Jan 112020
 

„12. In praktisch kürzester Frist ist das deutsche Wirtschaftsleben zu dezentralisieren mit dem Ziel der Vernichtung der bestehenden übermäßigen Konzentration der Wirtschaftskraft, dargestellt insbesondere durch Kartelle, Syndikate, Trusts und andere Monopolvereinigungen.
13. Bei der Organisation des deutschen Wirtschaftslebens ist das Hauptgewicht auf die Entwicklung der Landwirtschaft und der Friedensindustrie für den inneren Bedarf (Verbrauch) zu legen.“

(Potsdamer Abkommen, beschlossen 2.05.1945 von der Konferenz der Siegermächte USA, GB und UdSSR)

In diesem Jahr feiern wir 75 Jahre Befreiung von Faschismus und Weltkrieg. Eine Allianz der Humanität schuf 1945 die Perspektive eines egalitären, demokratischen, sozialen und damit solidarischen Zusammenlebens weltweit. Die dafür zu ziehenden Konsequenzen wurden u. a. im Potsdamer Abkommen mit den vier D‘s gefasst: Entfernung aller Nazis und ihrer Gesetze aus dem öffentlichen Wesen (Denazifizierung), völlige Abrüstung und Entmilitarisierung (Demilitarisierung), starke sozialstaatliche Regulierung und Einschränkung der Wirtschaftsmacht der Monopole für das Allgemeinwohl (Dezentralisierung), demokratische Organisation öffentlichen Lebens in Bildung, Kultur, Wissenschaft und Staatswesen (Demokratisierung). Diese gemachten Erkenntnisse für das „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg“ zu verwirklichen ist – angesichts der aktuell international zugespitzten Lage – hoch aktuell.

Die Bearbeitung der tiefen Krise des neoliberalen Kapitalismus ist heftig umkämpft. Wachsende soziale Bewegungen weltweit setzen auf Umverteilung des gesellschaftlich erarbeiteten Reichtums, Demokratisierung, wirkliche Klimapolitik, massiven Sozialsstaatsausbau, zivile Entwicklung und auf die Realisierung der Menschenrechte als humanen Ausweg aus der Krise – von Chile über Frankreich bis in den Libanon. Dagegen wird herrschenderseits zur Verteidigung der Besitz- und Machtverhältnisse auf Repression nach innen (Austerität, Polizeigesetzverschärfungen) und Aggression (Aufrüstung und Krieg) nach außen gesetzt. Trump spielt mit der Gefahr eines neuen heißen Krieges mit dem Iran und Irak, um von den Konflikten im Inland abzulenken und die sinkenden Einflussspähren von US-Kapital im Nahen Osten zu sichern. In der BRD wird kräftig mitgemischt: Sowohl als logistische Drehscheibe für US-amerikanische Kampfdrohnen-Einsätze von Ramstein Air Base (westlich von Kaiserlautern) als auch mit massiver Aufrüstung im Rahmen der NATO. So sind im aktuellen Bundeshaushalt die höchsten Militärausgaben seit 1945 vorgesehen. Dafür muss gelogen werden bis sich die Balken biegen, da die riesengroße Mehrheit der Bevölkerung zivile Konfliktbearbeitung und Diplomatie den Bomben und Soldaten vorzieht. Aufklärung ist dagegen eine mächtige Waffe. Denn Frieden hat Ursachen.

Wissenschaft und Bildung haben für diese Aufklärung und Mobilmachung für den Frieden große Bedeutung. Die wissenschaftliche Erarbeitung der Ursachen von Krieg trägt dazu bei, Kriege nicht als Schicksale der Menschheit zu akzeptieren und eröffnet die Möglichkeit der Ursachenbekämpfung. Die Aktualisierung der vier D‘s für heute ist ein solcher Beitrag. Emanzipatorische Bildung entwickelt souveräne Persönlichkeiten, die eintreten für die zivile und demokratische internationale Verständigung. Friedensforschung erarbeitet Perspektiven für die umfassende Realisierung von Frieden und legt historische Gründe für das Ende von Kriegen offen. Mit den aktuell finanziell und demokratisch sehr prekären Bedingungen an der Uni sind diese wissenschaftlichen Tätigkeiten erheblich eingeschränkt, und somit umso nötiger zu unternehmen. In diesem Sinne wirken bundesweit zahlreiche Initiativen für Zivilklauseln, die zu rein zivilen Wissenschaften verpflichten und auch ein Schutz vor dem Zugriff des militärisch-industriellen Komplex sind. In diesem Sinne setzen wir uns ein für Friedenswissenschaft als Leitwissenschaft. Sinnstiftend tätig sein.

„Mit den Waffen des Geistes
gegen den Geist der Waffen!“

(Martin Löwenberg, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Nazi- regimes, VVN, in der sowjetischen Besatzungszone)