denazifizierten, demilitarisierten, demokratisierten und (politisch sowie wirtschaftlich) dezentralisierten Gesellschaft beteiligen, wie es 1945 im Potsdamer Abkommen der Alliierten gefasst wurde. Damit nehmen wir auch den Kampf gegen die heutige Rechte à la Trump, AfD und Le Pen auf, die den neoliberalen Kapitalismus retten will und dafür Sündenböcke sucht. Statt nach oben zu buckeln und nach unten zu treten, lassen wir uns nicht spalten und vereinzeln. An der Hochschule heißt das tägliches Engagement für Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft und für die Einführung einer Zivilklausel im Hamburgischen Hochschulgesetz!

… es kommt darauf an, die Welt zu verändern! Deswegen wirken wir als Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband (SDS*) für eine zivile und soziale Welt. Studium, Wissenschaft und Uni müssen wir dafür demokratisieren, gesellschaftsverantwortlich orientieren und bedarfsgemäß öffentlich finanzieren. Als SDS* engagieren wir uns in sozialpolitischen und antifaschistischen Bündnissen, in der LINKEN, im Bundesverband dielinke.SDS, in Fakultätsräten, Fachschaftsräten, Stupa und AStA.

Jan 102017
 

„Halt die Deadline ein, so ist’s fein | Hol die Ellenbogen raus, burn dich aus | 24/7, Acht Bis Acht |  Was geht ab, machste schlapp, what the fuck?!“  (Deichkind, Bück dich hoch, 2012)

kritische_wissenschaft_2017Die Ursache für Burnout und Depression (in) der „Leistungsgesellschaft“ ist das Zurückdrängen eines gemeinwohlorientierten Sinns hinter all den Deadlines und Monatskennziffern, ein konkurrenzgetriebenes ‘Rennen ohne Ankommen’ und gefühlte Ausgeliefertheit an unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wir leben in einer verkehrten Welt, in einer Welt der Zweck-Mittel-Verkehrung. Der Zweck unseres Studiums soll nicht etwa im Verstehen der Welt zum Verbessern der Welt bestehen, sondern im „Erwerben“ von Leistungspunkten für unser „Leistungskonto“ nach vorgegebenem Studienplan, um damit später auf dem Arbeitsmarkt etwas anfangen zu können. Der Zweck der Forschung soll anstelle von Gemeinwohlorientierung das „Einwerben“ von Drittmitteln oder das Sammeln von Punkten in der sog. Leistungsorientierten Mittelvergabe sein (Mittel, die erst im Wettbewerb unter  Professor*Innen vergeben werden, wenn diese bestimmte Anforderungen erfüllen). Im Jahr 2012 betrug die Drittmittelquote 28 %  des gesamten Hochschulbudgets. Zum Vergleich: 2003 waren es 19 %.

Die Folge der heutigen Sinnentleerung und Trennung von Forschung und Lehre ist eine Kultur der Entfremdung, die schon die 68er-Bewegung ablehnte: „Zumal wenn Forschen und Lernen auseinandergerissen sind und die Studenten am Forschungsprozeß nicht beteiligt werden, erleben sie ihre Arbeit nur als passiv-konsumtiv, als bloßes Erlernen herausgerissener Momente des Ganzen, nicht aber als eigene Entäußerung, als ‘Aus-sich-heraus’ (Bloch), als aktives Eingreifen in den Wissenschaftsprozeß selbst. Auf der Universität sind persönliche Identifikationen und Beziehungen ersetzt worden durch verdinglichte.“ (Bacia/Geulen, “Wider die Untertanenfabrik”, 1967) Im Zuge der 68er-Bewegung wurde von dieser Kritik ausgehend tendenziell eine Vorstellung von Bildung und Wissenschaft als Grundrecht realisiert, die den Auftrag hatte gesellschaftliche Selbstaufklärung, sowie sozialen, kulturellen und ökologischen Fortschritt anzutreiben.

Der neoliberale Umbau der Hochschulen wurde dementgegen forciert, damit Forschung nicht gesellschaftliche Emanzipation, sondern verwertbaren und affirmativen Output bedeutet. Damit Humankapital ausgebildet wird anstatt dass mündige Persönlichkeiten sich bilden. Die dazu gewählten Mittel: Unterfinanzierung, Managementstrukturen und Wettbewerbsverfahren. Doch der Widerstand dagegen ist weit verbreitet und wächst.

Besonders in Zeiten der aktuellen Krise des Neoliberalismus und den rechts lauernden Hetzer*Innen ist eine  kritische Wissenschaft eine wichtige Stimme der Hoffnung: sie nimmt den Verhältnissen ihren Schein der Natürlichkeit, zeigt Veränderungspotenziale auf und mischt sich in der gesellschaftlichen Gegnerschaft parteiisch ein für „eine Welt des Friedens und der Freiheit“ (Schwur von Buchenwald): „Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen, dabei vor allem auch gegen den Strom der eigenen Vorurteile, und in der bürgerlichen Gesellschaft zudem gegen die eigene Tendenz zum Sich-Korrumpieren-Lassen und Klein-Beigeben gegenüber den herrschenden Kräften, denen die Erkenntnisse gegen den Strich gehen, die ihren Herrschaftsanspruch gefährden könnten.“  (Klaus Holzkamp, Forum Kritische Psychologie 12, 1983)

Um mit dieser Orientierung die gesamte Hochschule zu durchwirken und im Studium auch die absurde Trennung von Forschung und Lehre aufzuheben, haben unsere VorkämpferInnen schon für ein gesellschaftlich eingreifendes, forschendes, exemplarisches und interdisziplinäres Lernen gekämpft: das Projektstudium. Das Projektstudium dreht die Zweck-Mittel-Verkehrung um, indem es aktuelle gesellschaftliche Fragen (heute bspw. G20-Gipfel, Situation Geflüchteter oder die Organisation des Gesundheitssystems) zum Ausgangspunkt einer forschend-politischen Arbeit macht. So ist das Ziel nicht eine Prüfungsleistung, sondern kann bspw. die Verhinderung des G20-Gipfels, die Rekommunalisierung der Krankenhäuser oder der Kampf für die Überwindung der Fluchtursachen (Krieg!) und die Realisierung des Grundrechts auf Asyl sein, bzw. der aufklärerische Beitrag zu diesen Bewegungen.

Trauen wir uns also, unserer Ahnung nachzugehen, dass Studium etwas anderes sein muss als die Erfüllung von Anforderungen in der Bachelor-Master-Routine. Deshalb sind wir und viele andere in der Studienreform zur Bildung mündiger Persönlichkeiten aktiv. Trauen wir uns also, tagtäglich aufs Neue aus der Anpassung auszubrechen und die gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen. Statt Veränderung nur zu fordern: Lasst uns selbst die solidarische, eingreifende Alternative sein und unser Ändern leben.

Flugblatt als PDF hier

Feb 242015
 

Bildschirmfoto vom 2015-02-24 01:59:53PEGIDA, AfD, HoGeSa und Co. spuken seit einiger Zeit durch die Öffentlichkeit und mobilisierten bisher Zehntausende von Menschen gegen „die Flüchtlinge“ und „den Islam“. Die Anschläge auf Asylunterkünfte bspw. sind im Zuge dessen in der BRD sprunghaft gestiegen. Seit November sind aber auch mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie und Stigmatisierungen und für eine offene und friedliche Gesellschaft zu setzen.

Die gesellschaftliche Basis für die neue Rechte wird seit Jahren mit Scheinargumenten für die angebliche Islamisierung und vermeintliche „Ausländerkriminalität“ bis hin zum „Untergang des Abendlandes“ gebildet. Die rassistischen Thesen eines Thilo Sarrazin wurden von der BILD abgedruckt, der Focus titelte nach den Pariser Anschlägen im Januar mit der Abbildung einer Kalaschnikow: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Doch!“ Politiker*innen und bürgerliche Ökonom*innen machen über 20 Jahre nach der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl wieder Stimmung gegen vermeintliche „Sozialbetrüger” oder „Wirtschaftsflüchtlinge”, während seitdem an den Außengrenzen der EU über 20.000 Menschen ertrunken sind.

Der Islam“ und „die Flüchtlinge“ sind dabei aber nur Sündenböcke für Unzufriedenheit, politische Ohnmacht, Entfremdung und Ausbeutung, die aus einer Politik resultieren, die nur an der Wahrung von Profiten für einige Wenige interessiert ist: Hartz4, Leiharbeit, der größte Niedriglohnsektor Europas, Armut, Waffenproduktion und Kriege in aller Welt sind Bestandteile dieses Neoliberalismus. In einer Forsa-Umfrage vom Januar gaben daher bereits 72% der Befragten im Osten Deutschlands an, „dass auf die Interessen der Bevölkerung kaum noch Rücksicht genommen wird“.

Die rassistische Abgrenzung dagegen, so der Soziologe Wulf D. Hund, „stellt allen Gesellschaftsmitgliedern ideologisch sanktionierte und häufig mit religiöser oder wissenschaftlicher Legitimation versehene Mittel der Diskriminierung anderer zur Verfügung, die sich ohne Rücksicht auf soziale Differenzen [...] verwenden lassen. Sie ermöglicht so Abgrenzung, Aufwertung und Protest in einem und stabilisiert gleichzeitig die Verhältnisse, denen sich die Motivation für ihre Anwendung verdankt.“

Letzteres erklärt, warum PEGIDA, AfD, HoGeSa und Co. für die Übel des neoliberalen Kapitalismus so ohne weiteres „den Islam“ oder aber Flüchtlinge verantwortlich machen können: Damit wird von den eigentlichen Verursacher*innen abgelenkt. Diese sind laut Heribert Prantl, stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, als ein neoliberales „Einparteiensystem“, als „rotierendes Elitenkartell“ in Politik und Wirtschaft zu identifizieren. Zu ihrer Legitimierung soll überall das Prinzip der Alternativlosigkeit verbreitet werden: There is no alternative.

Hier muss kritische Wissenschaft und emanzipatorische Bildung ansetzen: „Die ‘Kritische Universität’ ist die Rückbesinnung auf den ursprünglichen Inhalt von Wissenschaft als Prozeß der Selbstbefreiung des Menschen durch Aufklärung. Die gesellschaftliche Situation und ihre Möglichkeiten sollen analysiert werden, immer unter dem Aspekt der Veränderbarkeit in Richtung auf die Vermenschlichung der Gesellschaft. Dieser ursprüngliche Inhalt von Wissenschaft ist identisch mit dem Begriff der Demokratie.“ (Rudi Dutschke, Stern-Interview vom 26.11.1967)

Wir müssen also – vor allem als Hochschulmitglieder – Wissenschafts- und Bildungsprozesse anstoßen, die dem status quo die Maske der Alternativlosigkeit vom Gesicht reißen, die wirklichen Ursachen sozialer, ökonomischer und ökologischer Probleme ergründen und Teil der Lösung dieser Probleme sein. Wenn wir erkennen und daran arbeiten, dass eine friedliche, humane Welt nicht nur nötig, sondern auch möglich ist, erschweren wir es auch rechten Menschenfängern, die Krisensituation mit Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung und noch mehr Konkurrenz zu beantworten.

Daher ruft die LandesAStenKonferenz Hamburg mit dazu auf, am 28.2. nach Dresden zu fahren und bei der Großdemonstration eines breiten Bündnisses von Flüchtlingsorganisationen und Unterstützer*innen ein Zeichen der Solidarität mit Geflüchteten und Opfern von Diskriminierung und Stigmatisierung – und damit auch gegen die Aktivitäten und Parolen von PEGIDA zu setzen.

Aufruf als PDF hier

Jan 072014
 

Wissenschaft, ob innerhalb oder außerhalb universitärer Strukturen, findet in der Gesellschaft statt. Kritische Wissenschaft muss sich daher mit den Möglichkeiten und Bedingungen, unter denen sie stattfindet, auseinandersetzen. Somit ist für sie die Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse und damit von Herrschaft eine notwendige Voraussetzung. Wie jegliche Form der Kultur geschieht Wissensproduktion im Kapitalismus nach den Prinzipien der Verkäuflichkeit, das heißt, die Produktion und Funktion von Wissen richtet sich nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit aus. So wurde bspw. jüngst bekannt, dass das US-Verteidigungsministerium in den letzten Jahren mit über zehn Millionen Dollar Projekte zur Grundlagen- und Rüstungsforschung an deutschen Hochschulen finanziert hat, darunter auch Hamburg. Dass Wissenschaft dabei unmittelbar militärischen Interessen dient und sich nebenbei gesagt in der Rüstungsindustrie viel Geld verdienen lässt, liegt auf der Hand. Wenn heute von einer Wissensgesellschaft die Rede ist und es heißt, Deutschlands wichtigste Ressource sei das Wissen, so wird unmittelbar deutlich, dass Wissen hier zu einer ökonomischen Kategorie wird. Wissen wird zur Ware, die in der kapitalistischen Produktion und im internationalen Standortwettbewerb zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird. Aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive wird Bildung und Wissen zu Humankapital degradiert, welches den Wert des einzelnen auf dem Arbeitsmarkt steigert. Auch kritische Wissenschaft kann aus diesen Zusammenhängen nicht austreten und findet zwangsläufig unter diesen Bedingungen statt, macht diese aber zum Gegenstand ihrer Analyse und verhält sich somit selbstreflektiv. Sie ist damit immer auch Gesellschaftskritik. Aufgabe von Hochschulpolitik muss es sein, diesen Zusammenhang umzusetzen und der zunehmenden Ökonomisierung der Hochschulen und der Gesellschaft eine demokratische und soziale Entwicklung entgegenzusetzen: die Bedingungen der Lehre und Forschung zu ändern heißt auch, die gesellschaftliche Ordnung grundsätzlich in Frage zu stellen.

Die Entwicklung der Wissenschaft verläuft nicht gradlinig sondern in Kontroversen, welche die gegensätzlichen Interessen der Gesellschaft widerspiegeln. Die derzeitig vorherrschende VWL bspw. ist eben nicht objektiv, wie sie mit ihrem positivistischen Selbstverständnis (neutrale Beschreibung des Ist-Zustandes) immer behauptet, sondern sie betrachtet die Ökonomie vom Standpunkt der Kapitalist*Innen aus und vermittelt ihre Interessen als allgemeingültig und dem größtmöglichen Allgemeinwohl dienend. Dadurch werden die gegensätzlichen Klasseninteressen zwischen Kapital und Arbeit verschleiert: da wir alle – unterschiedlich ausgestattet mit Kapital, Boden und Arbeit - nur nach unserem größtmöglichen Nutzen streben, sitzen scheinbar alle im selben Boot. Formal sind alle gleichgestellt, unterschiedliche Interessen gibt es damit nicht mehr. Diese Vorstellungen vereint der homo oeconomicus als Abziehfolie eines betriebswirtschaftlich handelnden Individuums, ein Menschenbild, das außerhalb dieser Theorie freundlich ausgedrückt ziemlich untauglich erscheint. Kritische Wissenschaft muss gegensätzliche gesellschaftliche Interessen explizit berücksichtigen, indem sich gleichzeitig verschiedene Schulen und Paradigmen gegenüberstehen, Wissenschaftler*Innen sich mit anderen Theorien auseinandersetzen und Kritik an ihnen üben. Eine Wissenschaft die nicht entsprechend selbstreflektiv Wissenschafts- und Gesellschaftskritik miteinander verbindet, verkommt dadurch zur Legitimationsgrundlage der herrschenden Verhältnisse anstatt einen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt zu leisten.

Eine Wissenschaft, die die kapitalistische Ordnung bewusst oder unbewusst als gegebenen Naturzustand auffasst, braucht dementsprechend auch ein ahistorisches Selbstverständnis und wird ihre Theorie eben dadurch rechtfertigen, dass sie objektiv gültig bzw. werturteilsfrei sei. Sie blendet aus, dass Gesellschaft menschengemacht und historisch gewachsen ist und dadurch immer auch änderbar ist. Dadurch, dass der Status-Quo in Theorien gegossen und damit das Bestehende zementiert wird, wird die Wissenschaft ihrem Gesellschaftsbezug und der damit einhergehenden Verantwortung für eine sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung nicht gerecht. Bezieht man dies mit ein, so hebt sich auch die vermeintliche Trennung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissenschaft und Politik auf. Statt beim Bestehenden verhaftet zu bleiben, muss die Möglichkeit geschaffen werden, Neues zu denken. Dafür müssen konkrete Fragestellungen, die sich aus der Gesellschaft heraus entwickeln, als Beitrag zur Problemlösung wissenschaftlich gefasst werden. So ist es z.B. sinnvoll, aus aktuellen Anlässen wie der Situation der Geflüchteten aus der sogenannten Lampedusa-Gruppe, diese Problematik in einer interdisziplinären Herangehensweise zu analysieren und daraus konkrete Handlungen abzuleiten, wie dies kürzlich am Fachbereich Sozialökonomie ausgehend von einer Gruppe Studierender im Rahmen einer Vorlesung geschehen ist. Dafür kommt es auf das kritische Eingreifen eines jeden Einzelnen an. Das fängt schon damit an, in Vorlesungen und Seminaren unangenehme Fragen zu stellen, sich selbstbewusst und kritisch zu positionieren, statt Bedenken und Zweifel am Vorgetragenen herunterzuschlucken oder als unwissenschaftlich und naiv abstempeln zu lassen.

Okt 242013
 

Ein Artikel aus unserer frisch veröffentlichten Semesteranfangsbroschüre:

‘Objektivität’, ‘Werturteilsfreiheit’ und ‘Neutralität’, sind Begriffe, welche die allermeisten stark mit ‘Wissenschaftlichkeit’ und ‘Seriosität’ in Verbindung bringen und die scheinbar den direkten Gegenpart zu ‘subjektiven’ oder ‘politischen’ Meinungsäußerungen darstellen, da letztere weder theoretisch noch methodisch fundiert und somit jeglicher Nachvollziehbarkeit und Überprüfung entzogen seien. Dieses allgemein verbreitete Verständnis von Wissenschaft beruht auf der Entmystifizierung der Welt durch die Epoche der Aufklärung und der damit einhergehenden Ablösung religiöser Deutungsmuster durch die systematische Erforschung der grundlegenden Gesetze der Natur. Dabei wurden unermüdlich durch Beobachtung Daten und Fakten gesammelt, systematisiert, in eine begriffliche Ordnung gebracht, vereinheitlicht und in ein umfassendes Theoriegerüst eingebettet.

Aus dieser Zeit stammen auch die Methoden und Kriterien, welche noch heute das traditionell naturwissenschaftlich geprägte Ideal von Wissenschaftlichkeit ausmachen. So wird Wissenschaft als neutrale Beschreibung des Bestehenden, des Ist-Zustandes verstanden (Positivismus), welche einen Selbstzweck erfülle (Wissen wird um des Wissens willen angehäuft) und mit der Gesellschaft und der Frage danach, wie diese zu einer anderen, besseren werde, einem möglichen Soll-Zustand (Normativität), nichts am Hut habe. Ein solch bürgerliches Wissenschaftsverständnis findet seine Zuspitzung in den berühmten Äußerungen der mittlerweile verstorbenen Margaret Thatcher: There is no alternative, womit sie ihre neoliberale Politik als alternativlos – weil durch scheinbar wissenschaftliche Sachzwänge statt durch die Interessen bestimmter gesellschaftlicher Klassen und damit letztlich durch Menschenhand bestimmt – darstellte: There is no such thing as society.

Ein solches Wissenschaftsverständnis beruht auch auf einer vermeintlichen Trennung von Wissenschaft und Politik, welche beispielsweise Ökonom*Innen regelmäßig zu der Aussage verleitet, die Frage nach Gerechtigkeit sei nicht ihre Aufgabe, sondern darüber müsse die Politik entscheiden, sie hingegen könnten nur aufzeigen, was effizient sei. Dadurch, dass der Status-Quo in Theorien gegossen und damit das Bestehende zementiert wird, wird die Wissenschaft ihrem Gesellschaftsbezugund der damit einhergehenden Verantwortung für eine sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung nicht gerecht. Dies ist besonders problematisch, da die Feststellung des Ist-Zustandes ohne der Frage nach den dahinterstehenden historischen Entwicklungen und konflikthaften, gesellschaftlichen Prozessen ausblendet, dass Gesellschaft immer menschengemacht und daher auch änderbar ist. Wissenschaft bedeutet eben nicht, von der Gesellschaft abgewandt und distanziert über diese zu sinnieren, sie bedeutet demokratische Gesellschaftsaneignung durch Kritik und ist selbst ein bedeutender Teil ebendieser:  Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern (Karl Marx, 11. These über Feuerbach (1845), MEW 3, S. 7). Statt beim Bestehenden verhaftet zu bleiben, muss sie die Möglichkeit schaffen, Neues zu denken und zu realisieren, denn in allem was die Wissenschaft als Betrachtungsobjekt hat, finden sich Spuren des Vergangenen, da es Geschichte hat, und Zeichen des Zukünftigen, da es Zukunft hat. Gesellschaft gibt es eben doch und damit auch Alternativen.

Dafür müssen Fragestellungen, die sich konkret aus der Gesellschaft heraus entwickeln, problemlösungsorientiert behandelt werden. Durch Inter- und Transdisziplinäre Forschung und Lehre, sowie durch methoden- und fächerübergreifende Kooperation, welche die künstlich geschaffenen Grenzen der Disziplinen und die Konkurrenz zwischen diesen aufheben und die scharfe Trennung zwischen Wissenschaft und Politik durch eine kritische Positionierung innerhalb der Gesellschaft und beständige Reflexion des eigenen Gesellschaftsbezugs ablösen. Wissenschaft selbst schließlich ist ein gesellschaftlicher Prozess, der durch die jeweiligen Verhältnisse – wie auch der/die Forschende immer schon allein bei der Auswahl der Forschungsthemen durch Werturteile und subjektive Perspektiven – geprägt ist.

Wenn also Forschungssubjekt und -objekt nicht voneinander zu trennen sind, so ist auch keine absolute Objektivität oder Werturteilsfreiheit möglich. Statt sich durch diese Vorstellung in seinem eigenen Horizont zu beschränken, geht es bei kritischer Wissenschaft darum, die gesellschaftliche Ordnung grundsätzlich in Frage zu stellen und die Möglichkeiten einer grundlegenden Veränderung dieser Welt durch vernünftiges und emanzipatorisches Handeln der Menschen aufzuzeigen. Alles andere zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es wissenschaftlich korrekt ist, sondern nur durch politische Konformität zur aktuellen Gesellschaftslage. Dann verkommt Wissenschaft zur Legitimationsgrundlage der herrschenden Verhältnisse. Eine Funktion, die damals wie heute Religion übernommen hatte oder hat bzw. dafür herhalten musste oder muss: Königtum von Gottes Gnaden.

Darüber hinaus gilt es auch zu berücksichtigen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse immer gesellschaftliche Anwendung finden und daher die Frage ist, in wessen Interesse diese umgesetzt und genutzt werden. Mit der Behauptung, ihr Bemühen um Wahrheit sei zweckfrei, […] lieferte [die Universität] die Ergebnisse dieses zweckfreien Strebens an beliebige Zwecke aus. (SDS Hochschuldenkschrift (1961), S. 2) So ist heute eine immer stärkere Anpassung an Markterfordernisse und eine Verwertungsorientierung der Wissenschaft auf Kapital und Profit zu beobachten. So können beispielsweise die Erkenntnisse der durch Freud entdeckten Psychoanalyse einer Bewusstseinsschaffung eigener, bis dahin unbewusster  Handlungsmotive und damit einer Verfügungserweiterung des Ichs durch mehr Selbstreflexion dienlich sein. Sie können aber auch, wie durch den Begründer der Public Relations (PR) und Neffen Freuds Edward Bernays dafür missbraucht werden, die Massen über ein bewusstes Ansprechen ihrer Triebe statt der Vernunft zu steuern und damit das genaue Gegenteil von Verfügungserweiterung und Aufklärung bewirken: The conscious and intelligent manipulation of the organized habits and opinions of the masses is an important element in democratic society. (…) If we understand the mechanism and motives of the group mind, is it not possible to control and regiment the masses according to our will without them knowing it? (Edward L. Bernays, Propaganda (1923), S. 9 und S. 47)

Der zunehmenden Ökonomisierung der Hochschulen, welche sich in struktureller Unterfinanzierung durch die öffentliche Hand einerseits und durch verstärkte Drittmitteleinwerbung und die Konkurrenz um Gelder innerhalb der Hochschulen andererseits ausdrückt, ist entgegenzuwirken. Den Missbrauch von Wissenschaft gilt es zu verhindern. Stattdessen müssen die Erkenntnisse in den Dienst aller gestellt und der Mensch wieder in den Mittelpunkt von Forschung und Lehre gerückt werden. Entscheidend ist dafür auch eine demokratische Verfasstheit der Hochschulen, was aktuell wieder in den Auseinandersetzungen über die Novelle des Hamburgischen Hochschulgesetzes zu erkämpfen ist. Kritische Wissenschaft fängt schon damit an, in Vorlesungen und Seminaren unangenehme Fragen zu stellen, sich selbstbewusst und kritisch zu positionieren, statt Bedenken und Zweifel am Vorgetragenen herunterzuschlucken oder als unwissenschaftlich und naiv abstempeln zu lassen.

Okt 022013
 

 

Herzlich Willkommen im neuen Semester!

Pünktlichst zum Start in die Vorlesungszeit haben wir für euch eine Semesteranfangsbroschüre erstellt, die sowohl für Erstis als auch für höhere Semester einen guten (Wieder-)Einstieg in die aktuellen Auseinandersetzungen in, an und um die Uni ermöglichen soll.

Als Studierende sind wir Teil einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, in abhängig Beschäftigte und unabhängige Produktionsmitteleigen-tümerInnen. Die Legitimation dieser Spaltung kommt bisweilen aus den Universitäten, anstatt dass diese öffentlich finanzierte wissenschaftliche Institution die großen gesellschaftlichen Fragen beantwortet und Alternativen sowie Lösungsansätze erarbeitet.

Dies werden wir gemeinsam ändern!

Die Broschüre könnt ihr euch hier als PDF herunterladen oder ab nächster Woche im Freiraum eures Vertrauens finden.

Inhaltsverzeichnis

S. 3    Studierendenbewegung und Verfasste Studierendenschaft
S. 3    Strukturen an der Uni
S. 6    Vom Zusammenhang zwischen Bologna, der Studienreform und der Überwindung des Neoliberalismus
S. 10  Was ist Kritische Wissenschaft?
S. 14  Vom Sein oder Nichtsein eines AStA
S. 16  Lampedusa in Hamburg – United we stand

 

Termine und Schwerpunkt unserer Treffen

SDS*-Treffen finden immer montags um 18.30 Uhr im ESA W Freiraum statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Auf jedem zweiten Treffen gibt es abwechselnd einen Input oder eine Textdiskussion (Texte sind spätestens eine Woche vor dem Termin auf unserer Internetseite zu finden) zu einem bestimmten Thema – hier eine Übersicht über unsere Treffen:

14.10.   Semesterauftaktplenum
21.10.  Hochschulpolitik als Gesellschaftspolitik
28.10. Plenum
04.11.  Erfahrungsbericht zur politischen Lage in Griechenland
11.11.   Aktueller Stand zu den Auseinandersetzung zur Novellierung des Hamburgischen Hochschulgesetzes
18.11.  Bürgerkrieg in Syrien – wie stehen die Chancen für eine friedliche Entwicklung?
25.11.  Plenum
02.12. Entfremdungsbegriff bei Marx und die Bedeutung für Heute – Textdiskussion
09.12. Plenum
16.12.  Film und Diskussion zum Thema: 1968 – Bedeutung der Studentenbewegung damals und heute
07.01. Plenum
13.01.  Marxistische Krisentheorie zur Einschätzung der aktuellen Verfasstheit des Kapitalismus – Textdiskussion
20.01. Plenum
27.01.  Traditionelle versus Kritische Wissenschaft in Zeiten der Krise – Textdiskussion
03.02. Plenum
10.02.  Die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitsbegriff zur Einschätzung aktueller Verhältnisse – Textdiskussion

 

Dez 122012
 

Was ist das? Wofür und wogegen setzen wir uns warum in der Studierendenschaft (im AStA und Studierendenparlament) und in der Uni ein? Welches Verständis von Wissenschaft vertreten wir? Den Versuch einer kurzen Definition lest ihr hier:

Der Formalismus der Mainstreamwissenschaften beschränkt sich absichtlich darauf, die Realität einfach nur zu beschreiben und überlässt das Eingreifen dann „der Politik“. Das vermeintlich neutrale Messen, Prüfen und Systematisieren von Daten trägt affirmativ dazu bei, dass die derzeitigen Verhältnisse weiter existieren können. In diesem Wissenschaftsverständnis wird nicht davon ausgegangen, dass die Gesellschaft ein sich selbst veränderndes Forschungsobjekt ist.

Wissenschaft ist aber immer Teil von Gesellschaft, weshalb kritische Wissenschaft dies auch explizit berücksichtigen muss. Wissenschaft ist notwendigerweise Werturteilen unterworfen und wird erst durch die Reflexion ihrer Ziele, Methoden, sozio-ökonomischen Bedingungen und der eigenen Geschichte zu wirklicher Wissenschaft.

 Es ist ihre gesellschaftliche Aufgabe, als sich ausdrücklich politisch verstehende Wissenschaft, den Sinn des Bestehenden anzuzweifeln, Alternativen zu den derzeitigen Verhältnissen zu entwickeln und aktiv in die Prozesse der Gesellschaft einzugreifen. Sie muss aufzeigen, dass die derzeitigen Verhältnisse nicht natürlich sind, sondern durch und durch historisch, also von Menschen gemacht. Darüber hinaus muss herausgearbeitet werden, dass alles auch ganz anders sein könnte und gemessen an dem, was unter den gegebenen Bedingungen möglich ist, sein müsste.

 So kann eine kritische VWL z.B. aufzeigen, dass die derzeitige systemimmanente Krisenanalyse Teil des Problems ist und die beschriebene affirmative Neutralität der Mainstream-VWL mit in die Krise geführt hat. Kritische Medizin kann die gesellschaftlichen Ursachen von Krankheiten erforschen und bekämpfen statt immer ausgefeiltere Methoden zur bloßen Symptombekämpfung zu entwickeln, um die Patient*Innen funktionsfähig zu halten. Und Kritische Geschichtswissenschaft kann beispielsweise explizit auf verschleierte Teile der deutschen Geschichtsschreibung hinweisen. Sie kann den Finger in die Wunde legen und so zu einer Aufarbeitung beitragen, die Auswirkungen hat auf das Hier und Jetzt. Im Fall der Nazikontinuitäten des Verfassungsschutzes und der damit einhergehenden strukturellen Blindheit auf dem rechten Auge hätte dies Leben retten können und ist deshalb jetzt umso dringender.

All diese komplexen Problemstellungen sind nur in inter- oder transdisziplinären Forschungssettings angemessen zu beantworten und schreien geradezu nach neuen Perspektiven und Lösungen, die auch nur durch einen inhärenten Zweifel an bestehenden Antworten entstehen können.

Diese oben beschriebenen Ziele können die Wissenschaften in ihrer derzeitigen Verhaftung in gegenseitiger Konkurrenz – um Gelder, um Ansehen und Größe oder gar Macht – leider nicht ausreichend leisten. Deswegen machen wir uns immer und überall für den beschriebenen Wissenschaftsbegriff stark. Zudem gilt es, progressive Bündnispartner*Innen innerhalb der Uni, die marginalisiert weiterhin einen kritischen Wissenschaftsansatz verfolgen, zu unterstützen. Mit der Schaffung eines Referats für Kritische Wissenschaft im AStA haben wir uns unter anderem dafür eingesetzt und stellen für das Referat einen Referenten. Durch die Unterstützung von studentischen Initiativen, die Organisation von Veranstaltungen Politischer Bildung und die hochschulpolitische Einflußnahme auf wissenschaftliche Prozesse versuchen wir, unsere Vorstellung von Kritischer Wissenschaft auch in der Uni und der Gesellschaft zu verankern. Eine kritische Wissenschaft hat Bedeutung für alle Menschen, denn sie rückt diesen wieder in den Mittelpunkt.

Wissenschaft ist kritisch oder sie ist nicht!

Dez 012011
 

liste 19 sds universität hamburg


Für einen politischen AStA
Wir wollen nicht Studis bei der Wohungssuche behilflich sein und gleichzeitig zur Wohnungsnot schweigen, wollen nicht Menschen ohne deutschen Pass bei Formalitäten beraten und gleichzeitig systematische ausländerfeindliche Diskriminierungen ignorieren, wollen nicht zusehen, wie die psychologische Beratung immer mehr genutzt wird und die Ursachen, wie Konkurrenz- und Leistungsdruck, unhinterfragt lassen. Für einen politischen AStA – für eine echte studentische Interessenvertretung

Wer wir sind
Wir sind Studierende, die politisch wirken wollen, deswegen haben wir uns in der Hochschulgruppe SDS (Sozialistisch-Demokratischer-Studierendenverband) zusammengeschlossen. Die Hochschulgruppe ist Mitglied im Bundesverband Die Linke.SDS. In der Uni sind wir in verschiedenen Bündnissen, Fachschaftsräten und Gremien aktiv. In aktuellen Auseinandersetzungen engagieren wir uns, wie im letzten Semester beim Protest “Kampf um die Zukunft” gegen die Kürzungen. Mit Aktionen auf dem Campus und in der Stadt haben wir den Protest kritisch solidarisch begleitet. Auch über den Campus hinaus engagieren wir uns in Bündnissen und beteiligen uns an sozialen Kämpfen. Wir organisieren verschiedene Info- und Diskussionsveranstaltungen zu Auseinandersetzungen, in die wir uns aktiv einbringen, z.B. zum Castortransport, Naziaufmarsch in Dresden oder zur Zusammenarbeit zwischen Ausländerbehörde und UKE. Wir sind auch Teil des Studi-Bündnisses, das an den Hochschulen zur Demo “Mietenwahnsinn stoppen – Wohnraum vergesellschaften” vom Recht auf Stadt Netzwerk mobilisiert hat. Wir wollen uns nicht zu Bachelor-Robotern im Hamsterrad machen lassen, deshalb gemeinsam solidarisch für Veränderungen!

Bildung für Alle
Bildung muss allen Menschen offen stehen. Wir kämpfen gegen Selektionsschranken in Form von unterschiedlichen Schultypen, Prüfungen, Noten, Zulassungsbeschränkungen und Studiengebühren (auch versteckt in Form der Semesterbeiträge). Mit der erkämpften Abschaffung der Studiengebühren wird eine Schranke zerschlagen. Wir sind bekräftigt in unserem Kampf für freie, solidarische Bildung für alle. Deswegen weiter zu den nächsten Schritten: Hochschulzugang für Menschen ohne Abitur nach dem Vorbild der (Ex-)HWP! Masterplätze für alle, aber nicht auf Kosten anderer Studienplätze und Fächer!

Selbstbestimmtes, solidarisches Lernen
Dem System der Konkurrenz, durch Lerndruck, Prüfungszwang und Noten wollen wir ein System der Solidarität entgegensetzen. Bildung kann und darf nicht isoliert stattfinden, sondern in Interaktion mit anderen und in freiwilliger Kooperation. Dafür wollen wir als erste Schritte den Anwesenheitszwang und die Modulfristen abschaffen, sowie die Regelstudienzeit auf mindestens 8 Semester im Bachelor verlängern. Gleichzeitig wollen wir uns gemeinsam bilden und reflektieren um Solidarität im bestehenden Konkurrenzkampf zu leben. Langfristig kämpfen wir für die Überwindung des BaMa-Systems – Leistungsdruck und Konkurrenz abschaffen!

Demokratisierung
Eine Universität ist zum Glück kein Unternehmen, das dem Ziel der Gewinnmaximierung unterworfen ist. Statt dem derzeitigen hierarchischen Top-Down-System besteht mit der anstehenden Novellierung des Hamburger Hochschulgesetzes (HmbHG) die Möglichkeit eine grundlegende Redemokratisierung gesetzlich zu verankern und zu einer wirklichen Gremienuni zu kommen. Zunächst muss der Hochschulrat als entscheidendes Gremium abgeschafft werden. Wir wollen studentische Beteiligung in Gremien ausbauen und fördern.

Kritische Wissenschaft
Die Uni hat eine gesellschaftliche Aufgabe. Indem Wissenschaft ihre eigenen Bedingungen reflektiert, wird sie zur Gesellschaftskritik. Die Universität kann nicht als eigener Bereich angesehen werden, sie wirkt in die Gesellschaft, sowie die Gesellschaft in die Universität hineinwirkt. Um kritische Haltungen entwickeln zu können ist eine Liberalisierung der starren Studienstruktur des BA/MA-Systems dringend notwendig. Ebenso muss die Universität bedarfsgerecht ausfinanziert werden, damit sie frei von ökonomischen Interessen z.B. durch Drittmittel bleibt. Die Interdisziplinarität und der Austausch zwischen den Fachbereichen muss gefördert werden.

Antidiskriminierung
Wir lassen uns nicht spalten und schon gar nicht in die Kategorien Herkunft, Pass, Geschlecht oder religiösen Background. Wir lassen nicht zu, dass diejenigen, die es schwer haben, gegen diejenigen aufgehetzt werden, die es noch schwerer haben. Wir gehen an der Uni gegen Diskriminierung vor. Im letzten Jahr haben wir an dem Wochenendseminar  “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen” über antimuslimischen Rassismus mitgewirkt, dieses Jahr wollen wir uns stärker mit feministischen Kämpfen auseinandersetzen. Die Stärkung der teilautonomen Referate im AStA und die Einrichtung eines teilautonomen Frauenreferates sind Ziele für unsere parlamentarische Arbeit. Antifaschistische Arbeit am Campus, unter anderem gegen Burschenschaften, wollen wir im AStA verankern und stärken. Im letzten Semester haben wir mit einem Antrag “Extremismusklausel stoppen – Proteste am Rauhen Haus unterstützen” die Auseinandersetzung ins StuPa getragen und somit erreicht, dass der Protest “Extremismusstudien stoppen” von der Verfassten Studierendenschaft an der Uni Hamburg unterstützt wird.

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