Jan 122016
 

Unter diesem Link gibt’s eine Video-Aufzeichnung: hier

1. Wie sie uns gerne hätten…

Peter Licht – Wir sind jung und wir machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitmarkt

Wir sind jung und wir machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und unser berufliches Fortkommen

Wir sind jung und wir machen uns Sorgen denn später wollen wir uns ja auch einmal etwas leisten können momentan da geht’s ja noch weil unsere Ansprüche noch niedrig sind aber später wollen wir uns ja auch mal was gönnen können denn wir wissen wenn man sich erst einmal an einen Lebensstandard gewöhnt hat dann ist es schwierig später wieder mit weniger auszukommen

Chor: Wir machen uns eben Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Und wenn jemand kommt und unsere Situation verschlechtert dann finden wir das nicht gut und machen uns dann wieder Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt das ist alles so ungerecht denn wir haben immer unsere Hausaufgaben gemacht und alle Voraussetzungen erfüllt uns sogar spezialisiert das finden wir nicht gut denn es ist wichtig sich auch mal was leisten zu können damit der Alltag der grau ist dadurch ein bisschen abwechslungsreicher gestaltet werden kann damit wir auch mal die Seele baumeln lassen können wenn das gefährdet ist dann finden wir das nicht gut und sind enttäuscht

Chor

… so sind wir aber nicht.

2. Rainald Grebe – 1968

Liebe Kinder, es gab ein Jahr Das eine Katastrophe war: Neunzehnhundertachtundsechzig! Liebe Kinder, seitdem geht’s abwärts – Die Achtundsechziger sind an Allem schuld!

Vorher waren alle Menschen froh, Alle Menschen waren hetero, Weil Schwulsein ja eine Krankheit war – Und da war keiner krank, Gott sei Dank! Die Achtundsechziger sind an Allem schuld!

Single-Parties gab’s noch keine Die SPD hatte noch Ortsvereine, Die Ehe hielt bis zur Beerdigung Und nicht bis zur Selbstverwirklichung – Die Achtundsechziger sind an allem schuld!

Bei Problemen ging man nicht zum Therapeuten, Man ging in die Kirche oder gleich in die Kneipe! Was ist Yoga, Ying und Yang und der ganze Dreck Gegen ein Halleluja und ein Herrengedeck? – Die Achtundsechziger sind an Allem schuld!

Wir hatten Wohlstand für alle, das Fließband rollte – Arbeit für jeden, der arbeiten wollte Und Arbeit hatte Vati, Mutti blieb zu Haus’, In der Schule ging Gewalt noch vom Lehrer aus!

I: Neunzehnhundertachtundsechzig :I Und da machen die da Revolution, Jetzt machen die da Revolution – Bei Vollbeschäftigung. Ich versteh’s nicht! Ich versteh’s nicht,Ich werd’s auch nie verstehen – So gut wie damals Wird’s uns nie wieder gehen!

Ja gut, alle waren Nazis, das war normal, Onkel Otto war Nazi und die Hildegard – Das war’n normale Leute mit normaler Frisur Und keine ostdeutsche Jugendkultur! – Die Achtundsechziger sind schuld!  Und dann kamen diese Langhaar-Prolos Und spielten ewige Gitarrensolos, Liebe Kinder, Revolutionen Sind schlechte Parties von Wachstumshormonen!

I: Neunzehnhundertachtundsechzig :I Und da machen die da Revolution, Jetzt machen die da Revolution – Bei Vollbeschäftigung. Ich versteh’s nicht! Ich versteh’s nicht! Da steht der neue VW, Ich versteh’s nicht – Der Kühlschrank ist von AEG! Geh doch nach drüben Wenn’s dir hier nicht gefällt! Lass deine Haare flattern Für eine bessere Welt!

3.

Kurt Tucholsky – Ich möchte Student sein

(– »Ich war damals ein blutjunger Referendar –« sagen manche Leute; das haben sie so in den Büchern gelesen … )

Ich war damals gar kein blutjunger Referendar, doch besinne ich mich noch sehr genau, einmal, als das Studium schon vorbei war und die Examensbüffelei und alles, in der Universität gesessen zu haben, zu Füßen eines großen Lehrers, und ich schand sein Kolleg – – schund? schund sein Kolleg. Da ging mir manches auf.

Da verstand ich auf einmal alles, was vorher, noch vor drei Jahren, dunkel gewesen war; da sah ich Zusammenhänge und hörte mit Nutzen und schlief keinen Augenblick; da war ich ein aufmerksamer und brauchbarer Student. Da – als es zu spät war. Und darum möchte ich noch einmal Student sein.

Das Unheil ist, dass wir zwischen dreißig und vierzig keinen Augenblick Atem schöpfen. Das Unheil ist, dass es hopp-hopp geht, bergauf und bergab – und dass doch gerade diese Etappe so ziemlich die letzte ist, in der man noch aufnehmen kann; nachher gibt man nur noch und lebt vom Kapital, denn fünfzigjährige Studenten sind Ausnahmen. Schade ist es.

Halt machen können; einmal aussetzen; resümieren; nachlernen; neu lernen – es sind ja nicht nur die Schulweisheiten, die wir vergessen haben, was nicht bedauerlich ist, wenn wir nur die Denkmethoden behalten haben – wir laufen Gefahr, langsam zurückzubleiben … aber es ist nicht nur des Radios und des Autos wegen, dass ich Student sein möchte.

Ich möchte Student sein, um mir einmal an Hand einer Wissenschaft langsam klarzumachen, wie das so ist im menschlichen Leben. Denn was das geschlossene Weltbild anlangt, das uns in der Jugend versagt geblieben ist – »dazu komme ich nicht« sagen die Leute in den großen Städten gern, und da haben sie sehr recht. Und bleiben ewig draußen, die Zaungäste.

Wie schön aber müßte es sein, mit gesammelter Kraft und mit der ganzen Macht der Erfahrung zu studieren! Sich auf eine Denkaufgabe zu konzentrieren! Nicht von vorn anzufangen, sondern wirklich fortzufahren; eine Bahn zu befahren und nicht zwanzig; ein Ding zu tun und nicht dreiunddreißig. Niemand von uns scheint Zeit zu haben, und doch sollte man sie sich nehmen. Wenige haben dazu das Geld. Und wir laufen nur so schnell, weil sie uns stoßen, und manche auch, weil sie Angst haben, still zu stehen, aus Furcht, sie könnten in der Rast zusammenklappen –

–  Student mit dreißig Jahren … auch dies wäre Tun und Arbeit und Kraft und Erfolg – nur nicht so schnell greifbar, nicht auf dem Teller, gleich, sofort, geschwind … Mit welchem Resultat könnte man studieren, wenn man nicht es mehr müßte! Wenn man es will! Wenn die Lehre durch weitgeöffnete Flügeltüren einzieht, anstatt durch widerwillig eingeklemmte Türchen, wie so oft in der Jugend!

Man muß nicht alles wissen … »Bemiß deine Lebenszeit«, sagt Seneca, »für so vieles reicht sie nicht.« Und er spricht von Dingen, die man vergessen sollte, wenn man sie je gewußt hat. Aber von denen rede ich nicht. Sondern von der Lust des Lernens, das uns versagt ist, weil wir lehren sollen, ewig lehren; geben, wo wir noch nehmen möchten; am Ladentisch drängen sich die Leute, und ängstlich sieht die gute Kaufmannsfrau auf die Hintertür, wo denn der Lieferant bleibt … ! Ja, wo bleibt er –?

Ich möchte Student sein. Aber wenn ich freilich daran denke, unter wie vielen ›Ringen‹ und Original-Deutschen Studentenschaften ich dann zu wählen hätte, dann möchte ich es lieber nicht sein. Ad exercitium vitae parati estisne –? Sumus. [Seid Ihr nicht bereit das Leben zu studieren – ? Ja, sind wir.]

In diesem Sinne: wählt zum Studierendenparlament (bis Fr, 15.01.16, 18 Uhr) und Akademischen Senat (bis Mo, 18.01.16, 14 Uhr per Brief) aber vor allem: wählt selbst aktiv zu werden!

Apr 162015
 

Bildschirmfoto vom 2015-04-16 16:53:12Die 1968er-Bewegung hat gesamtgesellschaftlich gegen den „Muff von 1000 Jahren“ revoltiert und dadurch ordentlich Staub aufgewirbelt. Die Aufarbeitung der triefenden Nazi-Kontinuitäten an den Universitäten, der antiimperialistische Kampf für Frieden in aller Welt (gegen den Vietnam-Krieg), die marxistische Neubestimmung der Wissenschaft und eine neue Kultur politischer Praxis formten eine Einheit als Selbstbefreiung des Menschen.

Das zentrale Kampffeld dafür bildeten Wissenschaft und Hochschule, die zur Kritischen Universität transfomiert werden sollte:

Die ‘Kritische Universität’ ist die Rückbesinnung auf den ursprünglichen Inhalt von Wissenschaft als Prozeß der Selbstbefreiung des Menschen durch Aufklärung. Die gesellschaftliche Situation und ihre Möglichkeiten sollen analysiert werden, immer unter dem Aspekt der Veränderbarkeit in Richtung auf die Vermenschlichung der Gesellschaft. Dieser ursprüngliche Inhalt von Wissenschaft ist identisch mit dem Begriff der Demokratie“ (Rudi Dutschke, Stern-Interview vom 26.11.1967)

Darin eingebettet wurde Politik nicht als etwas Abstraktes oder in erster Linie für andere zu Tuendes praktiziert. Rudi Dutschke war klar, „daß auch die Erzieher erzogen werden müssen und daß dieses nur durch ein Zusammenfallen von Selbstveränderung und Ändern der gesellschaftlichen Umstände, durch revolutionäre Praxis vonstatten gehen kann. Entsprechend verstand er den Sozialismus »nicht als Mythos der Ferne oder der Vergangenheit«, wie er einmal schrieb, »sondern als konkret-utopische Perspektive der neuen Lebensqualität«, als »aufrechten Gang in Richtung Freiheit«.“ (Christoph Jünke in der Jungen Welt vom 11.04.1998)

Die von den ’68ern radikal demokratisierten Hochschulen und die tendenziell gesellschaftskritische Wissenschaft ist im Zuge des Neoliberalismus massiv den Interessen der verwertungsorientierten Wirtschaft unterworfen worden. Unter dem Schlagwort „Unternehmerische Hochschule“ ist u.a. die Wissenschaftsfinanzierung durch Drittmittel auf heute über 25 % der Gesamtfinanzierung der Hochschulen und ihrer Forschung gestiegen, die Bottum-Up-Gremienstruktur von Management-Elementen zurückgedrängt und das Studieren zur Kreditpunktejagd degradiert worden. Eine Erscheinung dieser Entwicklung ist die Wiedereinführung von Professorien (früher: Ordinarien) als ständisches Entscheidungsgremium quer zu den demokratischen Strukturen, in die sich der Präsident einlädt, wenn es um wirklich wichtige Fragen gehen soll.

Weil Markt und Autoritarismus wissenschafts- und emanzipationsfeindlich sind, war die neoliberale Zurücknahme der 68er-Erfolge hart umkämpft. Im Kontext der so erreichten allgemeinen Delegitimierung des „entfesselten Marktes“, spätestens durch die Vertiefung der jüngsten Krise, sind wir dabei, die ideologisch erschöpfte „Unternehmerische Hochschule“ zu überwinden. Durch die Neubelebung von „Wissenschaft als Moment der Selbstbefreiung des Menschen von unbegriffenen Mächten“ (Dutschke) in der Studienreform, der (Re)Demokratisierung und dem Kampf für die Ausfinanzierung der Hochschulen. Dabei greifen wir auf im Zuge bzw. Nachgang der ’68er-Revolte erarbeitete Konzepte z.B. des Projektstudiums (Studium als Gesellschaftsveränderung) oder der gruppenparitätisch verwalteten Gremienuniversität (Hochschulgesetz von 1969) zurück.

Daran anknüpfend wollen wir gemeinsam mit euch am Montag, den 27. April, um 18.30 Uhr den Dokumentarfilm „Bilderbuch einer Revolte“(1993) über 1968 anschauen und diskutieren, wie insbesondere der kulturelle Ausbruch aus den Einschränkungen des Bachelor-Master-Terrors und der Burn-Out-Kultur gelingen kann.

Flugblatt als PDF hier

Mrz 282015
 

Die politische Wende, die von der griechischen Wahl am 25. Januar eingeleitet wurde, naht heran wie ein reißender Fluss in ganz Europa – in Spanien, Irland und anderswo. Diese politische Wende ist nicht aufzuhalten, denn der Grund ihrer Entstehung ist das große soziale Unrecht, das scharfe soziale Gefälle und das dringende Bedürfnis der Völker Europas atmen zu können.“ Alexis Tipras, griechischer Ministerpräsident, in seiner Rede „Sie machen uns keine Angst“ zur Verabschiedung des Gesetzentwurfs zur Bewältigung der humanitären Krise im griechischen Parlament.

Alexis Tsipras baut auf den Humanismus, mit dem aktuell eingetreten wird für die würdevolle Entwicklung der Gesellschaft mit öffentlichen Bildungseinrichtungen für alle, ein wirkliches Gesundheitswesen, eine soziale Daseinsvorsorge und blühende Kultureinrichtungen. Mit dieser Oppositionspolitik für die Lösung der humanitären Krise wird der neoliberalen Ideologie von „There is no alternative!“ (TINA) das Ende bereitet. Das bringt die Herrschenden in Bedrängnis. „Sodann erzählte Kauder von einem Gespräch mit dem portugiesischen Botschafter in Berlin. Der habe ihm gesagt, Ausnahmeregelungen und Zugeständnisse in Athen würden es der Regierung in Lissabon unmöglich machen, ihrer eigenen Bevölkerung zu erklären, im Zuge der Euro-Rettung „Opfer auf sich zu nehmen“.“ Günter Bannas: „Merkels europapolitisches Pathos“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.03.2015.

Die Ambitionen des Humanismus, das „Denken und Handeln im Bewusstsein der Würde des Menschen“ (Duden), sind also so überzeugend, dass dessen Wirkkraft mit allen Mitteln zu bekämpfen versucht wird. Die brutalen Mittel der Austeritätspolitik, die zu Massenarmut, erhöhter Suizidrate, kaputter öffentlicher Infrastruktur, zum Ausbluten des Sozialstaats und zur Zerstörung von Bildungs-, Gesundheits-, und Sozialeinrichtungen führt, werden mit dem massenhaften Eintreten für eine soziale Perspektive aber zunehmend in Frage gestellt – in Athen, in Madrid, in Frankfurt. Die Enge des Neoliberalismus wird also politisch, praktisch und subjektiv durchbrochen.

Auch an der Uni Hamburg kann das unternommen werden: Statt der Enge des neoliberalen Bachelor-Master-Terrors durch Leistungspunktejagd, Modulhäppchen und Masterplatz-Konkurrenz zu entsprechen, setzen wir uns mit den „großen Fragen“ unserer Zeit – soziale Gleichheit und Frieden – auseinander. Statt ein Härtefall zu sein, weil den Leistungsanforderungen nicht entsprochen wird, tauschen wir uns über das krankmachende Bologna-Studieren aus, für die Veränderung. Statt isoliert den Ansprüchen der Leistungsgesellschaft (vermittelt durch Arbeitsmarkt, Eltern, Professor) zu genügen, assoziieren wir uns gemeinsam für menschenwürdige Entwicklung.

An dieser Universität haben wir mit der Verfassten Studierendenschaft (Fachschaftsräte, Studierendenparlament und AStA) als erkämpfter Zusammenschluss solidarischer Interessensvertretung die Möglichkeit, gemeinsam einzugreifen für progressive Verbesserungen. Lasst uns atmen!
“Das mußte verändert werden. Raus aus der Isolation.
Später, als er in seiner Mansarde saß, hatte er daran gedacht, wie oft sie das gesagt hatten: verändern und befreien. Vielleicht hatten sie es auch gar nicht so oft gesagt und er bildete es sich nur ein. Aber er hatte an dem Abend im Cosinus diese Worte zum erstenmal mit einer neuen Bedeutung gehört. Er hatte das Gefühl gehabt, als löse sich ein Erstarrung langsam auf, die er früher nicht einmal bemerkt hatte [...]Sie konnten unglaublich ernst und konzentriert miteinander diskutieren und im nächsten Moment wie die Kinder herumalbern, um dann sogleich wieder genauso ernst wie vorher weiterzudiskutieren. Beides gehörte zusammen, das löste sich nicht ab, wie Ullrich zunächst gedacht hatte, sondern das eine ging aus dem anderen hervor.”
Uwe Timm, Heißer Sommer, Roman, 1974.

Flugblatt als PDF hier

Plenumsschwerpunkte

13.04.  Semestereinstieg

20.04.   Kurzfilm und Diskussion über Aktualisierung der Kämpfe: 1968

18.05. Input und Diskussion „Marxistische Ökologie“

Nov 222012
 

Geschichte der Hochschuldemokratie

Mittwoch, den 28.11.2012, um 18 Uhr, VMP 6 (Philturm), Hörsaal F

Mit der Gründung der BRD 1949 sollte das Bildungswesen von Grund auf reformiert werden. Die nazistischen und militärischen Lehrinhalte sollten entfernt werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hätten auch die Lehrenden und die Hochschuladministration erneuert werden müssen. Das blieb jedoch weitestgehend aus. Ein wesentlicher Ausgangspunkt für die Proteste der StudentInnen der 1960er und 1970er Jahre war die Tatsache, dass noch immer Professoren an der Hochschule unterrichteten, die das schon während der Nazizeit getan hatten. Mit dem Slogan “Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren” riefen sie auch zur Demokratisierung der traditionellen Ordinarienuniversitäten auf. Sie war in die Forderung nach Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche eingebettet. In den folgenden Jahren gelang es den Studierenden in mehreren Bundesländern, erweiterte Mitbestimmungsrechte in den Hochschulgesetzen zu verankern. Ziel der Studierenden war es, die Mitbestimmung und Beteiligung aller an der Hochschule vertretenen Gruppen – auch der Studentinnen – zu ermöglichen. Aus den Auseinandersetzungen um die Hochschulreform ging das Hochschulrahmengesetz von 1976; eine “staatlich regulierte und professorenorientierte Gruppenhochschule” hervor.
Zur Verbesserung der sozialen Mobilität wurde der „zweite“ und „dritte“ Bildungsweg ausgebaut. Er ermöglichte die Öffnung der Universitäten für bisher weitgehend ausgeschlossene Arbeiterkinder und vor allem Frauen. Auch dieser Reformeifer ließ Mitte der 1970er Jahre nach. Etwas später wurde Gleichstellungspolitik an den Hochschulen etabliert. Heute wird die erkämpfte Demokratisierung der HS zurückgedreht. Die Frage nach einem integrativen demokratischen Bildungssystem darf nicht aufgegeben werden.

https://www.facebook.com/events/117057465122123/

Die unternehmerische Hochschule

Mittwoch, den 5.12.2012, um 18 Uhr, VMP 9 (Ex-HWP), Raum S 7

Die Bologna-Reform leitete eine Kommerzialisierung des Forschungs- und Lehrbetriebs ein. Damit hielt das Paradigma der Profitmaximierung Einzug in den Hochschulalltag.

Sonja Staack, Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, spricht über die Umsetzung der Bologna-Beschlüsse und deren Auswirkungen.

https://www.facebook.com/events/182373808553909/

Geschichte der Hochschuldemokratie und Bologna-Prozess

Das 2001 von Jörg Dräger und dem CDU-Schill-Senat eingeführte Hochschulgesetz baute die Hochschule um zu einer Institution, die wie ein Unternehmen geführt werden sollte. Also ging es um Effizienz statt Demokratie. Um Drittmittel statt Kritische Wissenschaft. Ein Hochschulrat, der geheim tagt, Richtungsentscheidungen für die Uni trifft und zur Hälfte aus Leuten besteht, die mit der Uni nichts zu tun haben. Entscheidungsstrukturen von Oben nach Unten statt basisdemokratisch von Unten nach Oben. Und eine Fakultätenbildung, die mit wissenschaftlicher, demokratischer und organisatorischer Sinnhaftigkeit wenig zu tun hat.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, hat das Bundesverfassungsgericht am 20. Juli 2010 entschieden, dass das Hamburgische Hochschulgesetz (HmbHG) in Teilen sogar gegen die Verfassung verstößt.

Seither hat der Senat, erst schwarz-grün und jetzt SPD, die Aufgabe, dieses Gesetz zu novellieren. Ein erster Entwurf der Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt, der eine Redemokratisierung der Hochschulen vorsah, wurde von der Wirtschaftsbehörde mit dem Hinweis kassiert, die Unis brauchten keine „aus dem politischen Archiv hervorgeholten Vorschläge für mehr Gruppendemokratie“ (taz vom 14.09.12). Dies ist besonders pikant, da mit Frank Horch der ehemalige Chef der Handelskammer nun der Chef der Wirtschaftsbehörde ist und die Handelskammer wiederum als Ghostwriter des Drägerschen Gesetzes von 2001 und gilt.

Aufgrund dieses Machtkampfes innerhalb des Senats verzögert sich die Novelle nun von Monat zu Monat. Laut neuesten Aussagen wird jetzt mit einem Entwurf im Februar 2013 gerechnet.

Damit eine Universität „zur Entwicklung einer humanen, demokratischen und gerechten Gesellschaft beitragen und Frauen und Männern gleichen Zugang zu Bildung und Wissenschaft eröffnen“ betragen kann, wie es im Leitbild der Universität Hamburg heißt, ist es dringen notwenig, die Universität wieder zu einer demokratischen Einrichtung zu machen, in der die verschiedenen Statusgruppen gleichberechtigt und nach dem Subsidiaritätsprinzip die Universität von Unten nach Oben gestalten.

Um uns darüber zu informieren, welche historischen Beispiele von basisdemokratischen Gruppenuniversitäten besonders seit 1968 existierten und welche Hürden in Zeiten von Bachelor-Master-System für eine Redemokratisierung zu nehmen sind, haben wir Gisela Notz und Sonja Staack vom Bund demokratischer Wissenschaftler*Innen eingeladen. Denn aus der Geschichte sollte mensch ja bekanntlich lernen!

Jun 152012
 

Am Donnerstag, den 14.06.2012, fand anlässlich des BILD-Geburtstages der Vortrag “Medienmacht im Kontext gesellschaftlicher Spannungsverhältnisse” von Dietrich Hildebrandt statt. Der Vortrag bietet einen Rückblick in die damalige Situation um die Verhinderung der Auslieferung der BILD-Zeitung 1968 und einen Vergleich zwischen der Rolle und Ausgestaltung der BILD “damals” und “heute”.

Themen waren u.a. die Frage nach der Legitimation von partikularer Gewalt zur Überwindung der allgemeinen Gewalt, die adäquate Aktionsform für gesellschaftliche Veränderung in der heutigen Zeit und die Frage, ob die Medien manipulieren oder nicht eher die Erscheinungsformen der Verhältnisse die wirklichen Verhältnisse verschleiern. Hier findet ihr die komplette Veranstaltungsankündigung.

Vortrag 

Vortrag von Dietrich Hildebrandt

(die kurze Einleitung von schlechter Aufnahmequalität ist gefolgt von dem technisch und qualitativ umso besseren Vortrag)

Diskussion

Diskussion mit Dietrich Hildebrandt

Dietrich Hildebrandt ist heute freier Sozialwissenschaftler. Er war seit 1967 Mitglied im SDS und 1970 AStA-Vorsitzender an der Universität Heidelberg, dort aktiv in der Studentenbewegung und an den Protesten gegen die Auslieferung der BILD-Zeitung beteiligt. 

Jun 052012
 

Wer austeilt muss auch einstecken können

Zum 60-jährigen Bestehen der BILD plant der Springer-Verlag, am 23. Juni 2012 allen 41 Millionen deutschen Haushalten eine BILD zu schicken. Das nehmen wir zum Anlass, uns mit dem Springer-Konzern, seiner Medienmacht und der gesellschaftlichen Funktion und Wirkung auseinanderzusetzen. Verschiedene Protestaktionen anlässlich des BILD-Geburtstags sind schon gelaufen, laufen noch oder sind in Planung. An der Uni Hamburg organisiert der SDS* zwei Veranstaltungen zu dieser Thematik. (siehe rechte Seite)

Die BILD-Zeitung gehört zur Axel Springer AG, einem der einflussreichsten Medienkonzerne Europas, und ist die auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland. Sie nimmt also eine wichtige Rolle bei der Meinungsbildung im öffentlichen Diskurs ein. Doch welche Meinungen werden in der BILD und in anderen Medien des Verlages vertreten und welche gesellschaftliche Funktion nehmen sie ein?

Kritik an der BILD-Zeitung wird häufig formuliert, mal fundiert, mal eher oberflächlich. Auf mehreren Ebenen werden in dieser Zeitung Positionen vertreten und salonfähig gemacht, die die bestehenden Verhältnisse mindestens bejahen, reproduzieren bzw. stabilisieren, wenn nicht sogar die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft manifestieren. Beispielsweise die Debatte um die Euro-Krise zeigt, wie die BILD-Redakteur*Innen dazu beitragen, ganze Bevölkerungen gegeneinander aufzuhetzen und unter Anderem die ökonomisch-strukturellen Ungleichheiten auf biologistische oder nationale Eigenschaften zurückführen. Mit diesen Diffamierungen trägt die BILD aktiv zu einem gesellschaftlichen Klima bei, in dem nationalchauvinistische Positionensalonfähig sind.

Wichtig bei der Kritik ist es daher, die Rolle des Axel Springer Verlages, und im Speziellen auch die der BILD-Zeitung, im gesamtgesellschaftlichen Diskurs nicht außer Acht zu lassen und diese kritisch zu diskutieren.


Medienmacht im Kontext gesellschaftlicher Spannungsverhältnisse“

am Do, 14.06.2012, 18.30 Uhr, S27, VMP 9 (HWP) mit Dietrich Hildebrandt

Die Feindschaft zwischen der BILD-Zeitung und der Studentenbewegung der „68er” war groß und beinhaltete z.T. blutige Auseinandersetzungen, Aktionen und breite Kritik am Axel Springer Konzern. Wie war die Lage damals? Wie sah die Berichterstattung der BILD aus? Welche Funktion im öffentlichen Diskurs und in der Gesellschaft nahm die BILD-Zeitung damals ein? Welche Kritik wurde daran formuliert? Die Meinungsmache gegen die Studentenbewegung wurde offensiv betrieben und war ebenso Ausdruck eines gesellschaftlich weit verbreiteten Antikommunismus. Deswegen wollen wir uns mit diesen Fragen anhand eines Input-Referats von Dietrich Hildebrandt auseinandersetzen. Dietrich Hildebrandt ist heute freier Sozialwissenschaftler. Er war seit 1967 Mitglied im SDS und 1970 AStA-Vorsitzender an der Universität Heidelberg, dort sehr aktiv in der Studentenbewegung und an den Protesten gegen die Auslieferung der BILD-Zeitung beteiligt.

FB-Link zum Event: www.facebook.com/events/323691977707934/

Alle gegen BILD“ am Di, 19.06.2012, 20.00 Uhr, S28, VMP 9 (HWP)

mit zwei Aktivist*Innen aus Berlin

Die Kampagne “Alle gegen BILD” ruft dazu auf, im Vorfeld der Zustellung der BILD-Zeitung zu widersprechen. Zum einen soll dadurch der logistische Aufwand für den Springer-Konzern erhöht und die Einnahmen durch Werbeanzeigen gesenkt werden. Zum anderen soll durch diese symbolische Aktion eine neue Debatte über die BILD-Zeitung und den Springer-Verlag sowie generell über die Medienlandschaft angestoßen werden. Bis jetzt haben sich schon über 220.000 Menschen an der Aktion über die Seite der Kampagne: www.alle-gegen-bild.de und über die Seite von campact: www.campact.de/bild/home beteiligt. Ein guter Start um sich wieder mit Kritik an BILD, Axel Springer und Medien zu beschäftigen.

Zur Vorstellung dieser Kampagne und zur Diskussion über die aktuelle Kritik an dieser Tageszeitung und dem zugehörigen Konzern haben wir zwei Aktivist*Innen aus Berlin eingeladen.