Jan 102017
 

„Halt die Deadline ein, so ist’s fein | Hol die Ellenbogen raus, burn dich aus | 24/7, Acht Bis Acht |  Was geht ab, machste schlapp, what the fuck?!“  (Deichkind, Bück dich hoch, 2012)

kritische_wissenschaft_2017Die Ursache für Burnout und Depression (in) der „Leistungsgesellschaft“ ist das Zurückdrängen eines gemeinwohlorientierten Sinns hinter all den Deadlines und Monatskennziffern, ein konkurrenzgetriebenes ‘Rennen ohne Ankommen’ und gefühlte Ausgeliefertheit an unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wir leben in einer verkehrten Welt, in einer Welt der Zweck-Mittel-Verkehrung. Der Zweck unseres Studiums soll nicht etwa im Verstehen der Welt zum Verbessern der Welt bestehen, sondern im „Erwerben“ von Leistungspunkten für unser „Leistungskonto“ nach vorgegebenem Studienplan, um damit später auf dem Arbeitsmarkt etwas anfangen zu können. Der Zweck der Forschung soll anstelle von Gemeinwohlorientierung das „Einwerben“ von Drittmitteln oder das Sammeln von Punkten in der sog. Leistungsorientierten Mittelvergabe sein (Mittel, die erst im Wettbewerb unter  Professor*Innen vergeben werden, wenn diese bestimmte Anforderungen erfüllen). Im Jahr 2012 betrug die Drittmittelquote 28 %  des gesamten Hochschulbudgets. Zum Vergleich: 2003 waren es 19 %.

Die Folge der heutigen Sinnentleerung und Trennung von Forschung und Lehre ist eine Kultur der Entfremdung, die schon die 68er-Bewegung ablehnte: „Zumal wenn Forschen und Lernen auseinandergerissen sind und die Studenten am Forschungsprozeß nicht beteiligt werden, erleben sie ihre Arbeit nur als passiv-konsumtiv, als bloßes Erlernen herausgerissener Momente des Ganzen, nicht aber als eigene Entäußerung, als ‘Aus-sich-heraus’ (Bloch), als aktives Eingreifen in den Wissenschaftsprozeß selbst. Auf der Universität sind persönliche Identifikationen und Beziehungen ersetzt worden durch verdinglichte.“ (Bacia/Geulen, “Wider die Untertanenfabrik”, 1967) Im Zuge der 68er-Bewegung wurde von dieser Kritik ausgehend tendenziell eine Vorstellung von Bildung und Wissenschaft als Grundrecht realisiert, die den Auftrag hatte gesellschaftliche Selbstaufklärung, sowie sozialen, kulturellen und ökologischen Fortschritt anzutreiben.

Der neoliberale Umbau der Hochschulen wurde dementgegen forciert, damit Forschung nicht gesellschaftliche Emanzipation, sondern verwertbaren und affirmativen Output bedeutet. Damit Humankapital ausgebildet wird anstatt dass mündige Persönlichkeiten sich bilden. Die dazu gewählten Mittel: Unterfinanzierung, Managementstrukturen und Wettbewerbsverfahren. Doch der Widerstand dagegen ist weit verbreitet und wächst.

Besonders in Zeiten der aktuellen Krise des Neoliberalismus und den rechts lauernden Hetzer*Innen ist eine  kritische Wissenschaft eine wichtige Stimme der Hoffnung: sie nimmt den Verhältnissen ihren Schein der Natürlichkeit, zeigt Veränderungspotenziale auf und mischt sich in der gesellschaftlichen Gegnerschaft parteiisch ein für „eine Welt des Friedens und der Freiheit“ (Schwur von Buchenwald): „Wissenschaft ist also ein prinzipielles Gegen-den-Strom-Schwimmen, dabei vor allem auch gegen den Strom der eigenen Vorurteile, und in der bürgerlichen Gesellschaft zudem gegen die eigene Tendenz zum Sich-Korrumpieren-Lassen und Klein-Beigeben gegenüber den herrschenden Kräften, denen die Erkenntnisse gegen den Strich gehen, die ihren Herrschaftsanspruch gefährden könnten.“  (Klaus Holzkamp, Forum Kritische Psychologie 12, 1983)

Um mit dieser Orientierung die gesamte Hochschule zu durchwirken und im Studium auch die absurde Trennung von Forschung und Lehre aufzuheben, haben unsere VorkämpferInnen schon für ein gesellschaftlich eingreifendes, forschendes, exemplarisches und interdisziplinäres Lernen gekämpft: das Projektstudium. Das Projektstudium dreht die Zweck-Mittel-Verkehrung um, indem es aktuelle gesellschaftliche Fragen (heute bspw. G20-Gipfel, Situation Geflüchteter oder die Organisation des Gesundheitssystems) zum Ausgangspunkt einer forschend-politischen Arbeit macht. So ist das Ziel nicht eine Prüfungsleistung, sondern kann bspw. die Verhinderung des G20-Gipfels, die Rekommunalisierung der Krankenhäuser oder der Kampf für die Überwindung der Fluchtursachen (Krieg!) und die Realisierung des Grundrechts auf Asyl sein, bzw. der aufklärerische Beitrag zu diesen Bewegungen.

Trauen wir uns also, unserer Ahnung nachzugehen, dass Studium etwas anderes sein muss als die Erfüllung von Anforderungen in der Bachelor-Master-Routine. Deshalb sind wir und viele andere in der Studienreform zur Bildung mündiger Persönlichkeiten aktiv. Trauen wir uns also, tagtäglich aufs Neue aus der Anpassung auszubrechen und die gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen. Statt Veränderung nur zu fordern: Lasst uns selbst die solidarische, eingreifende Alternative sein und unser Ändern leben.

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Dez 092014
 

UmwälzungenMan muss die Welt so sehen, wie sie ist aber muss man sie so lassen?“ – Freundeskreis: Sternstunde (oder die Revolution der Bärte), 1999.

Das UNO-Flüchtlingskommissariat UNHCR meldete im Sommer 2014, dass Ende des Jahres 2013 weltweit über 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen seien. Das ist ein neuer Höchststand seit dem Zweiten Weltkrieg. Neue Schätzungen gaben im März 2014 an, dass von über 23.000 Toten an den EU-Außengrenzen seit dem 1. Januar 2000 ausgegangen werden kann. Der Welternährungsbericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen weist daraufhin, dass die Weltbevölkerung heute problemlos doppelt ernährt werden könnte, während ca. 37.000 Menschen täglich verhungern und fast eine Milliarde Menschen permanent unterernährt sind. Das zeigt uns tagtäglich: Auf dieser Welt herrscht Krieg.

Die Bundesrepublik Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Laut Zwischenbericht der Bundesregierung zu Rüstungsexporten im 1. Halbjahr 2014 ist der Anstieg der Einzelgenehmigungen von Rüstungsexporten in Drittländer (Staaten, die weder in EU noch NATO Mitglied sind) mit 63,5 % so hoch wie nie zuvor. Der Hamburger Hafen ist einer der größten Umschlagplätze von Rüstungsexporten, wie kürzlich kleine Anfragen der Linksfraktion an den Senat erneut belegten. Das zeigt uns tagtäglich: Der Krieg geht für das Profitinteresse – auch von Hamburg – aus.
Die Gegnerschaft ist also deutlich, damit verbunden auch die Perspektive der Veränderung. 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus ist der Hunger der Menschheit auf weltweiten Frieden immer noch ungestillt. 70 Jahre nach dem Ende des Faschismus sind auch 70 Jahre nach dem Potsdamer Abkommen und nach der Gründung der Vereinten Nationen mit ihrer Menschenrechts-Charta. In diesen systemübergreifenden Vereinbarungen zeigt sich der Wille nach Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Bildung für Alle und kulturelle Teilhabe der Menschen. Nun ist der gesellschaftlich produzierte Reichtum auf einem Höchststand, auf dessen Grundlage der nötige weltweite Frieden also möglich ist. Dafür muss der gesellschaftliche Reichtum auch gesellschaftlich verteilt werden. Durch radikale Umverteilung von oben nach unten (u.a. Vermögens- und Unternehmenssteuer), sowie Konversion u.a. von der Rüstungsproduktion, werden Schritte zum Frieden eingeleitet.
Als Teil der progressiven Friedensbewegung wirken wir Uni-Mitglieder mit dem Streiten für eine Zivilklausel, für Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft und für die Ausfinanzierung der Hochschulen auch international dafür. Eine Zivilklausel (auch im Gesetz) ermöglicht den Hochshculen, für die friedliche Entwicklung der Gesellschaft wissenschaftlich tätig zu sein und ist dabei ein Schutz vor dem Zugriff des Rüstungs- und Militärkomplexes auf die Wissenschaft. Friedenswissenschaft statt BWL als Leitwissenschaft setzt auf kooperative Wissenschaftsprozesse, die sich der Lösung von epochal-typischen Schlüsselproblemen annehmen, und überwindet damit die Top-Down-Strukturen der „unternehmerischen Hochschule“. Die Ausfinanzierung der Universität überwindet Drittmittel-Unterwerfung und Konkurrenz um die künstlich verknappten Mittel für die positive Freiheit der Wissenschaft, ihre gesellschaftliche Verantwortung erweitert wahrnehmen zu können. Das schafft Umwälzungen für die friedliche Entwicklung, die mehr ist als die bloße Abwesenheit von Krieg.

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde
Voll Leben und voll Tod ist diese Welt
In Armut und Reichtum grenzenlos
Von Schönheit hell entflammt ist diese Erde
Vom Elend ganz verbrannt ist diese Welt
Doch ihre Zukunft ist herrlich und groß
Freundeskreis: Sternstunde

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Okt 192012
 

Geschichte
Modularisierung, Anwesenheitspflicht, Credit-Points, Bachelor, Master – Alles Begriffe, die heute zentral den Studienalltag von Millionen Studierenden prägen – bis vor einigen Jahren an den Hochschulen aber nicht existierten.
Dieser Artikel möchte euch zeigen, dass der Bologna-Prozess nicht über uns herein gebrochen ist wie ein Gewitter, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung ist, die die Funktionsweise und Logik von Bildung und Wissenschaft fundamental verändert hat. Er ist aber eben auch umkämpft, damals wie heute, und selbstverständlich veränderbar.
Die 68er haben durch ihre Kämpfe gegen die nationalsozialistische Kontinuität an Uni und Staat und für eine Kritische Wissenschaft eine grundlegende Umgestaltung der demokratischen Strukturen an den Hochschulen sowie eine soziale Öffnung des Studiums durchgesetzt. Die Verdoppelung der Studierendenzahl von Mitte der 1970er Jahre bis 1994 wurde allerdings nicht mit einer bedarfsgerechten Aufstockung der Mittel begleitet, sondern die Finanzierung wurde stattdessen eingefroren. Die durch diesen selbst geschaffenen Missstand entstandenen Probleme wurden dann als Argument benutzt, marktförmige Mechanismen im öffentlichen Bildungssystem zu installieren, Drittmittelabhängigkeiten zu erhöhen und die Hochschulen um die künstlich verknappten Mittel konkurrieren zu lassen. So hat sich z.B. das Verhältnis von Grund- zu Drittmitteln in der Forschung von 2:1 im Jahre 1995 auf 0,85 : 1 im Jahr 2008 verschlechtert. (Drittmittel sind Gelder, die nicht aus dem Etat der Hochschulen (Erstmittel) und nicht von staatlichen Stellen bzw. Stiftungen (Zweitmittel) kommen, sondern von Unternehmen oder privaten Geldgeber*Innen)
Dieser wieder erstarkte Marktfundamentalismus, der nach dem Wegfall der „Systemalternative“ 1989 allgegenwärtig war, war auch die treibende Kraft, die Gruppenhochschulen der 68er von der Hochschule als Dienstleistungsunternehmen, das sich im internationalen Wettbewerb beweisen muss, ablösen zu lassen.
Diese gesellschaftliche Entwicklung wurde im Bildungssektor maßgeblich von Akteuren wie dem European Round Table of Industrialists, einer Lobbyorganisation europäischer Großkonzerne, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder dem Centrum für Hochschulentwicklung der Bertelsmann-Stiftung vorangetrieben. Bildung und Wissenschaft wurden als Standortvorteil in der internationalen Konkurrenz verstanden und der Sinn von Unis in der Ausbildung von „Humankapital“ gesehen.
Auf zahlreichen Konferenzen sowohl der Wirtschaft als auch des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung wurde sukzessive dafür geworben, dass u.a. das Studiums unterteilt wird in eine erste Stufe (Bachelor), die die Masse möglichst schnell für einen Beruf qualifizieren soll, und eine zweite Stufe (Master), die zu einer Karriere in Wissenschaft und Forschung befähigen soll.
Bis zur Verabschiedung der Bologna-Erklärung war es aber keinesfalls ein gerader Weg. Während des gesamten Prozesses waren die Reformvorschläge stets umkämpft. So konnte z.B. 1997 durch die bundesweiten „Lucky Streiks“ verhindert werden, dass das vom CDU-Ministerium vorgeschlagene „Credit-Point-System“ mitsamt den Studiengebühren eingeführt wird.
Die Bologna-Erklärung selbst, was oft übersehen wird, sieht keinesfalls zwingend vor, in Bachelor und Master zu unterteilen, sondern spricht stattdessen von zwei Zyklen, die genauso gut Diplom und Promotion hätten bleiben können. Von Modularisierung, Anwesenheitspflicht und Credit-Points steht dort ebensowenig.

Kritik und Möglichkeiten an der Uni Hamburg
Der Bologna-Prozess hat die Hochschulen und das Studium also grundlegend umstrukturiert.
Durch Proteste wie den Bildungsstreik 2009 und der Audimax-Besetzungswelle im Winter 2009/10 wurde die Kritik am Ba/Ma-System und der zunehmenden Neoliberalisierung des Bildungssystems öffentlich stärker wahrgenommen. Auch an der Uni Hamburg hat sich breiter Widerstand formiert, der neben der Kritik des Bestehenden auch aktiv nach positiven Lösungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sucht. Dazu zählt die Konferenz „Schöne neue Bildung?!“, die im Sommer 2010 an der Fakultät für Erziehungswissenschaften, Psychologie und Bewegungswissenschaften stattfand. Auf der Konferenz, die mitgliedergruppenübergreifend organisiert wurde, das heißt von Studis, Uni-Mitarbeiter*Innen und Professor*Innen, wurde sich mit Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit der Frage auseinandergesetzt was Bildung eigentlich für die Gesellschaft bedeutet und was die Uni für eine gesellschaftliche Aufgabe hat. „Wie kann [die Uni also] – gegen den neoliberalen Zeitgeist – weiterhin ihrem Auftrag zur Mitgestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt gerecht werden?“ (Zitat aus dem Buch „Schöne neue Bildung?!“, das im Anschluss der Konferenz im transcript-Verlag erschienen ist)

Die daraus folgende Kritik an der zunehmenden Verschulung und des Konkurrenzdruckaufbaus durch das Ba/Ma-System wurde weiter geschärft und in den Gremien dieser Universität vertreten. Nach längeren Auseinandersetzungen fand dann im April 2012 ein Dies Academicus mit dem Titel: „Bologna 2.0 – Wie wollen wir in Hamburg studieren? an der Uni Hamburg statt. (“Dies Academicus” ist ein Tag, an dem keine Vorlesungen stattfinden und sich stattdessen uniweit mit einem Thema auseinandergesetzt werden kann oder eine Vollversammlung stattfindet)

Da haben wir uniweit zu verschiedenen Teilaspekten des Bologna-Prozess diskutiert und einige Verbesserungen festgeschrieben. Die gilt es jetzt umzusetzen und vor allem weiterzuentwickeln. Auch wenn in den Medien immer öfters propagiert wird, dass der Bologna-Prozess in vielen Teilen gescheitert sei und die Arbeitgeber sich über die unzureichenden Abschlüsse beschweren, es bestehen immer Möglichkeiten des Widerstands und der progressiven Verbesserung! Denn eine grundlegende Studienreform ist dringend notwendig!

Dafür müssen unter anderem folgende Punkte realisiert werden:

1. Module weg! Für die freie Seminarwahl!
Module fassen mehrere Veranstaltungen zu einem sogenannten Baustein zusammen, alle Bausteine aufeinander gestapelt ergeben dann einen Bachelor-Abschluss. Module lassen also keine interessegeleitete Seminarwahl zu, sondern geben vor, welche Veranstaltungen gemeinsam belegt werden müssen. Weiter ist der Lehrinhalt in diesen Modulen festgezurrt und lässt so wenig neu entwickelte Erkenntnisse zu.

2. Anwesenheitszwang weg! Für ein würdiges Miteinander!
Wir sind alle an der Uni, weil wir lernen, lehren und forschen wollen. Die Anwesenheitskontrollen entwürdigen nicht nur die Kontrollierten, sondern ebenso auch die Kontrollierenden. Dass Bildung nur durch Zwang möglich sei, ist ein viel zu veraltetes Bildungsverständnis, das endlich mal für immer und ewig verbannt werden sollte. Für einen kooperativen Umgang muss die Kontrolle weg, also muss der Anwesenheitszwang in allen Veranstaltungen abgeschafft werden.

3. Prüfungen grundlegend überdenken!
6 Klausuren am Ende jedes Semesters? Dazu noch Hausarbeiten? Viele sprechen vom Bulimie-lernen. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Von den unzähligen Mutiple-Choice-Klausuren bleibt nicht viel hängen. Darüber hinaus bleibt es beim nur Auswendiglernen von Bestehendem, anstatt als das kritische Hinterfragen zu verinnerlichen. Die Prüfungssituationen müssen abgeschafft werden zu Gunsten einer kooperativen Vereinbarung zwischen Studis und Lehrenden, wie wann wo und was zu prüfen ist, bei der alle Beteiligten etwas lernen können.

4. Fristen weg! Für ein lebenslanges Studieren
Modulfristen, die festlegen in welchen Zeitrahmen ein Modul belegt und abgeschlossen werden muss, erhöhen den Zeitdruck. Nicht die Erlangung neuer Erkenntnisse und das kritische Hinterfragen des Bestehenden stehen im Mittelpunkt des Studiums, sondern vielmehr das erfolgreiche Bestehen von (Modul-)Prüfungen. Damit sich etwas ändert, müssen als erster Schritt die Fristen abgeschafft werden, damit Studierenden bewusst studieren
können und nicht gehetzt werden.

5. ABK weg! Für eine Verwissenschaftlichung des Studiums!
ABK bedeutet: “Allgemein berufsqualifizierende Kompetenzen”, was das sein soll, weiß auch niemand so genau. Die Studierenden sollen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, auf dem es zu wenig Arbeitsplätze gibt. Wir werden also auf Konkurrenz- und Profilkampf getrimmt. Da wird völlig außen vorgelassen, dass erstens der kapitalistische Arbeitsmarkt ganz schön in der Krise steckt und zweitens die Arbeitswelt nicht immer so bleiben muss, wie sie gearde strukturiert wird. Wir sollten viel mehr diskutieren, wie wir den Arbeitsmarkt verändern und wie die Produktionsmittel in die Hände der Arbeiter*Innen gelangen.
Geht in Eure Fachschaftsräte, organisiert Euch für Verbesserungen, lasst Euch für die Gremienarbeit aufstellen und wählen, bildet und äußert Kritik und positive Veränderungen!

Trotz allem Druck von vielen Seiten: Du musst nicht nach 6 Semester mit Deinem Bachelor-Studium fertig sein. Wir sind es auch nicht. Fachschaftsratarbeit und Gremienarbeit kannst Du Dir beispielsweise bestätigen und Dir beim BAFöG anrechnen lassen: zwei Semester Gremientätigkeit = ein Semester länger BAFöG. Für weitere Tipps und Tricks sprich Deinen Fachschaftsrat an oder komm zu unseren wöchentlichen Treffen.

Weitere Lektüre zu diesem Thema:
✗ Nicole Gohlke/Florian Butollo: „Hochschule im Kapitalismus“, Hamburg, 2012
✗ Informationsbroschüre der FSRK: hier