Jun 292014
 

Gerade finden an der Uni Hamburg die Wahlen zum Fakultätsrat statt. Wir möchten euch dazu auffordern, euch zu beteiligen. In allen Fakultäten habt ihr die Möglichkeit, bis zum 4. Juli eure Stimme per Brief abzugeben.

In allen Bereichen außer der BWL kandidieren kritische Fachschaftsaktive, die relativ eng zusammenarbeiten für eine grundlegende Demokratisierung der Universität und für die Ermöglichung emanzipatorischer Bildung durch kritische Wissenschaft. Zuletzt bei der Auseinandersetung um das HmbHG führte diese Kooperation zu einer weitreichenden und einhelligen Positionierung der Universität: http://fsrk.de/demokratie.html

Zu den Fakultätsräten kandidieren im einzelnen:

Fakultät für Rechtswissenschaft
Liste 2: „Kritische Jurastudierende“
hier
eine Gegenkandidatur

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
WB 1 Fachbereich Sozialökonomie
Liste 1: „WiSo.zialökonomie – Für Interdisziplinarität und Kritische Wissenschaft“
ohne Gegenkandidatur

WB 2 Fachbereich Sozialwissenschaften
Liste 1: „Liste für Solidarität und (Re-) Demokratisierung“
ohne Gegenkandidatur

WB 3 Fachbereich VWL
Liste 1: „Liste Plurale Ökonomik“
hier
eine Gegenkandidatur

Fakultät für Medizin
Liste 1: „Kritische Mediziner“
hier
eine Gegenkandidatur

Fakultät für Erziehungswissenschaft
Liste 2: „Für demokratische und kritische Wissenschaft“
hier
eine Gegenkandidatur

Fakultät für Geisteswissenschaften
Liste 1: „Kritische Fachschaftsaktive in der Fakultät für Geisteswissenschaften – demokratisch, sozial, emanzipatorisch“
(Programm folgt)
ohne Gegenkandidatur

Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften
Liste 3: „Kritische MIN-Studierende“
hier
zwei Gegenkandidaturen

Fakultät für Psychologie und Bewegungswissenschaft
Liste 1: „FSR Psychologie & Bewegungswissenschaft“
ohne Gegenkandidatur

Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
* leider nur eine brave Kandidatur

Jul 152013
 

Quelle: BAE-Flugblatt “Neoliberalismus als Neurose”, http://bae-hamburg.de/artikel_145.html

Die Ergebnisse aller Mitgliedergruppen und die jeweils Gewählten findet ihr hier.

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Seit Montag, den 8. Juni 2013 stehen die Ergebnisse der diesjährigen Wahl zum Fakultätsrat fest. Zwölf von 19 Sitzen der studentischen Vertretung gingen dabei an kritisch-progressive Listen. Die den derzeitigen “Nicht-AStA” maßgeblich bestimmenden Listen RCDS (CDU-Hochschulgruppe) und LHG (FDP-Hochschulgruppe) haben in jeder Fakultät, in der sie angetreten sind, das schlechteste aller Ergebnisse eingefahren.

Besonders erfreulich ist das Ergebnis in der WiSo-Fakultät, in der alle drei Sitze errungen werden konnten. Gerade angesichts der nun vom Akademischen Senat beschlossenen Grundsatzentscheidung, die BWL aus der Fakultät lösen und eine eigene Fakultät werden zu lassen, müssen besonders die Studierenden organisiert den Standpunkt einer Universität als Republik vertreten, die nur kooperativ funktioniert. Die von (einigen) BWL-Professuren gewünschte Isolierung von den Sozialwissenschaften und der Realität ist in der jetzigen multidimensionalen Krise der kapitalistischen Gesellschaft geradezu wahnsinnig. In der neu zu schaffenden Business-School soll es dann nur noch um die Erarbeitung und Vermittlung von Techniken gehen, wie aus Geld möglichst viel Geld gemacht werden kann (ganz so als hätte uns diese Orientierung auf Profitmaximierung nicht in die jetzige Krise geführt), statt sich zu überlegen, wie eine gesellschaftlich verantwortliche und vor allem demokratische Organisation von Produktionseinrichtungen funktionieren kann.

Im Rechtshaus sicherten sich die Kritischen Jurastudierenden gleich zwei Sitze und können somit weiter an der von ihnen angestoßenen Erarbeitung eines Leitbildes für die Fakultät mitarbeiten sowie für eine viel stärkere Einbettung des Rechtssystems in soziale, kulturelle und vor allem ökonomische Zusammenhänge wirken, sodass verständlich wird, dass Recht und Gesetz stets das Ergebnis einer historisch-spezifischen Gesellschaftsordnung sind und damit ebenso von Menschen gemacht wie die gesamte Geschichte.

In der Medizin, wo das Ordinarientum noch nicht ganz überwunden zu sein scheint und die Ökonomisierung und Deformierung der Gesundheitsfürsorge sowie des Studiums zur Ware weiter voranschreitet, zeigt der eine Sitz für die kritischen Mediziner doch auf, dass ein relevanter Teil der Studierenden etwas anderes möchte und das auch vertritt. Auch in der Medizin wird es nun Aufgabe sein, im Fakultätsrat und darüber hinaus den Menschen in seiner Ganzheit als soziales und kulturelles Wesen zu betrachten und damit auch die sozialökonomische Bedingtheit von Gesundheit und Medizin in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür muss auch zentral die Gegenerschaft zum Verwertungsinteresse von Geräte- und Pharmaindustrie aufgenommen werden.

Alles in allem kann man also sagen, dass die Studienreform (Entrestriktionierung und vermehrte Gesellschaftsbezüglichkeit), die ja in Ausschüssen und Fakultätsräten maßgeblichst von den kritischen Fachschaftsaktiven vorangetrieben wurde, auch vom großen Teil der Studierenden wahrgenommen und für gut befunden wird. Jetzt geht es darum, die Zustimmung stärker in Aktivitäten und Organisierung umzuwandeln, z. B. in Fachschaftsräten, Ausschüssen oder eben im Fakultätsrat.

Jun 272013
 

Die nun anstehende Novellierung des Hamburgischen Hochschulgesetzes (kurz: HmbHG) ist von Seiten der Hochschulen erkämpft. Entgegen der unternehmerischen Hochschule mit „Top-Down-Strukturen“ muss innerhalb der Universität eine demokratische Struktur und Kultur entwickelt werden, um kritische Wissenschaft betreiben zu können. Denn die demokratische Struktur und Kultur der Universität ist eine entscheidende Grundlage, um als Hochschule für eine friedliche und soziale Gesellschaft zu wirken.

Durch die 68er-Bewegung wurde gegen die Ordinarienuniversität die Gruppenuniversität erkämpft, in der Uni-Mitglieder sich als gleichberechtigte Subjekte der Wissenschaft begegneten. Mit der Gruppenuni wurde eine rein von Professor*Innen bestimmte Wissenschaft abgelöst. Durch die zunehmende, bewusste Unterfinanzierung des Bildungssystems und der Ausrichtung von Hochschulen an wirtschaftlichen Strukturmodellen sollte an der Uni ein hierarchisches Top-Down-System eingeführt werden, welches nach dem Vorbild eines Unternehmensmanagements funktionieren soll. Die unternehmerische Hochschule ist aber gescheitert! Die gesellschaftliche Verantwortung der Universität kann nur im demokratischen Streit wahrgenommen werden.

Der Referentenentwurf, der nun als erster Entwurf vom Hamburgischen SPD-Senat vorgelegt wurde, versucht in manchen Teilen in die richtige Richtung zu gehen, bricht aber noch nicht mit dem Leitbild der Hochschulen als Unternehmen. Beispielsweise am Hochschulrat wird dies deutlich: Der Hochschulrat, gedacht als Aufsichtsrat der Hochschule, muss zugunsten der demokratischen Entscheidungsfindung innerhalb der Hochschule abgeschafft werden. Der Einfluss der Wirtschaft(svertreter*Innen) auf die Ausrichtung und Gestaltung der Wissenschaft ist zurückzudrängen. Nun soll der Hochschulrat zwar in seinen Entscheidungsbefugnissen eingeschränkt werden, dennoch bestehen bleiben. Da ist um einiges mehr drin!

 Die Grundlage für eine Redemokratisierung kann nun gelegt werden. Gleichzeitig braucht es aber einen kulturellen Wandel. Demokratie kann nicht nur durch formale Niederschrift existieren. Wir fordern ein Gesetzgebungsverfahren mit öffentlichen Anhörungen und ausreichend Zeit für Stellungnahmen aus den Hochschulen und Gewerkschaften.

Am kommenden Montag wollen wir uns bei unserem wöchentlichen SDS*-Treffen den Referentenentwurf vornehmen. Nach einem kurzen Einstiegsreferat zur Historie und aktuellen Lage des HmbHG wollen wir diskutieren, welche Auffassungen wir zu dem Referentenentwurf haben. Alle sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen: Am Montag, 01.07.2013, um 18.30 Uhr im ESA W Freiraum (Erdgeschoss, links).

Für Hochschulen, die demokratisch verfasst sind: Damit gegen die Irrationalität des Marktes die Rationalität des besseren Arguments überall verbreitet werden kann.