Nov 272018
 

„Wir können es ändern. Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben sie uns jahrhundertelang eingeredet. (…) Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit…“ (Rudi Dutschke im Gespräch mit Günter Gaus, am 3.12.1967)

plakat sds 2018Was vor 50 Jahren galt, gilt heute allemal: Die Welt hat die Veränderung bitter nötig. Die Möglichkeiten sind nun größer, weil die Produktivität und damit der gesellschaftliche Reichtum enorm gestiegen sind. Die Herausforderung ist weiterhin riesig, weil die Konzentration dieses Reichtums in den Händen weniger ebenfalls zugenommen hat. Doch gute ausreichende Ernährung, offener Zugang zu Bildung, Wissenschaft und Kultur, eine aufsuchende umfassende Gesundheitsversorgung, emanzipatorische Daseinsvorsorge und zivile und ökologische Entwicklung für alle Menschen sind materiell möglich. Bescheidenheit bei der Realisierung der Menschenwürde ist demnach unangebracht. Geschichte ist machbar.

Die „68er-Bewegung“ hat mit sozialistischem, antifaschistischem und radikaldemokratischem Engagement für eine zivile und soziale Welt ohne Ausbeutung und Krieg erhebliche Errungenschaften durchgesetzt: BAföG, Studienplatz-Ausbau, öffentliches tätiges Erinnern an den deutschen Faschismus, Friedensbewegung, kritischer Gesellschaftsbezug in der Wissenschaft, die demokratische Verfassung der Universität, die Verfasste Studierendenschaft als solidarische Kampfgemeinschaft und Vieles mehr. Darauf können wir uns nicht ausruhen. Denn die Errungenschaften sind mit dem neoliberalen Konterangriff massiv unter Beschuss geraten, aktuell zugespitzt von der Hetze der AfD. Und die Ambitionen der 68er sind bis heute nicht realisiert, doch hochaktuell und zunehmend möglich und nötig. Was tun?

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“ (Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, 1852) Heute wird uns eingeredet, wir seien unfähig, unser gemeinsames Schicksal in die Hand zu nehmen, u. a. in der Bachelor-Master-Quälerei, in der es dominant um Credit-Points statt Erkenntnis der Welt und ihrer Veränderungsmöglichkeit gehen soll; oder auf Grundlage der hergestellten prekären Lage, in der wir uns mehr Gedanken über zu hohe Miete und zu geringes BAföG machen sollen; und mit der Schuldenbremse, mit der die „Schwarze Null“ als alternativlos dargestellt und wir auf die ZuschauerInnen-Plätze der Geschichte gedrängt werden sollen. Schluss damit!

Studium und Wissenschaft haben als systematisches Durchdringen der Welt eine hohe Potentialität zum Gestalten einer menschenwürdigen Zukunft. Deswegen tobt in ihnen permanent der Kampf, wofür wissenschaftlich gearbeitet wird – für Profit oder Allgemeinwohl. Die demokratische Selbstverwaltung der Uni und der Studierendenschaft sind, auch von den 68ern erkämpfte Möglichkeiten, das gemeinsame Interesse an Wissenschaft zum Allgemeinwohl durchzusetzen. Nun stehen wieder Wahlen an, zum Akademischen Senat (das höchste demokratische Gremium der Uni mit u. a. 3 studentischen VertreterInnen) und zum Studierendenparlament (demokratisches Herzstück der Verfassten Studierendenschaft mit 47 ParlamentarierInnen). Nutzen wir diese zur vertieften Diskussion und gemeinsamen Verwirklichung unserer geschichtlichen Möglichkeit.

„Wer die Welt verändern will, muß sie erkennen. Wer sich befreien will, braucht Genossen. Wer Kraft entfalten will, muß sich organisieren. Wer ein freies, menschliches Leben erringen, die Zukunft gewinnen will, der muß kämpfen!“ (Ernesto „Che“ Guevara)

Nächste Möglichkeiten zum Einmischen:

Mi, 28.11.2018, 16.30 Uhr, HWP-Hörsaal (VMP 9): Listenvorstellung zur StuPa-Wahl

Do, 29.11.2018, 18.15 Uhr HWP-Hörsaal (VMP 9): Sitzung des Studierendenparlaments

Mo, 03.12.2018, 18.30 Uhr, Freiraum im ESA W: Plenum des SDS* zur Wahlkampfvorbereitung

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