Nov 292018
 

Wissenschaft ohne Bundeswehr! Für Friedenswissenschaft und Zivilklausel

AntragstellerInnen: SDS*, Liste LINKS, harte zeiten – junge sozialisten, CampusGrün, UKElerVereint

Das Studierendenparlament fordert das Studierendenwerk Hamburg dazu auf, ab sofort keine Werbung der Bundeswehr mehr in ihren Räumen zuzulassen. Es wird angeregt, stattdessen Ankündigungen der Friedensforschung und Friedensbildung (z.B. die Ringvorlesung) bekannt zu machen. Dazu wird der studentische Vertreter für die Vertreterversammlung beauftragt, diesen Beschluss weiterzuleiten und sich entsprechend einzusetzen:

Kein Werben für das Sterben!

Die Mehrheit der Bundesbürger*innen ist nicht nur gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr, sondern auch gegen deren geplante massive Aufrüstung: Krieg, das ist eine durch Aufklärung gefestigte historische Lehre, darf nie wieder sein!

Dagegen plant die Bundesregierung nicht nur eine immense Erhöhung des Wehretats (2019 soll er um mehr als 4 Milliarden von jetzt 38,9 Milliarden auf 43,2 Milliarden Euro). Die Bundeswehr und die Bundesverteidigungsministerin von der Leyen würden den Etat gerne bis 2023 auf 60 Milliarden anheben. Geplant ist auch, bis 2024 eine Personalstärke von 198.000 Soldaten zu erreichen. Doch die Zahl stagniert bei knapp unter 180.000.

Diese Aufrüstung soll der Absicherung einer profitorientierten Hegemoniepolitik in Afrika, Osteuropa und dem Mittleren Osten dienen. Zugleich wird eine europäische Interventionsarme erstrebt. Weil die Gegenaufklärung in der Bevölkerung wächst und zum Beispiel mit der Kampagne „Abrüsten statt aufrüsten!“ die Forderungen nach sozialen Investitionen stark gemacht werden, startet die Bundeswehr eine Werbekampagne nach der anderen, um ihre Rekrutierungsziele dennoch annähernd zu erreichen.
Diese Kampagnen sind zynisch manipulativ: Slogans wie „Kämpfe nie für dich allein“ oder „Komm mit mir die Welt retten“ versuchen notdürftig an menschenfreundliche Auffassungen anzuknüpfen und diese in die Ausbildung zum organisierten Töten zu pervertieren. Mit Versprechen auf eine gute, kostenfreie und honorierte technische oder medizinische Ausbildung werden zudem von der Bundeswehr die soziale Not von Studieninteressierten und der Studienplatzmangel ausgenutzt.

So gilt schon bei der Rekrutierung, was für jeden Krieg gilt: Die Wahrheit stirbt zuerst!

Bildung und Wissenschaft sind dagegen Aufklärung und Humanität verpflichtet. Die Universität Hamburg hat darüber hinaus in ihrem Leitbild verankert, dass sie für die „Internationalisierung von Bildung und Wissenschaft für eine friedliche und menschenwürdige Welt“ eintritt. Dies kommt erweitert in der Orientierung der universitären Wissenschaften auf eine nachhaltige Entwicklung zum Ausdruck: In den Aktivitäten der Friedensforschung am Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Zentrum für naturwissenschaftliche Friedensforschung und dem IFSH, in der Konfliktursachenforschung, der Friedensbildung, im Engagement von Universitätsmitgliedern für eine zivile gleichberechtigte Entwicklungszusammenarbeit und der kritischen Aufarbeitung des (Post-)Kolonialen Erbes, in der Untersuchung von und Aufklärung über Fluchtursachen, in der Unterstützung der Initiative zur Ächtung aller nuklearer Bewaffnung (ICAN) und zahlreichem verwandten Engagement.

Diese Aktivitäten gehören als Beitrag zur humanen Entwicklung in den Mittelpunkt der (hochschul-)öffentlichen Aufmerksamkeit. Dazu kann und sollte das Studierendenwerk gerne beitragen: Bildung statt Bundeswehr!

 Posted by at 10:23
Nov 272018
 

„Wir können es ändern. Wir sind nicht hoffnungslose Idioten der Geschichte, die unfähig sind, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Das haben sie uns jahrhundertelang eingeredet. (…) Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit…“ (Rudi Dutschke im Gespräch mit Günter Gaus, am 3.12.1967)

plakat sds 2018Was vor 50 Jahren galt, gilt heute allemal: Die Welt hat die Veränderung bitter nötig. Die Möglichkeiten sind nun größer, weil die Produktivität und damit der gesellschaftliche Reichtum enorm gestiegen sind. Die Herausforderung ist weiterhin riesig, weil die Konzentration dieses Reichtums in den Händen weniger ebenfalls zugenommen hat. Doch gute ausreichende Ernährung, offener Zugang zu Bildung, Wissenschaft und Kultur, eine aufsuchende umfassende Gesundheitsversorgung, emanzipatorische Daseinsvorsorge und zivile und ökologische Entwicklung für alle Menschen sind materiell möglich. Bescheidenheit bei der Realisierung der Menschenwürde ist demnach unangebracht. Geschichte ist machbar.

Die „68er-Bewegung“ hat mit sozialistischem, antifaschistischem und radikaldemokratischem Engagement für eine zivile und soziale Welt ohne Ausbeutung und Krieg erhebliche Errungenschaften durchgesetzt: BAföG, Studienplatz-Ausbau, öffentliches tätiges Erinnern an den deutschen Faschismus, Friedensbewegung, kritischer Gesellschaftsbezug in der Wissenschaft, die demokratische Verfassung der Universität, die Verfasste Studierendenschaft als solidarische Kampfgemeinschaft und Vieles mehr. Darauf können wir uns nicht ausruhen. Denn die Errungenschaften sind mit dem neoliberalen Konterangriff massiv unter Beschuss geraten, aktuell zugespitzt von der Hetze der AfD. Und die Ambitionen der 68er sind bis heute nicht realisiert, doch hochaktuell und zunehmend möglich und nötig. Was tun?

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“ (Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, 1852) Heute wird uns eingeredet, wir seien unfähig, unser gemeinsames Schicksal in die Hand zu nehmen, u. a. in der Bachelor-Master-Quälerei, in der es dominant um Credit-Points statt Erkenntnis der Welt und ihrer Veränderungsmöglichkeit gehen soll; oder auf Grundlage der hergestellten prekären Lage, in der wir uns mehr Gedanken über zu hohe Miete und zu geringes BAföG machen sollen; und mit der Schuldenbremse, mit der die „Schwarze Null“ als alternativlos dargestellt und wir auf die ZuschauerInnen-Plätze der Geschichte gedrängt werden sollen. Schluss damit!

Studium und Wissenschaft haben als systematisches Durchdringen der Welt eine hohe Potentialität zum Gestalten einer menschenwürdigen Zukunft. Deswegen tobt in ihnen permanent der Kampf, wofür wissenschaftlich gearbeitet wird – für Profit oder Allgemeinwohl. Die demokratische Selbstverwaltung der Uni und der Studierendenschaft sind, auch von den 68ern erkämpfte Möglichkeiten, das gemeinsame Interesse an Wissenschaft zum Allgemeinwohl durchzusetzen. Nun stehen wieder Wahlen an, zum Akademischen Senat (das höchste demokratische Gremium der Uni mit u. a. 3 studentischen VertreterInnen) und zum Studierendenparlament (demokratisches Herzstück der Verfassten Studierendenschaft mit 47 ParlamentarierInnen). Nutzen wir diese zur vertieften Diskussion und gemeinsamen Verwirklichung unserer geschichtlichen Möglichkeit.

„Wer die Welt verändern will, muß sie erkennen. Wer sich befreien will, braucht Genossen. Wer Kraft entfalten will, muß sich organisieren. Wer ein freies, menschliches Leben erringen, die Zukunft gewinnen will, der muß kämpfen!“ (Ernesto „Che“ Guevara)

Nächste Möglichkeiten zum Einmischen:

Mi, 28.11.2018, 16.30 Uhr, HWP-Hörsaal (VMP 9): Listenvorstellung zur StuPa-Wahl

Do, 29.11.2018, 18.15 Uhr HWP-Hörsaal (VMP 9): Sitzung des Studierendenparlaments

Mo, 03.12.2018, 18.30 Uhr, Freiraum im ESA W: Plenum des SDS* zur Wahlkampfvorbereitung

Nov 262018
 

In dem Augenblick, da eine Propaganda bewusst wird, ist sie unwirksam. Mit dem Augenblick aber, in dem sie als Propaganda, als Tendenz, als Haltung im Hintergrund bleibt und nur durch Haltung, durch Ablauf, durch Vorgänge, durch Kontrastierung von Menschen in Erscheinung tritt, wird sie in jeder Hinsicht wirksam.“ (Joseph Goebbels bei der ersten Jahrestagung der Reichsfilmkammer am 5.3.1937)

9a8d4511e83ff35c777fa7d33fa87a11v1_max_755x425_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2

(Imago)

Der Film „Die Feuerzangenbowle“, welcher jährlich im Audimax als kommerzielles Event zelebriert wird, ist historisch und inhaltlich ein Produkt der NS-Propaganda. Daher rufen wir dazu auf, den Film kritisch zu sehen und in Zukunft nur noch mit kritisch-wissenschaftlicher Rahmung zu zeigen.

Der Film wurde im Jahr 1943 in Babelsberg auf dem UFA-Gelände gedreht. Zu dieser Zeit herrschte der Zweite Weltkrieg: Goebbels hatte gerade im Berliner Sportpalast zum „totalen Krieg“ aufgerufen, die Massendeportationen von Millionen Europäer*Innen in Konzentrations- und Vernichtungslager wurde auf die Spitze getrieben, es begann die letzte und blutigste Zeit der systematischen Vernichtung im Zuge des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs. Der Dreh des Films fand deswegen in schalldichten Studios statt, um die Idylle des Films nicht durch den Lärm der Luftangriffe und der Fliegeralarme zu stören.

Die Wehrmacht hatte in Stalingrad eine entscheidende Niederlage kassiert. Die Berichte von der Front über die Grausamkeit und die Hoffnungslosigkeit des Kriegs verdichteten sich. Damit begann der Glaube an den „Endsieg“ in der Bevölkerung zu bröckeln. Die Auswirkungen des Kriegs wurden auch in Deutschland immer deutlicher. In der Nacht vor der Uraufführung im Januar 1944 in Berlin fielen 3.715 Tonnen Bomben auf die Stadt. In dieser Zeit kam der Unterhaltungsfilm „Die Feuerzangenbowle“ gelegen, um die aufkeimende Unzufriedenheit zu kanalisieren und die Bevölkerung hoffnungsvoll und beruhigt zu stimmen.

Eine Kapitulation Deutschlands hätte den Zweiten Weltkrieg zügig beenden können. Stattdessen hielten die Wehrmachtssoldaten und die Menschen in Deutschland weiter durch. Für das Durchhalten gab es Einschüchterungen, Arbeits- und Leistungszwang, offenen Terror, Drohungen, aber eben auch – zur Stabilisierung der sog. „Heimatfront“ – eine heftig betriebene Unterhaltungspropaganda. Der Leitgedanke der Unterhaltungsfilme, deren Produktion in den Kriegsjahren gesteigert wurde, war rückwärtsgewandte Schwärmerei, eine Verklärung der Wirklichkeit und die Vertröstung auf bessere Zeiten, sowie Aufruf zum Verzicht. Dies ist in den letzten Worten des Protagonisten Pfeiffer im Film, der gerade nach einem kurzzeitigen Aufbegehren gegen den bürgerlichen Alltag in diesen zurückgekehrt war, formuliert: „Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir in uns tragen, Träume, die wir spinnen und Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden machen.“

Wie das eingangs genannte Zitat von Goebbels verdeutlicht, „überzeugt“ Propaganda vor allem, wenn sie subtil bleibt. Sei es der zitierte Schlusssatz, die Darstellung von verschiedenen Lehrertypen, bei der die mit der egalitäreren Einstellung als trottlig dargestellt werden, oder der Verweis auf die Standhaftigkeit des „ewigen Volkes“ mit vermeintlich arglosen Vergleichen. So der Oberlehrer Dr. Brett: „Junge Bäume, die wachsen wollen, muss man anbinden, dass sie schön gerade wachsen – nicht nach allen Seiten ausschlagen. Und genau so ist das mit den jungen Menschen: Disziplin muss das Band sein, das sie bindet, zu schönem, geraden Wachstum.“

Dieser Filminhalt wie die Rituale, die die Vorführungen begleiten (der Veranstaltungskatalog des Veranstalters Unifilm nennt z. B. Pfeifen beim Auftritt eines „Frauenzimmers“, „nor einen wönzigen Schlock“ trinken), bleiben mehr als fragwürdig. Die Verharmlosung rechten Gedankenguts und die begleitende Verrohung, die sich auch in den jährlichen „Feuerzangenbowle“-Zelebrationen wiederfindet, ist gerade im Angesicht von Versuchen, die NS-Diktatur zu verharmlosen – siehe: „Vogelschiss“ (AfD) – und die Gesellschaft zu re-brutalisieren – siehe: Hetzjagden auf „Nichtarier*innen“ (Pro Chemnitz und co.) sowie Bayerische Grenzpolizei zur Abschottung gegen Menschen, die humanitärer Hilfe bedürfen (CSU) – inakzeptabel. Die subtile Propaganda von Disziplin, Autorität, Frauen- und Familienbild und Rückwärtsgewandtheit muss im Gegenteil aufgeklärt und überwunden werden.

Wir fordern Unifilm auf, die Feuerzangenbowle zukünftig nicht mehr im „Weihnachtsprogramm“ zu zeigen und für dieses einen anderen Film zu finden, der einen progressiven Grundcharakter hat (z. B. „Blues Brothers“ oder „Rocky Horror Picture Show“). Wenn Unifilm den Film– außerhalb des Weihnachtsprogramms – zeigen sollte, dann sollte dies nur mit kritisch-wissenschaftlicher Rahmung geschehen.

Eingereicht von den Listen SDS*, CampusGrün, Liste LINKS, harte zeiten und UKElerVereint! in den Ausschuss gegen Rechts des Studierendenparlaments. Gestellt als Antrag für die Studierendenparlamentssitzung am Donnerstag, den 29.11.18 um 18 Uhr im Hörsaal Von-Melle-Park 9 (FB Sozialökonomie, ehem. HWP).

Hier findet ihr eine Ausstellung zu Hintergründen, Kritik und Alternativen zur Feuerzangenbowle: PDF

Hier gibt es als PDF die Ausstellung der Verfassten Studierendenschaft der Uni Hamburg zu Hintergründen, Inhalt und Alternativen zum Film: PDF

Nov 082018
 

Antrag auf Aktuelle Stunde im Studierendenparlament der Uni Hamburg für die Sitzung am 8.11.18

AntragstellerInnen: SDS*, harte zeiten, Liste LINKS, CampusGrün, UKElerVereint

Am Sonntag, den 30. Oktober 2018, wurde in Brasilien der faschistoide Jair Bolsonaro gegen den Kandidaten der Partei der Arbeit, Fernando Haddad, mit 55,1% der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Dies war der Höhepunkt eines kalten Putsches des Establishments gegen die emanzipatorische und soziale Politik sozialer Bewegung und der Partei der Arbeit (PT) rund um Lula da Silva, die seit 1. Januar 2003 in der Regierung rund 24 Millionen Menschen der absoluten Armut entriß. Viele weitgehend mittellose BrasilianerInnenwurden in die unteren Mittelschichten gehoben. Die Regierung legte ein Eine-Million-Häuser-Programm, Familienhilfe und Programme gegen Hunger auf. Gegen diese Politik der Umverteilung von oben nach unten putschten das ökonomische, juristische und militärische Establishment 2016 in Form der illegalen Absetzung der Präsidentin Dilma Rousseff und der Einsetzung des Austeritäts-Fanatikers Michel Temer. Nachdem bei der Präsidentschaftswahl 2018 der ehem. Präsident Lula da Silva in den Umfragen bei über 70% lag und die frühere Politik fortzusetzen drohte, wurde dieser von einem Richter der nun Innenminister in der Bolsonaro-Regierung wird, zu 12 Jahren Haft verurteilt und damit aus dem Rennen geworfen.

In der Nacht vor der Wahl stürmte Polizei 20 Universitäten und entfernte unter dem Vorwand des Vorgehens gegen illegale Wahlwerbung antifaschistische Transparente, Plakate und Symboliken. Bolsonaro sagte dazu: „Die Universität ist kein Ort für Proteste“. Der neue Superminister für Wirtschaft wird der Chicago Boy Milton Friedmans, Paulo Guedes, der u.a. zu Zeiten der chilenischen Militärdiktatur eine Professur an der Universidad de Chile innehatte und ein Verehrer Pinochets ist. Die antifaschistische Brasilianische Volksfront und die Front Volk ohne Angst erklärten am 28. Oktober 2018: „In diesem Moment ist es von grundlegender Bedeutung, gemeinsam weiterzumachen und zusammenzuhalten für Demokratie, nationale Souveränität und unsere Rechte. Wir müssen nicht in Angst verfallen lassen, denn wir haben einander. Im Gegensatz zu dem, was sie denken, wird sich das brasilianische Volk zu wehren wissen.“

Vor diesem Hintergrund möge das Studierendenparlament in der aktuellen Stunde über die Entwicklung in Brasilien, unsere Verantwortung in der BRD und Internationale Solidarität der Verfassten Studierendenschaft der Uni Hamburg diskutieren.

Begründung

Brasilien über alles. Gott über allem“ | „Wenn man auf die Verbrecher schießt und einen erwischt und dafür nicht belangt wird, kannst du dir sicher sein, dass das die Gewalt im Land senken wird. Das Verbrechertum wird zurückgehen“ | „Diese roten Verbrecher werden aus unserem Heimatland verbannt. Es wird eine Säuberung werden, wie sie in Brasiliens Geschichte noch nie vorgekommen ist“ | „Jede Aktion von MST [Landlosenbewegung] und MTST [Obdachlosenbewegung] wird als Terrorismus beurteilt werden. Das Privateigentum ist heilig und muss verteidigt werden können.“ (Aussagen des designierten Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, aus jüngster Zeit)

Sehr geehrter Herr Bolsonaro, zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der Föderativen Republik Brasilien sende ich Ihnen meine Glückwünsche. Unsere beiden Länder sind seit langem durch freundschaftliche Beziehungen und gemeinsame Interessen verbunden. […] Für die Bewältigung Ihrer Aufgaben wünsche ich Ihnen eine sichere Hand, viel Kraft und Erfolg. Mit freundlichen Grüßen, Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland“ (bundesregierung.de, 1.11.18)

Bolsonaro was a politically divisive figure during much of the campaign, but his economic team appears committed to building on the reform agenda put in place over the past two years. These reforms – which include spending curbs, privatizations and a loosening of labor market laws – have helped support a gradual economic recovery. […] A growing debt burden, driven by massive social security obligations, is Brazil’s key challenge. We see broad support for reforming social security.“ (BlackRock Investment Institute, weltweit größter Investmentfonds, 29.10.18)

»Wir müssen sagen, dass gefoltert wird, weil die Eigentumsverhältnisse bleiben sollen. Freilich, wenn wir dies sagen, verlieren wir viele Freunde, die gegen das Foltern sind, weil sie glauben, die Eigentumsverhältnisse könnten auch ohne Foltern aufrechterhalten bleiben (was unwahr ist). Wir müssen die Wahrheit über die barbarischen Zustände in unserem Land sagen, dass das getan werden kann, was sie zum Verschwinden bringt, nämlich das, wodurch die Eigentumsverhältnisse geändert werden.«
(Bertolt Brecht, »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit«, 1935)

Wir werden weiterhin die Verfassung, die soziale Vielfalt, die Rechte aller, ein Brasilien von allen verteidigen und die Gefahr der Diktatur, die Beseitigung der sozialen Errungenschaften, den Verkauf des öffentlichen Vermögens, den Ausverkauf der natürlichen Ressourcen, Rassismus und Frauenverachtung, Homophobie und die Bedrohung der institutionalisierten Gewalt bekämpfen. In diesem Moment ist es von grundlegender Bedeutung, gemeinsam weiterzumachen und zusammenzuhalten für Demokratie, nationale Souveränität und unsere Rechte. Wir müssen nicht in Angst verfallen lassen, denn wir haben einander. Im Gegensatz zu dem, was sie denken, wird sich das brasilianische Volk zu wehren wissen.“ (Frente Brasil Popular [Brasilianische Volksfront]| Frente Povo sem medo [Front Volk ohne Angst], 28. Oktober 2018)

»In konzentrierter Form kommt der soziale Charakter des Faschismus also darin zum Ausdruck, daß einerseits die Führer der Arbeiterbewegung in großer Zahl verhaftet und ermordet werden, während andererseits die Führer der großen Industrie- und Bankkonzerne an die Schalthebel der Macht gelangen und von dort aus – zusammen mit den Inhabern des staatlichen Gewaltapparats – die Richtlinien der Politik bestimmen.« (Prof. Dr. Reinhard Kühnl, “Faschismus. Ursachen und Herrschaftsstruktur – Eine Einführung, S. 112)

“Die großen politischen Verbrecher müssen durchaus preisgegeben werden, und vorzüglich der Lächerlichkeit. Denn sie sind vor allem keine großen politischen Verbrecher, sondern die Verüber großer politischer Verbrechen, was etwas ganz anderes ist.
Keine Angst vor der platten Wahrheit, wenn sie nur wahr ist! So wenig das Mißlingen seiner Unternehmungen Hitler zu einem Dummkopf stempelt, so wenig stempelt ihn der Umfang dieser Unternehmungen zu einem großen Mann. Die herrschenden Klassen im modernen Staat bedienen sich bei ihren Unternehmungen meistens recht durchschnittlicher Leute.
Nicht einmal auf dem höchsten Gebiet der ökonomischen Ausbeutung ist besondere Begabung vonnöten. Der Milliardentrust der IG Farben verwendet überdurchschnittliche Intelligenz nur, indem er sie ausbeutet; die Ausbeuter selber, eine Handvoll Leute, die meistens durch Geburt zu ihrer Macht kamen, bringen kollektiv etwas Schlauheit und Brutalität auf, werden aber durch die Unbildung, und würden selbst durch etwaige Gutmütigkeit einzelner unter ihnen, nicht geschäftlich geschädigt. Die politischen Geschäfte lassen sie durch Leute besorgen, die oft noch erheblich dümmer als sie selber sind.” (Bertolt Brecht, “Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui”, Bemerkungen, 29.4.1941)

»Es kann in einem Aufruf gegen den Faschismus keine Aufrichtigkeit liegen, wenn die gesellschaftlichen Zustände, die ihn mit Naturnotwendigkeit erzeugen, in ihm nicht angetastet werden. Wer den Privatbesitz an Produktionsmitteln nicht preisgeben will, der wird den Faschismus nicht loswerden, sondern ihn brauchen.« (Bertolt Brecht, »Faschismus und Kapitalismus«, 1935)

»Wir müssen sagen, dass gefoltert wird, weil die Eigentumsverhältnisse bleiben sollen. Freilich, wenn wir dies sagen, verlieren wir viele Freunde, die gegen das Foltern sind, weil sie glauben, die Eigentumsverhältnisse könnten auch ohne Foltern aufrechterhalten bleiben (was unwahr ist). Wir müssen die Wahrheit über die barbarischen Zustände in unserem Land sagen, dass das getan werden kann, was sie zum Verschwinden bringt, nämlich das, wodurch die Eigentumsverhältnisse geändert werden.« (Bertolt Brecht, »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit«, 1935)

Hintergrundartikel von Dieter Boris: https://www.jungewelt.de/artikel/342681.faschist-im-amt-d%C3%A4mmerung-in-brasilien.html

 

 

 Posted by at 01:11