Dez 082012
 


DAS SDS*-TREFFEN AM 10.12. FÄLLT AUS – kommt stattdessen alle um 18 Uhr in den Raum S 8 in Von-Melle-Park 9 (ehem. HWP)

In Stuttgart steht eine Mehrzweckhalle. Dieser Umstand scheint wie das meiste, was mit Stuttgart zu tun hat, nicht von sonderlicher Relevanz zu sein. Schaut man sich jedoch an, welchen Namen die Halle trägt, nämlich den Namen des von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyers, erhält das ganze eine politische Dimension.

Doch was hat Schleyer eigentlich in seinem Leben gemacht, bevor er von der Roten Armee Fraktion im Zuge des “Deutschen Herbst” ermordet wurde? Vor allem: was hat er vor 1945 gemacht? Die Antwort auf diese Frage scheint von jenen, die das Andenken des “großen Kopfs der Nachkriegszeit” (BILD) hoch halten, nicht gerne gehört zu werden. Stattdessen wird mit hysterischer Empörung reagiert, sobald zaghaft auf den fragwürdigen Umgang der Bundesrepublik mit ihrer Vergangenheit hingewiesen wird, der beispielsweise bei der Benennung von Straßen, Plätzen – und: Mehrzweckhallen – zum Ausdruck kommt.

Theodor W. Adorno bemerkte in seinem bereits 1959 veröffentlichten und bis heute wegweisenden Aufsatz “Was heißt: Aufarbeitung der Vergangenheit”, dass in der Bundesrepublik mit ‘Aufarbeitung der Vergangenheit’ zumeist nicht die im hellen Bewußtsein in Angriff genommene ernstgemeinte Verarbeitung des Vergangenen gemeintist, sondern stets das versuchte Wegwischen jeglicher Erinnerung an die Shoa, die größte industrielle Massenvernichtung der Menschheitsgeschichte, bezeichnet.

Der Historiker Erich Später wird über das Leben Hanns Martin Schleyers referieren, das exemplarisch für eine ganze Generation von NS-Tätern ist, die nach 1945 ungestört in Amt, Würden und Behörden Karriere machen konnten und deren Biographie erahnen lässt, was Adorno mit dem von ihm befürchteten “Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie” meinte.

Erich Später, Vorsitzender der Heinrich-Böll-Stiftung Saarland, veröffentlichte seine Forschungsergebnisse zu Schleyer in dem vielbeachteten Buch “Villa Waigner”: Hanns Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag 1939 – 1945.

Eine Veranstaltung des AStA der Universität Hamburg, in Kooperation mit der DGBJugend Hamburg und der Heinrich-Böll-Stiftung Saarland

Jun 152012
 

Am Donnerstag, den 14.06.2012, fand anlässlich des BILD-Geburtstages der Vortrag “Medienmacht im Kontext gesellschaftlicher Spannungsverhältnisse” von Dietrich Hildebrandt statt. Der Vortrag bietet einen Rückblick in die damalige Situation um die Verhinderung der Auslieferung der BILD-Zeitung 1968 und einen Vergleich zwischen der Rolle und Ausgestaltung der BILD “damals” und “heute”.

Themen waren u.a. die Frage nach der Legitimation von partikularer Gewalt zur Überwindung der allgemeinen Gewalt, die adäquate Aktionsform für gesellschaftliche Veränderung in der heutigen Zeit und die Frage, ob die Medien manipulieren oder nicht eher die Erscheinungsformen der Verhältnisse die wirklichen Verhältnisse verschleiern. Hier findet ihr die komplette Veranstaltungsankündigung.

Vortrag 

Vortrag von Dietrich Hildebrandt

(die kurze Einleitung von schlechter Aufnahmequalität ist gefolgt von dem technisch und qualitativ umso besseren Vortrag)

Diskussion

Diskussion mit Dietrich Hildebrandt

Dietrich Hildebrandt ist heute freier Sozialwissenschaftler. Er war seit 1967 Mitglied im SDS und 1970 AStA-Vorsitzender an der Universität Heidelberg, dort aktiv in der Studentenbewegung und an den Protesten gegen die Auslieferung der BILD-Zeitung beteiligt. 

Jun 052012
 

Wer austeilt muss auch einstecken können

Zum 60-jährigen Bestehen der BILD plant der Springer-Verlag, am 23. Juni 2012 allen 41 Millionen deutschen Haushalten eine BILD zu schicken. Das nehmen wir zum Anlass, uns mit dem Springer-Konzern, seiner Medienmacht und der gesellschaftlichen Funktion und Wirkung auseinanderzusetzen. Verschiedene Protestaktionen anlässlich des BILD-Geburtstags sind schon gelaufen, laufen noch oder sind in Planung. An der Uni Hamburg organisiert der SDS* zwei Veranstaltungen zu dieser Thematik. (siehe rechte Seite)

Die BILD-Zeitung gehört zur Axel Springer AG, einem der einflussreichsten Medienkonzerne Europas, und ist die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland. Sie nimmt also eine wichtige Rolle bei der Meinungsbildung im öffentlichen Diskurs ein. Doch welche Meinungen werden in der BILD und in anderen Medien des Verlages vertreten und welche gesellschaftliche Funktion nehmen sie ein?

Kritik an der BILD-Zeitung wird häufig formuliert, mal fundiert, mal eher oberflächlich. Auf mehreren Ebenen werden in dieser Zeitung Positionen vertreten und salonfähig gemacht, die die bestehenden Verhältnisse mindestens bejahen, reproduzieren bzw. stabilisieren, wenn nicht sogar die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft manifestieren. Beispielsweise die Debatte um die Euro-Krise zeigt, wie die BILD-Redakteur*Innen dazu beitragen, ganze Bevölkerungen gegeneinander aufzuhetzen und unter Anderem die ökonomisch-strukturellen Ungleichheiten auf biologistische oder nationale Eigenschaften zurückführen. Mit diesen Diffamierungen trägt die BILD aktiv zu einem gesellschaftlichen Klima bei, in dem nationalchauvinistische Positionensalonfähig sind.

Wichtig bei der Kritik ist es daher, die Rolle des Axel Springer Verlages, und im Speziellen auch die der BILD-Zeitung, im gesamtgesellschaftlichen Diskurs nicht außer Acht zu lassen und diese kritisch zu diskutieren.


Medienmacht im Kontext gesellschaftlicher Spannungsverhältnisse“

am Do, 14.06.2012, 18.30 Uhr, S27, VMP 9 (HWP) mit Dietrich Hildebrandt

Die Feindschaft zwischen der BILD-Zeitung und der Studentenbewegung der „68er” war groß und beinhaltete z.T. blutige Auseinandersetzungen, Aktionen und breite Kritik am Axel Springer Konzern. Wie war die Lage damals? Wie sah die Berichterstattung der BILD aus? Welche Funktion im öffentlichen Diskurs und in der Gesellschaft nahm die BILD-Zeitung damals ein? Welche Kritik wurde daran formuliert? Die Meinungsmache gegen die Studentenbewegung wurde offensiv betrieben und war ebenso Ausdruck eines gesellschaftlich weit verbreiteten Antikommunismus. Deswegen wollen wir uns mit diesen Fragen anhand eines Input-Referats von Dietrich Hildebrandt auseinandersetzen. Dietrich Hildebrandt ist heute freier Sozialwissenschaftler. Er war seit 1967 Mitglied im SDS und 1970 AStA-Vorsitzender an der Universität Heidelberg, dort sehr aktiv in der Studentenbewegung und an den Protesten gegen die Auslieferung der BILD-Zeitung beteiligt.

FB-Link zum Event: www.facebook.com/events/323691977707934/

Alle gegen BILD“ am Di, 19.06.2012, 20.00 Uhr, S28, VMP 9 (HWP)

mit zwei Aktivist*Innen aus Berlin

Die Kampagne “Alle gegen BILD” ruft dazu auf, im Vorfeld der Zustellung der BILD-Zeitung zu widersprechen. Zum einen soll dadurch der logistische Aufwand für den Springer-Konzern erhöht und die Einnahmen durch Werbeanzeigen gesenkt werden. Zum anderen soll durch diese symbolische Aktion eine neue Debatte über die BILD-Zeitung und den Springer-Verlag sowie generell über die Medienlandschaft angestoßen werden. Bis jetzt haben sich schon über 220.000 Menschen an der Aktion über die Seite der Kampagne: www.alle-gegen-bild.de und über die Seite von campact: www.campact.de/bild/home beteiligt. Ein guter Start um sich wieder mit Kritik an BILD, Axel Springer und Medien zu beschäftigen.

Zur Vorstellung dieser Kampagne und zur Diskussion über die aktuelle Kritik an dieser Tageszeitung und dem zugehörigen Konzern haben wir zwei Aktivist*Innen aus Berlin eingeladen.