Okt 302018
 

Anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht findet am 9.11.18 um 14.30 Uhr eine Mahnwache am Joseph-Carlebach-Platz statt.

Bornplatzsynagoge 1906

Bornplatzsynagoge 1906

Am 9. November 1938 wurde in Hamburg die jüdische Synagoge am Bornplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität Hamburg verwüstet und geschändet. Im gesamten deutschen Herrschaftsgebiet wurden jüdische Einrichtungen verwüstet und zerstört sowie Jüd*innen verfolgt, angegriffen und ermordet. Die „Reichspogromnacht“ bildet damit eine Zuspitzung der immer brutaleren Vernichtungspolitik der Faschist*innen gegen Jüd*innen im Sinne der NS-Rassenideologie. Die versuchte Entmenschlichung der Jüd*innen durch die Nürnberger Rassegesetze war bereits juristisch etabliert. Im Zuge der Pogromnacht legalisierte der Staat auch noch das offene Verbrechen gegen sie und wies die Schuld daran gar den Jüd*innen selbst zu, die für den durch die Lynchmobs verursachten Schäden haftbar gemacht wurden.
1938 hatte die Uni Hamburg ihre ideologische Gleichschaltung und sogenannte „rassische“ Säuberung längst mitvollzogen. Schon vor 1933 hatte die Verfolgung humanistischer, linker, demokratischer und jüdischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – unter initiativer Beteiligung des NS-Studentenbundes – eingesetzt. Besonders die Bücherverbrennungen im Mai 1933 wurden maßgeblich von den faschistischen Studenten organisiert.
Diese Entwicklung war nicht alternativlos. Gegen die barbarische Ideologie und Praxis der Nazis regte sich auch Widerstand. Die Weiße Rose bildete sich als intellektuelles Gegengift zum Sozialdarwinismus, Rassismus, Antisemitismus und Antihumanismus der Nazis. Dazu spricht die letzte Überlebende, Traute Lafrenz, im aktuellen SPIEGEL-Interview:

„Ab 1935 veranstaltete sie [Erna Stahl] heimliche Treffen mit uns. Während das Land im Gleichschritt marschierte, entartete Kunst und verbotene Bücher verbrannte, lud sie uns ein, genau diese Bücher mit ihr zu lesen. Tucholsky, Kafka, Erich Kästner. Das war, wie gegen das Böse geimpft zu werden. [...] Vielleicht braucht man Empathie, damit Schönheit etwas in einem auslöst. Je mehr Bücher ich las, desto mehr machten sie Front in mir. […] Hans liebte Literatur, genau wie ich, also führten wir die Leseabende, die ich aus Hamburg kannte, auch in München ein. Am Anfang waren wir nur eine Handvoll Leute, dann kamen auch Sophie Scholl und etwa zehn andere Studenten, denen wir vertrauen konnten, dazu. Wir hörten Swing und tranken Wein, lasen Puschkin oder redeten über Malerei.“ (Traute Lafrenz, „Wir hatten keine Ahnung, wie allein wir waren“, DER SPIEGEL, 21. September 2018)
Ausgehend von dem Impuls des Lebendigerhaltens christlicher und humanistischer Werte entwickelten die „braven, herrlichen jungen Leute“ (Thomas Mann) der Weißen Rose zunehmende Offensivität gegenüber der Dummheit, Brutalität und Menschenverachtung der Faschist*innen. Sie verteilten insgesamt sechs verschiedene Flugblätter in steigender Auflage von am Ende 9000 Exemplaren. Nach ihrer Zerschlagung und der Ermordung vieler Protagonist*innen konnten die Flugblätter dank der Verbindung nach Hamburg über Skandinavien nach Großbritannien gelangen und von britischen Fliegern über Deutschland abgeworfen werden. So wirkte der kämpferische Humanismus dieser kleinen Widerstandsgruppe entscheidend an Aufklärung und Hoffnungsstiftung zum Sieg über den deutschen Faschismus mit!
Der Antisemitismus der Faschist*innen diente in der damaligen tiefen Krise des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens dazu, eine einfache „Lösung“ für diese vorzutäuschen. Die behauptete Verschmelzung des Widerstreits zwischen Praktiken der Unterdrückung und Ausbeutung gegen das Streben der Bevölkerung, insbesondere der Arbeiter*innen, nach einem menschenwürdigen Leben in Freiheit und Frieden in der nun als ethnisch gefassten „deutschen Volksgemeinschaft“ mit ihrer aggressiven, feindseligen und antihumanistischen Ideologie sollte auch funktional dazu führen, soziale Konflikte zu harmonisieren, zu verdecken und sie somit zu verfestigen.

Gedenkplakette an den Hamburger Zweig der Weißen Rose im Foyer des Audimax der Uni Hamburg

Gedenkplakette an den Hamburger Zweig der Weißen Rose im Foyer des Audimax der Uni Hamburg

Die Weiße Rose betonte dementgegen die strukturellen Ursachen für Ohnmachtsgefühle, Verunsicherung und Leid, auf dessen Boden die rechte Demagogie verfangen konnte, und stritten für eine alternative Welt der sozialen Gleichheit, kulturellen Egalität, demokratischen Verfügung und Wirtschaftsdemokratie: “Was lehrt uns der Ausgang dieses Krieges, der nie ein nationaler war? Der imperialistische Machtgedanke muß, von welcher Seite er auch kommen möge, für alle Zeit unschädlich gemacht werden. Ein einseitiger preußischer Militarismus darf nie mehr zur Macht gelangen. Nur in großzügiger Zusammenarbeit der europäischen Völker kann der Boden geschaffen werden, auf welchem ein neuer Aufbau möglich sein wird. Jede zentralistische Gewalt, wie sie der preußische Staat in Deutschland und Europa auszuüben versucht hat, muß im Keime erstickt werden. Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen. Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt! Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa. Unterstützt die Widerstandsbewegung, verbreitet die Flugblätter!“ (Flugblatt V der Weißen Rose, Januar 1943)
Was lernen wir daraus für heute? In Zeiten der sozialen und politischen Polarisierung, die sich auf den Trümmern neoliberaler Sozial- und Gesellschaftspolitik erhebt, gilt es heute mehr denn je, aus der Geschichte – und besonders aus dem antifaschistischen Widerstand – zu lernen und Konsequenzen zu ziehen. Wenn in der BRD wieder offen eine „Erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ (Björn Höcke) oder „Stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten in den beiden Weltkriegen“ (Alexander Gauland) eingefordert wird und die dies vertretende politische Partei in den Umfragen zur zweitstärksten aufsteigt, heißt es erst Recht, den Finger in die Wunde zu legen und mutig dem Humanismus der Widerstandskämpfer*innen aktualisiert zur Geltung zu verhelfen. Wir müssen jederzeit wachsam sein und für das eintreten, was uns zu Menschen macht. Dafür tragen wir insbesondere als Mitglieder dieser Universität mit ihrem humanistischen und daher notwendig antifaschistischen Ideal gemeinsam gesellschaftliche Verantwortung.

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!

Eingereicht von den Listen SDS*, CampusGrün, Liste LINKS, harte zeiten und UKElerVereint! in den Ausschuss gegen Rechts und beschlossen durch das Studierendenparlament.

Flugblatt als PDF hier

Okt 302018
 

„Ich war bereits voriges Jahr um diese Zeit der Überzeugung, dass es bei dem Münchener Abkommen nicht bleibt, dass Deutschland anderen Ländern gegenüber noch weitere Forderungen stellen und sich andere Länder einverleiben wird und dass deshalb ein Krieg unvermeidlich ist, d. h. ich hatte die Vermutung, dass es so kommen wird. Dies war meine eigene Auffassung. Ich kann mich nicht erinnern, dass Arbeitskameraden nach dem Abkommen von München 1938 noch von einer weiteren Kriegsgefahr sprachen. Ich gebe allerdings zu, dass ich in dieser Zeit ausländische Radiosendungen gehört habe.“
– Berliner Verhörprotokoll vom 21. November 1939

ElserAm 8.11.1939 führte der schwäbische Kunstschreiner Georg Elser im Münchener Bürgerkeller ein Attentat gegen Hitler aus, das nur knapp scheiterte. Es sollte das erste versuchte Attentat gegen Hitler sein. Anders als bei dem von Militärs durchgeführten Attentat von 20. Juli 1944 handelte Elser ohne persönliche, elitäre Machtansprüche.
Johann Georg Elser wurde 1903 in Königsbronn geboren und war als gelernter Schreiner nach wiederkehrender, durch die Wirtschaftskrise bedingter Arbeitslosigkeit in verschiedenen Betrieben in der schwäbischen Alp tätig. Elser setzte sich schon früh mit den Bedingungen der Arbeiter*innenschaft auseinander und trat 1928 dem der KPD angegliederten Roten Frontkämpferbund bei. Auch wenn er sich in dieser nie wirklich aktiv engagierte, war Elser ein überzeugter Wähler der KPD und war von Beginn an Gegner des deutschen Faschismus. So soll er den Hitlergruß verweigert und bei Radioübertragungen von Hitlers Reden den Raum verlassen haben. Weil Frankreich und England dem Völkerrecht zum Trotz auf der Münchener Konferenz den territorialen Forderungen der sogenannten „Sudetenfrage“ Hitlers an der Tschechoslowakei hinnahmen, befürchtete Georg Elser bereits früh einen bevorstehenden Krieg und fühlte dies durch den Überfall auf Polen durch die Wehrmacht am 1. September 1939 bestätigt. Elser sah von nun an eine dringende Notwendigkeit, entschlossen der Barbarei des NS-Staats entgegen zu treten, um so den Krieg und ein weiteres Blutvergießen zu verhindern.
Von diesem Zeitpunkt an plante Elser ein Jahr lang akribisch das Attentat auf Hitler. Als Ort hatte er schon bald den Bürgerkeller in München ausgewählt, in dem seit dem gescheiterten Putsch von 1923 alljährlich in einer pseudoreligiösen Verbrämung der Putschversuch als große Heldentat stilisiert wurde. Nach langer Planung konstruierte Elser schließlich mit Sprengstoff, den er sich bei seiner Arbeit in einem Steinbruch beschafft hatte, und zwei Uhrwerken einen Sprengkörper, welchen er in einer aufwändig präparierten Säule neben Hitlers Redepult deponierte. Allein der Umstand, dass Hitler und mit ihm weitere wichtige Parteifunktionäre 20 Minuten früher den Saal verließen, um in Berlin Vorkehrungen für den „ Fall Gelb“ ,den Angriff des Westens, zu treffen, ließ den Plan scheitern.
Es gab verschiedene Gründe, weshalb Menschen in den Widerstand zu dem deutschen Faschismus traten. Der Kreis um Claus Schenk von Staufenberg entstammte der deutschen Elite und besetzte wichtige Positionen im Militär und der Außenpolitik. Viele Mitglieder seines „Widerstandskreises“ waren von Anfang an in der NSDAP aktiv und begrüßten auch die Machtübertragung an Hitler. Die Motive des militärischen Widerstands waren daher keineswegs vordergründig den Faschismus oder den Krieg zu beenden, sondern galten vielmehr eigenen Machtinteressen, zu deren Zweck „Hitler wie ein toller Hund abgeschossen werden müsse“. Ebenso hatten diese Militärs auch keine demokratische Verfassung vor Augen, sondern glaubten an die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung von gegebenen autoritären Strukturen, wobei ein gelungenes Attentat wahrscheinlich den Krieg verkürzt hätte und den deutsches Faschismus empfindliche Schaden zugefügt hätte.
Im Gegensatz dazu war Georg Elser von dem Unrecht und der Menschenverachtung des NS-Regimes überzeugt und sah schon früh dessen Verbrechen. Er erkannte als Einzelperson die Brutalität des NS-Regimes. Daraus leitete er die Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen, sowie die humanistische Verpflichtung Widerstand zu leisten ab. Wie das 1964 entdeckte Verhörprotokoll der Gestapo zeigt, ließ sich Elser nicht von der demagogischen NS-Propaganda blenden. Er sah die kontinuierliche Verschlechterung der sozialen Lage der Arbeiter*innen im NS Staat, die Gleichschaltung und die systematische Ausschaltung der Menschenrechte durch das Regime.
„Nach meiner Ansicht haben sich die Verhältnisse in der Arbeiterschaft nach der nationalen Revolution in verschiedener Hinsicht verschlechtert. […] Ferner steht die Arbeiterschaft nach meiner Ansicht seit der nationalen Revolution unter einem gewissen Zwang. Der Arbeiter kann z. B. seinen Arbeitsplatz nicht mehr wechseln wie er will, er ist heute durch die HJ. nicht mehr Herr seiner Kinder und auch in religiöser Hinsicht kann er sich nicht mehr so frei betätigen.“
Elser hatte den Mut und den unbedingten Willen dem Bösen entgegenzutreten. Er nahm dafür große Gefahren in Kauf und wählte zum Schutz seines sozialen Umfelds die fast vollständige Isolation.
Kurz nach der Detonation begann die Gestapo mit der Suche nach dem*der Täter*in und schon sehr bald kam der an der schweizerischen Grenze als mutmaßlicher Deserteur Gefasste in das Visier der Fahnder*innen. Elser wurde in München von der Gestapo verhört und gefoltert. Das Geständnis Elsers nutzten die Demagogen der NS-Propaganda, um Georg Elser als „Werkzeug des britischen Geheimdienstes“ darzustellen und das Überleben Hitlers als „Vorsehung“ zu stilisieren. Nach einem Schauprozess vor dem Volksgericht wurde Elser mehr als fünf Jahre in Isolationshaft in den KZ Sachsenhausen und Dachau gefangen gehalten. Am 9. April 1945, 20 Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers, wurde Georg Elser in Dachau ermordet.
Anders als Claus Schenk von Staufenberg , welcher 1952 rehabilitiert und dessen Tat als anerkanntes Widerstandsrecht angesehen wurde, schenkte man Elser in der Bundesrepublik keine Beachtung und verunglimpfte ihn nach wie vor als „ Verräter“. Häufig durch bewusst aufrechterhaltende Gerüchte der Nazi Zeit diffamiert, passte Elser als kommunistischer Widerstandskämpfer nicht in das Weltbild des Kalten Krieges. Die bewusst anti-kommunistische Geschichtsschreibung der Bundesrepublik konnte erst durch jahrelange Arbeit von Historiker*innen gewendet werden, sodass Georg Elser seit den 1980er Jahren endlich als Widerstandkämpfer die gebührende Anerkennung zu Teil wurde.
Johann Georg Elser, der jahrzehntelang zu Unrecht verschwiegen, verdrängt und vergessen wurde, ist ein Held unserer Zeit, denn er hatte den grenzenlosen Mut und die Handlungsbereitschaft, dem Bösen entgegen zu treten und zu zeigen, dass die Barbarei des NS-Staats nicht alternativlos war.
Im Gedenken an Georg Elser: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Eingereicht von den Listen CampusGrün, Liste LINKS, SDS*, harte zeiten, UKElerVereint, beschlossen durch den Ausschuss gegen Rechts des Studierendenparlaments der Uni Hamburg.

Veranstaltungstipp: ALLEIN GEGEN HITLER – GEORG ELSER, Ein Held ohne Lobby, Jens Harzer (Thalia) liest aus den Verhörprotokollen. Am 8.11.18 in Hamburg, Uebel & Gefährlich – Ballsaal, Eintritt 8€

Flugblatt als PDF hier

Okt 112018
 

Kein anderes Bundesland, keine andere Stadt, keine andere Hochschule hat 2016 intensiver gegen die Fortführung des „Exzellenzwettbewerbs“ gestritten als wir als Uni Hamburg. Als Studierendenschaft sammelten wir1300 Unterschriften für die Kampagne „Uni für alle statt Exzellenzinitiative“ und übergaben diese an VertreterInnen der Bürgerschaftmit der bundesweit einzigen Demonstration dieser Art [1]. Unter diesem öffentlichen Druck musste Wissenschaftssenatorin Fegebank gar damit drohen, den Staatsvertrag zur Exzellenzstrategie (ExStrat) platzen zu lassen. Und nun wurde die Uni Hamburg in genau diesem Schein-Wettbewerb quasi zum deutschen Forschungsmeister gekürt. Toll. 195 Cluster-Anträge bemühten sich um die von der Bundesregierung ausgelobten 533 Mio. € pro Jahr, 88 kamen in die Endrunde und 57 Cluster werden nun gefördert.Vier Exzellenzcluster hat außer „uns“ sonst nur noch die Uni Bonn eingeworben. Der Titel „Exzellenzuniversität“ ist „uns“ damit so gut wie sicher. Meinen die wirklich, dass man eine kritische Uni einfach kaufen kann?

exstra-gruppenbild733x414

So sehen Pyrrhus-Sieger aus! Uni-Präsident, Clustersprecher, Bürgermeister |Foto: UHH

In der aktuellen tiefen gesellschaftlichen Krise, die ihre Ursache in der sozialen Spaltung findet, steigt der gesellschaftliche Bedarf an aufklärerischer, befreiender Wissenschaft und Bildung, die sich an die Lösung wirklicher gesellschaftlicher Probleme machen. Wir wollen als Unideswegen zur Umsetzung der ‚Sustainable Development Goals‘ (SDGs) der Vereinten Nationen beitragen, wie dies erkämpftermaßen im aktuellen Struktur- und Entwicklungsplan der Unifestgehalten ist. Armut, Hunger und Kriege weltweit beenden. Gute Arbeit, Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit, öffentliche Infrastruktur, nachhaltige Energiegewinnung, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und Frieden für alle schaffen. Um dazu beizutragen müssen wir uns als Wissenschaft(seinrichtung) als Teil sozialer Bewegung mit dem ökonomischen, politischen und wissenschaftlichen Establishment anlegen.

Die ExStrat ist explizit gegeneine solche Orientierung gerichtet. Sie ist eine Ausgeburt des gescheiterten Modells der „Unternehmerischen Hochschule“. Ins Leben gerufen hat sie die schwarz-rote Bundesregierung 2005/06 als Exzellenzinitiative, um – parallel zurEinführung des Bachelor-Master-Systems –die Hochschulen in den Dienst der Lissabon-Strategie der EU zu stellen. Durch letztere wurde im Jahr 2000 das Ziel ausgegeben, die EU „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen“. Die ExStrat ist also ein Instrument für profitorientierte Wissenschaft im Interesse Weniger gegen kritische Wissenschaft im Interesse der Allgemeinheit. Wenn die EntscheidungsträgerInnen eines so intendierten Programms nun die Uni Hamburg prämieren, darf man sich fragen,ob hier eine kritisch eingreifende Uni mit vier Exzellenzclustern ruhig gestellt werden soll.

Aber nicht mit uns! Dieser Bestechungsversuch zeigt, dass die Gegnerschaft wirkt. Er zeigt aber auch, dass wir noch weiter aufdrehen müssen. Die Universität der Nachhaltigkeit lässt sich nicht mit der Exzellenzuni versöhnen, beide sind ein Gegensatzpaar. Alle müssen sich entscheiden! Wir kämpfen gegen die 91% Befristung im wissenschaftlichen Mittelbau für unbefristete, volle Stellen und demokratische Departementstruktur statt Lehrstuhlprinzip. Wir kämpfen füreine enorme Erweiterung der Grundfinanzierung statt der mittlerweile 40% temporärer Mittel an der Uni Hamburg,auf der ein organisationales Burnout gedeiht. Wir kämpfen für die Rückbesinnung auf Hochschuldemokratie von unten nach oben mit gleichem Stimmrecht für alle Mitgliedergruppen statt Top-Down-Management. Wir kämpfen für gesellschaftsverantwortliches, forschendes, interdisziplinäres Lernen statt Credit-Point-Jagd für die Ausbeutung durch Unternehmen. Die ExStrat verschärft jedes der aktuellen Probleme. Siehe dazu die Kampagne „Für gute Forschung und Lehre – Argumente gegen die Exzellenzinitiative“ (exzellenzkritik.wordpress.com), welche von über 3000 WissenschaftlerInnen bundesweit unterzeichnet wurde.

Anstatt also dem Exzellenz-Wahn ein Nachhaltigkeitsmäntelchen umzuhängen, kämpfen wir erst recht für einewirkliche Uni der Nachhaltigkeit, die die SDGs radikal mitrealisiert. Lasst uns deswegen gemeinsamaufdrehen: Wir sehen uns auf der „Demonstration für die Ausfinanzierung von Bildung, Kultur und Wissenschaft – Solidarisch für ein lebenswertes Hamburg!“ am 1.11.18 (Start: 14 Uhr, Dammtor) und am Dies Academicus („Akademischer Tag“)„Transformation der Welt: Forschung und Lehre für nachhaltige Entwicklung“ am 7.11.18, zu dessen Gunsten alle Lehrveranstaltungen ausfallen (uni-hamburg.de/dies-academicus).

[1] https://www.youtube.com/watch?v=ERDajHEjbGE

 Posted by at 19:37