Dez 012018
 

Die Wahl zum Studierendenparlament steht wieder an! Ab dem 8. Dezember sind alle Briefwahlunterlagen versendet, die dann bis zum Jahreswechsel (2.1.19) eingegangen sein müssen. Urnenwahl findet vom 14.01.19 bis 18.01.19 statt. Nachfolgend findet ihr unsere große Listendarstellung. „Wer die Welt verändern will, muß sie erkennen. Wer sich befreien will, braucht Genossen. Wer Kraft entfalten will, muß sich organisieren. Wer ein freies, menschliches Leben erringen, die Zukunft gewinnen will, der muß kämpfen!“ (Ernesto Che Guevara)

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An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird?
Ebenfalls an uns.
Bertolt Brecht, Lob der Dialektik

GESCHICHTE IST Mplakat sds 2018ACHBAR!
Die Welt ist in einer tiefen Krise. Die Ursache findet diese in der sozialen Polarisierung zwischen oben und unten: 1 % haben soviel Vermögen wie die restlichen 99 % der Weltbevölkerung zusammen. Ihren Ausdruck findet sie in der politischen Polarisierung zwischen Links und Rechts: Wird die Krise mit Austeritäts- und Kriegspolitik verschärft oder gelingt ein progressiver Aufbruch? Greifen die sozialen Bewegungen von #ausgehetzt, #hambibleibt, #unteilbar und Seebrücken oder die forcierte Einschüchterung durch rechte Hetze weiter um sich? Der gesellschaftliche Bedarf an kritischer Wissenschaft und emanzipatorischer Bildung steigt – für die humane Krisenlösung.

Damit aber wir als Bevölkerung mit Bildung und Wissenschaft nicht progressiv eingreifen, werden wir mit allerlei neoliberalen Instrumenten auf Anpassung hin unter Druck gesetzt: Bachelor-Master-Quälerei, Drittmittel-Hechelei, zu geringes und zu kurzes BAföG, Konkurrenz um verknappte Mittel, alles verschärft durch die „Schuldenbremse“. Damit soll weitverbreitete Hoffnung auf eine menschenwürdige Welt ins Private verlagert werden. Die politische Aktivität könne höchstens in der sog. Freizeit stattfinden, sonst sollen wir brav in die davon abgetrennten Seminare, Vorlesungen und zur Lohnarbeit gehen – die organisierte Belanglosigkit.

Dagegen – wie der Kommunist Antonio Gramsci in der Kerkerhaft im faschistischen Italien schrieb – „…ist es vorzuziehen, die eigene Weltauffassung bewußt und kritisch auszuarbeiten und folglich, im Zusammenhang mit dieser Anstrengung des eigenen Gehirns, die eigene Tätigkeitssphäre zu wählen, an der Hervorbringung der Weltgeschichte aktiv teilzunehmen, Führer seiner selbst zu sein und sich nicht einfach passiv und hinterrücks der eigenen Persönlichkeit von außen den Stempel aufdrücken zu lassen“ (Gefängnishefte, 1375). Gehen wir es gemeinsam an!

SAG NEIN!

Für die progressive Veränderung braucht es diejenigen, die die organisierte Belanglosigkeit in Frage stellen und die eigene Weltauffassung bewusst und kritisch ausarbeiten – zur Vertiefung der politischen Aktivität im Alltag. Deswegen: sag Nein! Zu den verkommenen Verhältnissen, in denen wir um Credit-Points, Wohnungen und Jobs wetteifern sollen, in denen wir uns zur Schau stellen, verkaufen und anpassen sollen, in denen wir ein erniedrigtes, geknechtetes, verlassenes und verächtliches Wesen (Marx) sein sollen. Setzen wir dagegen das solidarische Engagement für progressive Verbesserungen. Geschichte ist machbar!

Ein solches Nein ist Grundlage für den solidarischen Kampf um kritische Wissenschaft – zur Demokratisierung aller Lebensbereiche, Schaffung eines nachhaltigen Mensch-Natur-Austauschverhältnisses, zivile Entwicklung und Realisierung der Menschenwürde. Die Verfasste Studierendenschaft, deren demokratisches Herzstück das Studierendenparlament ist, ist erkämpfterweise die beste Möglichkeit dieser solidarischen Aktivität. Auch deswegen ist sie bis heute umkämpft. Entfalten wir den (teilweise noch passiven) Unmut zur aktiven Gegenwehr.

Und aus niemals wird: Heute noch!
Bertolt Brecht, Lob der Dialektik

Kritische Wissenschaft statt Exzellenzwahn
Die Uni Hamburg hat sich erkämpfterweise vorgenommen, als ‚Uni der Nachhaltigkeit‘ zur Realisierung der Agenda 2030 mit den

‚Sustainable Developement Goals‘ der Vereinten Nationen beizutragen: „Diese Agenda ist ein Aktionsplan für die Menschen, den Planeten und den Wohlstand. Sie will außerdem den universellen Frieden in größerer Freiheit festigen. Wir sind uns dessen bewusst, dass die Beseitigung der Armut in allen ihren Formen und Dimensionen, einschließlich der extremen Armut, die größte globale Herausforderung und eine unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung ist.“ (Präambel der Agenda 2030) Auf diesem erreichten Zwischenstand streiten wir weiter für die Demokratisierung der Wissenschaft und gegen den unproduktiven Exzellenzwahn. Emanzipatorisches Projektstudium statt Leistungspunkte-Lauf, argumentative Auseinandersetzung statt entfremdetem Prüfungsterror, langfristige und angstfreie Bildungsprozesse mit Masterplatz-Garantie statt staatsorganisiertem Studienabbruch nach dem Bachelor sind wesentliche Reformschritte der Studienreform für ein „Studium der Nachhaltigkeit“.

Studienhonorar statt Burnout
Der Widerspruch zwischen dem arbeitsmarktorientierten Erwerb von Credit-Points und Weltveränderung als Studienzweck gepaart mit Prekarität und restriktiven Studienbedingungen führt in den individuellen und gesellschaftlichen Burnout.
Die „68er“ kämpften daher für ein Studienhonorar, welches die „Emanzipation des Studenten zum freien intellektuellen Arbeiter und die volle Herstellung der akademischen Freiheit des Studiums“ (SDS Hochschuldenkschrift, 1962) realisiert. Allein von 20 % des Vermögens der reichsten Familie Hamburgs, der Familie Otto, könnte allen 41.000 Studierenden der Universität Hamburg fünf Jahre lang ein solches Studienhonorar in Höhe von 1050 € pro Monat bezahlt werden. Die Perspektive der Verbesserung ist das gemeinsame Engagment für die radikale Umverteilung von oben nach unten. Nötige Sozialreformen sind die Abschaffung des Semesterbeitrags, die Ausfinanzierung des Studierendenwerks und die gebührenfreie Nutzung des HVV.

Für eine Welt des Friedens und der Freiheit
Als Konsequenz aus dem gewonnenen Kampf gegen den Faschismus 1945 haben die Gefangenen des befreiten KZ den Schwur von Buchenwald gefasst: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Das ist bis heute – angesichts neuer Kriegsmanöver und NATO-Aufrüstung – zentrale Aufgabe. Das heißt für uns: Mit Sozialreformen den Nährboden der rechten Hetzer austrocknen! Mit tätigem Erinnern an Faschismus und Widerstand aus der Geschichte für heute lernen! Mit Zivilklausel in Hochschulen und Hafen die Rüstungsforschung und -exporte stoppen! Die Konsequenzen aus 1945, u. a. im Potsdamer Abkommen als Denazifizierung, Demilitarisierung, (politische wie wirtschaftliche) Dezentralisierung und Demokratisierung Deutschlands gefasst, sind bis heute ein richtiger Kompass.

— Als SDS* (Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband) sind wir für die progressiven Aufgaben unserer Zeit organisiert: Für eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige, soziale und zivile Welt, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Studium, Wissenschaft und Uni müssen wir dafür demokratisieren, gesellschaftskritisch orientieren und bedarfsgemäß öffentlich finanzieren. Wir rufen alle dazu auf, mitzumachen!

Wir engagieren uns in sozialpolitischen, friedensbewegten und antifaschistischen Bündnissen (wie in der Kampagne „International Solidarisch: Schluss mit Austerität!“, im „Auschwitz-Komitee“), in der Partei DIE LINKE, deren offiziellem bundesweiten Studierendenverband Die Linke.SDS, in Fakultätsräten, Fachschaftsräten, StuPa und in seinem Ausschuss gegen Rechts, sowie im (hoffentlich wieder) neuen linken AStA.

Dez 182016
 

sozialrevolutionaere-realpolitik_neuDie Erschöpfung der Subjekte kommt auch daher, weil sie sich durch einen für sie oft undurchsichtigen Alltag nur noch durchwursteln und keine Utopie mehr haben: keine für sich, aber sie sehen auch keine für diese Gesellschaft oder eine, die diese Gesellschaft hat. Im Alltag zu überleben, ist das oberste Prinzip geworden. Nicht nur für den Einzelnen gilt das, sondern auch für ganze Systeme wie die Wirtschaft und die Politik.“ (Heiner Keupp, emeritierter Professor für Sozialpsychologie der LMU München, im Interview mit der Monatszeitschrift OXI; 9.12.16; ganzes Interview hier)

Der Kapitalismus befindet sich aktuell in einem sozialökonomischen, politischen und ökologischen Burnout; und mit ihm wir als Subjekte. Also müssen wir als Hochschulmitglieder mit Hochdruck an den brennenden Fragen unserer Zeit arbeiten: Wie organisieren wir eine Ökonomie, welche menschliche Bedürfnisse im Zentrum hat und nicht Profit? Wie gestalten wir diese ökologisch und psychisch nachhaltig? Wie konvertieren wir Rüstungsproduktion? Wie verhindern wir G20 in Hamburg und überall?

Doch durch unsere soziale Situation als Studierende sollen uns andere Fragen aufgedrängt werden. Laut jüngster Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hat in Hamburg ein Drittel aller Studierenden weniger als 800 € pro Monat zur Verfügung und gilt damit offiziell als arm. Folglich geben 40 % an, in Unsicherheit über die finanzielle Sicherung ihres Studiums zu sein. Wir sollen uns durch den prekärer werdenden Alltag „durchwursteln“ und nur im Kopf haben, wie die Miete bezahlt werden kann, ob und wann das BAföG kommt, wie wir die Lohnarbeit und das Studium unter einen Hut bekommen etc.

Dies ist politisch bewusst hergestellt, was man am Beispiel des BAföG sehr gut sehen kann: Eingeführt wurde es als nicht-rückzahlungspflichtiger Zuschuss 1971 vor dem Hintergrund des Drucks der 68er-Bewegung. Ein Jahr später wurden 44,6 % aller Studierenden BAföG-gefördert. Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzungen um die Studienfinanzierung werden laut jüngster Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks nur noch 18,7% aller Studierenden gefördert. Die Förderhöhe ist nach jahrelangen Nullrunden mittlerweile derart lächerlich niedrig, dass das BAföG nichts mehr mit einer einklagbaren Ausbildungsförderung zu tun hat, welche die realen Lebenshaltungskosten deckt. Dadurch soll eine Haltung erzeugt werden, unser Studium als Investition ins eigene Humankapital zu sehen und uns den Erwartungen von Konzernen, häufig auch vermittelt durch Eltern, zu unterwerfen. Auch die qualitativen Anforderungen – vom „Studieren“ in Regelstudienzeit und der Nachweispflicht dessen nach vier Semestern bis zur eigenmächtigen Festsetzung der „Studieneignung“ durch das BAföG-Amt – zielen auf eine repressiv-erzieherische Funktion ab: Bloß nicht aufmüpfig sein, bummeln oder hinterfragen!

Dementgegen muss Studieren als gesellschaftlich notwendige Tätigkeit für die Bildung mündiger Persönlichkeiten im Rahmen der wissenschaftlich-politischen Lösung gesellschaftlicher Probleme verwirklicht werden. Folglich müssen wir die „Emanzipation des Studenten zum freien intellektuellen Arbeiter und die volle Herstellung der akademischen Freiheit des Studiums“ (SDS-Hochschuldenkschrift 1965) auch sozial unterlegen. Deswegen kämpfen wir für ein Studienhonorar, das allen Menschen elternunabhängig eine selbst-bewusste Teilhabe am Wissenschaftsprozess ermöglicht. Wenn wir aufhören uns gegenseitig ein Klarkommen mit den nicht zu schaffenden Leistungsanforderungen vorzuspielen und uns zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Alle zusammenschließen, befreit uns das unmittelbar von der Entfremdung: Statt uns ziellos durch die Routine des Alltags (in Richtung Erschöpfung) treiben zu lassen, können wir unserem Leben – und damit der gesellschaftlichen Entwicklung – eine sinnhafte Richtung geben. Sozialrevolutionäre Realpolitik bedeutet in diesem Sinne, mit der Perspektive einer umwälzenden Veränderung der Gesellschaft, Reformen durchzusetzen, die unsere Kampfbedingungen für den Sozialismus verbessern: Ausbau des Studierendenwerks, vergesellschafteten Wohnraum und Realisierung der Grundrechte durch öffentliche Daseinsvorsorge mit bedarfsgemäßer Finanzierung.

Dafür müssen wir unser Ändern leben: „In der revolutionären Tätigkeit fällt das Sich-Verändern mit dem Verändern der Umstände zusammen.“ (Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie)

Flugblatt als PDF hier