Jan 122014
 

Die systemische „Unanständigkeit“ der aktuellen Verhältnisse zeigt sich derzeit vielen Menschen besonders deutlich anhand der Räumungsdrohung gegenüber der Roten Flora, der eigentümerfreundlichen Evakuierung der Esso-Häuser und des mörderischen Umgangs des SPD-Senats mit den Geflüchteten der Lampedusa-Gruppe.
Statt ernsthaft etwas gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums, für bedürfnisorientierten Wohnraum als Grundrecht und für eine menschenwürdige Asylpolitik zu unternehmen, lässt der SPD-Senat die Polizei mit Racial Profiling, Demoverboten und Gefahrengebieten antworten.
Hinter diesen sozialen Konflikten und deren vermeintlicher ordnungspolitischer Beantwortung steckt das in den 80er Jahren institutionalisierte Verständnis von Hamburg als „Unternehmen“, das in seinem Inneren „rationalisiert“ und „effizient“ gestaltet werden müsse und nach außen sich in der globalen Standortkonkurrenz zu bewähren habe. Privatisierungen, Kürzungen, Leuchtturmprojekte à la Elbphilharmonie und die Orientierung an ökonomischen Kennziffern sollten in allen Bereichen einen attraktiven Boden für die profitable Verwertung von (Human-)Kapital bereiten. Menschen, die nicht in das Raster passen oder passen wollen, fallen hinten runter und werden bekämpft. Ideologisch abgesichert wurde und wird diese Politik des Klassenkampfs von Oben durch Sachzwangargumentationen und das „There Is No Alternative“-Prinzip. Da diese „Argumentation“ im Rahmen der Finanzkrise weltweit einen massiven Legitimationsverlust erlitten hat, greift dieser Staat als ideeller Gesamtkapitalist nun auf brutale Zwangsmittel zurück, um den status quo irgendwie aufrecht zu erhalten.
Immer mehr Menschen wollen sich nicht länger auf die vermeintliche „Freiheit des Marktes“ und das repräsentativ politische System beschränken lassen, sondern demokratisch entscheiden, was gesellschaftlich erzeugt wird: Am Arbeitsplatz, in der Schule, im Stadtteil. Statt sich bspw. von der Bayerischen Hausbau GmbH diktieren zu lassen, ob die Bewohner*Innen in den Esso-Häusern dort gut leben können oder evakuiert werden müssen, nehmen die Menschen die gesellschaftlichen Alternativen selber in die Hand: z.B. durch Hausbesetzungen oder die Unterstützung der sozialen und kulturellen Teilhabe der Geflüchteten.
Um Alternativen zum Bestehenden zu entwickeln, haben wir an der Universität im Vergleich zum Rest der Gesellschaft insofern bessere Bedingungen, als dass es relativ gute Möglichkeiten gibt, um über Inhalt und Ausgestaltung unserer Arbeit zu bestimmen und diese zu reflektieren.
Erkämpft wurde die „Hochschule als Republik“, die in paritätisch besetzten Gruppengremien (heute ärgerlicherweise mit professoraler Mehrheit) von Unten nach Oben organisiert wurde, in den 70er Jahren. Im Wesentlichen geht es darum, die Institution von Bildung und Wissenschaft als gemeinsame, öffentliche Sache zu begreifen, die von ihren Mitgliedern – also uns Allen – demokratisch organisiert wird. So entscheidet der Akademische Senat über grundlegende Fragen, wie die Ausrichtung der Uni (Leitbild, Struktur- und Entwicklungsplan), Haushalt und Fakultätengliederung. In den Fakultätsräten wird auf niedrigerer Ebene Vergleichbares diskutiert und beschlossen, hinzu kommt die Entscheidung über die Studienorganisation (Prüfungsordnungen und Modulhandbücher).
Das Studierendenparlament ist das Herzstück der „Verfassten Studierendenschaft“, der Selbstorganisation studentischer Interessen. Hier werden aktuelle politische Debatten geführt, der Haushalt (aus unseren Semesterbeiträgen) beschlossen und der AStA gewählt sowie kontrolliert. Die  linke Zusammensetzung all dieser Gremien durch die bis zum 17.01. parallel laufenden Wahlen ist für die Erweiterung der Eingreifmöglichkeiten für alle Studierenden von Bedeutung.

Daher unterstützen Mitglieder unserer Listen mit ihrer Kandidatur das „Bündnis für Aufklärung und Emanzipation“ (Liste 2) bei der Wahl zum Akademischen Senat und daher treten wir auch mit dem Ziel eines linken AStAs zur Wahl für das Studierendenparlament an.